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Erste-Hilfe-Kurs: Gar nicht zu handeln, ist das Schlimmste

Von: Heike Eisenmenger
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Herzmassage mit Atemspende: Teilnehmerin Silvia Otta (vorne) trainiert mit DRK-Ausbilder Günter Elkenhans den Ernstfall. Foto: H. Eisenmenger

Stolberg. Das Schlimmste, was man tun kann, ist nichts zu tun: Diese Botschaft legt Günter Elkenhans den Teilnehmern beim Erste-Hilfe-Kurs des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) Stolberg eindringlich ans Herz.

Dass immer wieder Menschen sterben, weil sich keiner findet, der Wiederbelebungsmaßnahmen vornimmt, ist trauriger Alltag. „Bis der Notarzt eintrifft, können mehrere Minuten vergehen. Mit jeder Minute, die ohne Atmung verstreicht, sinkt die Überlebenschance für das Opfer drastisch”, stellt Ausbilder Günter Elkenhans klar.

Jeden zweiten Samstag wird in der DRK-Unterkunft an der Rathausstraße ein Erste-Hilfe-Kurs angeboten. Es sind vor allem Führerscheinanwärter, die an die Tür des DRK klopfen, denn ohne Erste-Hilfe-Kurs wird man nicht zur Prüfung zugelassen.

An einem Nachmittag lernen die Teilnehmer, wie sie richtig bei einem Notfall reagieren. Der Kurs vermittelt mehr als die reinen Abläufe - Elkenhans leistet ein Stück weit Überzeugungsarbeit. Es geht darum, die Initiative zu ergreifen, sich nicht darauf zu verlassen, dass schon ein anderer aktiv sein wird.

„Das Kernproblem ist, dass oft aus Angst davor, etwas falsch zu machen, nichts unternommen wird und man sich mit dem Gedanken beruhigt, ein anderer werde schon alles Notwendige einleiten”, erklärt Elkenhans. Ein psychologisches Phänomen dabei ist, dass je mehr Menschen anwesend ist, um so weniger getan wird.

Die Angst, man könne dem Opfer durch die Wiederbelebungsmaßnahmen noch mehr schaden, ist absolut unbegründet. „Sie können davon ausgehen, dass der Menschen, der vor Ihnen liegt und nicht mehr atmet, garantiert stirbt, wenn Sie nicht eingreifen. Im schlimmsten Fall stirbt die Person trotzdem, aber sie hatte wenigstens die Chance, es doch zu schaffen.”

Auch die Sorge, bei der Herzmassage könnten Rippen brechen, ist haltlos. „Es kann gerade bei älteren Menschen passieren, dass eine Rippe bei der Massage bricht. Aber das ist doch allemal besser, als zu sterben.”

Das, was Elkenhans in der Theorie anschaulich erklärt, wird sogleich in die Praxis umgesetzt. „Testperson” für die Herzmassage mit Atemspende ist eine lebensgroße Puppe, die nur aus Torso und Kopf besteht. Die Herzmassage an sich ist nicht schwierig. Das Problem ist der Stress, den eine Notsituation auslöst: Da kann es passieren, dass man vor Aufregung vergisst, was zu tun ist. Wer aber den Ablauf immer wieder übt, verinnerlicht ihn so, dass er ihn auch unter Stresseinwirkung abspult.

Unfallofer ansprechen

Die Erste in der kleinen Teilnehmerrunde, die am „Dummy” Wiederbelebungsversuche durchführt, ist die Silvia Otta. Die 42-jährige hat gut aufgepasst: Sie spricht das „Unfallopfer” laut und deutlich an, berührt den Dummy, der ganz nach Vorgabe im Rollenspiel keinen Mucks von sich gibt. Laut Drehbuch ist das Opfer bewusstlos und atmet nicht mehr, es muss also schnellstmöglich ein Notarzt her.

Das konkrete Benennen der Personen, die mithelfen sollen, sei enorm wichtig, betont Ausbilder Elkenhans. „Sagen Sie nicht: "Jemand soll den Notarzt rufen", sondern sprechen Sie Umstehende gezielt an. "Sie mit der blauen Jacke, rufen Sie bitte sofort einen Rettungswagen"”, so der Ausbilder.

Die Altenpflegerin beginnt mit der Herzmassage. Der Oberkörper der Puppe ist frei, damit man das Brustbein besser ertasten kann. Mit Kraft drückt sie in schneller Folge 30 Mal mit gestreckten Armen auf das Brustbein, dabei hebt und senkt sich der Brustkorb. „Die Herzmassage hat Priorität vor der Atemspende”, impft Elkenhans den Teilnehmern ein. Dadurch wird Blutfluss und Blutdruck aufgebaut, sodass der Körper mit Sauerstoff versorgt wird.

Nach rund 30 Stößen presst Otta ihren Mund auf den der Puppe und hält ihr dabei die Nase zu. Aus hygienischen Gründen empfiehlt es sich, Einmaltücher, die die Pharmaindustire speziell für diesen Zweck hergestellt werden, zwischen die Münder zu legen.

Angst davor, sich bei der Mund-zu-Mund-Beatmung mit einer Krankheit anzustecken, brauche der Helfer nicht zu haben. „Das Risiko des Verletzten ist eindeutig größer, schließlich blasen Sie Ihren Atem in seinen Mund.”

Nach diesem Nachmittag wissen die Teilnehmer genau, was sie Notfall zu tun haben: Nämlich zu handeln.
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