Stolberg - Ergreifender „Brief an die Roma-Kinder“

Ergreifender „Brief an die Roma-Kinder“

Von: Dirk Müller
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Jugendliche der Hauptschule Kogelshäuserstraße und Gesamtschule Laurensberg gestalten das Gedenken an die 1943 aus Stolberg deportierten Roma am Mahnmal vor dem Stolberger Hauptbahnhof mit. Foto: D. Müller

Stolberg. Vom Hauptbahnhof der Kupferstadt aus fuhren sie in den qualvollen Tod: 37 Stolberger sind am frühen Morgen des 2. März 1943 verschleppt und in der Folge im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau ermordet worden. Es waren 20 Erwachsene und 17 Kinder – der jüngste von ihnen, Gustav Wassilkowitsch, wurde zwei Jahre alt.

Den während des Nazi-Regimes grausam getöteten Mitbürgern, die starben, weil sie der Ethnie der Roma angehörten, gedachten jetzt Stolberger mehrerer Generationen an dem Roma-Mahnmal am Gustav-Wassilkowitsch-Platz vor dem Hauptbahnhof.

Ansprache von Katharina Krings

Nachdem Ralf Dallmann im Namen der „Gruppe Z“ (Zukunft ohne Faschismus, Fremdenhass und Krieg) und der VVN-BdA (Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten) richtete Katharina Krings das Wort an die Anwesenden. Die dritte stellvertretende Bürgermeisterin würdigte dabei besonders das Engagement der Schüler, die die Gedenkfeier aktiv mitgestalteten. „Wenn es keine Menschen gibt, die sich erinnern, gehen wir zur Tagesordnung über, und das wollen wir nicht. Deshalb ist es umso wichtiger, junge Leute dafür zu sensibilisieren, was passiert, wenn Menschen nicht wie Menschen behandelt werden“, sagte Krings.

Und die Jugendlichen zeigten, dass heute und in Zukunft gegen das Vergessen und das Erstarken rassistischer Tendenzen einstehen. Die siebte Klasse der Hauptschule Kogelshäuserstraße gestaltete einen musikalischen Beitrag voller Rhythmus und Symbolik, und die neunte Klasse bewegte mit einem selbst verfassten Text.

Die Schüler verlasen wechselweise ihren ergreifenden „Brief an die Roma-Kinder“. Schüler der Heinrich-Heine-Gesamtschule Aachen-Laurensberg – darunter eine Roma – berichteten von ihrem Besuch des Vernichtungslagers Auschwitz. Karen Lange-Rehberg erinnerte an das Schicksal der 37 ermordeten Stolberger Roma, die einst einen Zirkus betrieben. Sie wurden als „Bärentreiber-Bande“ bezeichnet und weiter kriminalisiert, bis sie ihren Zirkus aufgeben mussten.

Stolberger Roma isoliert

1942 waren die Stolberger Roma isoliert, sie waren gezwungen, sich von anderen Bürgern fernzuhalten. Sie mussten eine demütigende Untersuchung eines „Arztes des Rassenhygiene-Instituts“ über sich ergehen lassen, und wurden am 2. März 1943 schließlich zum Stolberger Hauptbahnhof verschleppt. Die Fahrt in das Vernichtungslager dauerte fünf Tage – ohne Nahrung für die 17 Kinder und die 20 Erwachsenen. 1944 wurde auch der letzte dieser Stolberger ermordet. „Wir dürfen nicht zulassen, dass Sinti und Roma heute von Rassisten diskriminiert werden“, appellierte Lange-Rehberg.

Doch die Realität sehe leider anders aus, mahnte Udo Beitzel. In seinem Vortrag beleuchtete er die gegenwärtige Situation von Roma und Sinti und berichtete von rechter Stimmungsmache, Hetze und Übergriffen in Deutschland und auch anderen europäischen Ländern wie Frankreich, Italien, Griechenland, Schweden und Irland.

„Es ist zunehmend eine Pogrom-Stimmung wahrnehmbar, die auch von Politikern der so genannten Mitte geschürt wird, wenn von Begriffen wie ,Armutszuwanderung‘ oder ,Sozialtourismus‘ die Rede ist“, behauptete Beitzel. Das Fazit der Politik scheine zu sein: „Ausgrenzung ist einfacher als Integration.“

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