Es fehlen 600 Swimmingpools voll Wasser

Von: Annika Kasties und Gudrun Klinkhammer
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Jede Menge Steine und Geröll am Uferrand: In der Wehebachtalsperre befinden sich zurzeit nur noch rund elf Millionen Kubikmeter Wasser. Das sind knapp 1,5 Millionen Kubikmeter weniger als der langjährige Mittelwert für diese Zeit. Foto: A. Kasties, G. Klinkhammer
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Die Ebbe teilt den Rursee: Wo am „Kap Eschauel“ sonst die Segler unterwegs sind, können Spaziergänger ihre Meter machen ohne nass zu werden.

Stolberg. Wer dieser Tage einen Abstecher zur Wehebachtalsperre macht, sieht neben klarem Gewässer und Wäldern am Uferrand auch jede Menge Steine und Geröll. Der Wasserstand sinkt. Und das nun schon seit Wochen. Rund elf Millionen Kubikmeter Wasser befinden sich zurzeit in dem Stausee zwischen der Kupferstadt und Hürtgenwald.

Das sind knapp 1,5 Millionen Kubikmeter weniger als der langjährige Mittelwert für diese Zeit. Mit dieser Differenz könnte man etwa 600 olympische Swimmingpools mit Wasser befüllen. Der Grund für den niedrigen Pegelstand ist der überdurchschnittlich trockene Winter. „In den vergangenen beiden Monaten gab es nur wenig Niederschlag, der von der Talsperre hätte aufgefangen werden können“, erklärt Marcus Seiler, Sprecher des Wasserverbandes Eifel-Rur (WVER).

Grund zur Sorge besteht laut Seiler dennoch nicht. Sobald es wieder ein paar Tage regne, werde der Pegel schnell wieder steigen. Aus wasserwirtschaftlicher Sicht könnte die Talsperre aber durchaus etwas Niederschlag gebrauchen, sagt Seiler weiter.

100 Liter Wasser pro Sekunde

Der WVER ist Eigner des Talsperrennetzes in der Nordeifel, zu dem auch die Wehebachtalsperre zählt. Sie erfüllt drei Funktionen: den Hochwasserschutz, die Trinkwasserversorgung und die Sicherung der Wasserrechte für gewerbliche Zwecke. So entnimmt zum Beispiel eine Fischzucht unterhalb der Talsperre Wasser aus dem Wehebach.

Damit dieser stets über ausreichend Wasser verfügt, gibt die Talsperre mindestens 100 Liter pro Sekunde an das Gewässer ab. Sollte die Witterung innerhalb der nächsten Wochen hingegen nicht den Wünschen des Betreibers folgen und es weiterhin trocken bleiben, hat der WVER einige Eingriffsmöglichkeiten, um den Wasserstand zu sichern. „Wenn es monatelang nicht regnet, können wir die Entnahme für das Trinkwasser reduzieren“, nennt Marcus Seiler ein Beispiel.

Im Jahr 2014 musste der Eigner auf diese Möglichkeit zurückgreifen, berichtet Seiler. Damals befanden sich nur noch rund fünf Millionen Kubikmeter Wasser in der Talsperre. Das der Talsperre angegliederte Trinkwasserwerk der Wassergewinnungs- und Aufbereitungsgesellschaft Nordeifel (WAG) senkte daraufhin seine durchschnittliche Rohwasserentnahme von etwa 350 Litern pro Sekunde auf 40 Prozent. Für die Trinkwasserversorgung sei dies unproblematisch gewesen. Schließlich seien die Talsperren in der Nordeifel gut vernetzt. Das Trinkwasser sei einer anderen Talsperre entnommen worden.

Im Rursee herrscht Ebbe

Allerdings sinkt auch im Rursee momentan der Wasserstand. Dort sieht das Bild hingegen etwas dramatischer aus als an der Wehebachtalsperre. Es herrscht nämlich Ebbe. Dort, wo man im Sommer schnittig auf Wassermassen segeln kann, gibt es momentan noch nicht mal mehr eine Handbreit Wasser unter dem Kiel. Etwa am „Kap Eschauel“: Die sogenannte „Düse“, eine normalerweise gut mit Wasser gefüllte Verbindung zweier Gewässerabschnitte, ist dort momentan sogar trockenen Fußes begehbar. Wer mag, kann von Eschauel auf die vorgelagerte Insel wandern und wieder zurück, absolut trockenen Fußes.

„Die Rurtalsperre, dazu zählen Haupt- und Obersee, hat zurzeit einen Gesamtfüllstand von 123,5 Millionen Kubikmetern. Das sind in der Tat etwa zehn Millionen Kubikmeter weniger als der langjährige Mittelwert für diesen Zeitraum“, erklärt Seiler.

Wie er berichtet, sei es üblich, dass sich die Talsperre mit Niederschlags- und Schmelzwasser zum Sommer hin gut fülle, und dies auch gewollt sei. Zum Herbst und Winter hin werde die Füllwassermenge wieder zurückgefahren, um in der regenreichen Zeit wieder aufnahmebereit zu sein. Seiler sagt weiter: „Außerdem sind die Sommermonate ja auch Monate, in denen zumeist mehr Wasser aus der Talsperre in die Rur abgegeben wird, als ihr zufließt.“

Grund zur Besorgnis bestehe jedoch auch am Rursee nicht. Die Vergangenheit habe gezeigt, dass der Pegel der Talsperre bei tagelangem Starkregen rasch wieder nach oben schnellen kann. „Zurzeit wird in den Unterlauf der Rur mehr Wasser abgegeben, als dem System zufließt, um die Wasserrechte der Industrie am Unterlauf zu erfüllen. Die Situation ist aus rein wasserwirtschaftlicher Sicht für 2017 aber noch nicht dramatisch, für die Stützung des Unterlaufs steht immer noch genug Wasser zur Verfügung.“

Ab Anfang Februar dürften im Übrigen die Hochwasserschutzräume verringert werden, so dass die Talsperre in Zukunft höher eingestaut werden kann, so Seiler.

Für die Schifffahrt wäre ein höherer Pegelstand unabdinglich, da zum Beispiel die Anleger der Rurseeschifffahrt derart trocken liegen, dass die „Stella Maris“ und die „Aachen“ sie nicht problemlos erreichen könnten.

Absenkung der Urfttalsperre

Thema am Rursee ist auch die Absenkung der Urfttalsperre wegen Baumaßnahmen in diesem Jahr. Dazu Seiler: „Im Jahr 1997 hat es mit Vertretern der Bezirksregierung eine Begehung des 2,7 Kilometer langen Kermeterstollens gegeben, um zu betrachten, ob dort alles in Ordnung und der Stollen standsicher ist.“ Mit der Aufsichtsbehörde wurde damals vereinbart, dies alle 20 Jahre zu wiederholen.

Ende des Jahres stehe sie wieder an. Ob dann die Urfttalsperre so weit abgesenkt werde, dass man den Kermeterstollen begehen kann, werde erst im Herbst entschieden. Sollte es im Sommer zu heftigen Zuflüssen kommen, könnte die Begehung auch verschoben werden.

Auf jeden Fall sollen der Kermeterstollen und die Verschlussorgane in Richtung Kraftwerk Heimbach kontrolliert werden. Bauarbeiten seien zunächst nicht vorgesehen. „Selbst wenn sich ein Bedarf herausstellen könnte, würde die Reparatur nicht direkt ausgeführt“, sagt Seiler.

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