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Erfahrungen der Städteregion: Leistungsstark auch mit Behinderung

Von: oha
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Fachkräfte der Städteregion, des Landschaftsverbandes und des Jobcenters sowie interessierte Zuhörer informierten sich im Zinkhütter Hof über das Thema „Arbeit mit Behinderung“. Foto: O. Hansen

Stolberg. Eine berufliche Beschäftigung und körperliche oder geistige Behinderung müssen sich nicht ausschließen. Darin waren sich die Teilnehmer einer Fachtagung am Donnerstag im Museum Zinkhütter Hof in Stolberg einig.

Fachkräfte der Städteregion, des Landschaftsverbandes und des Jobcenters sowie interessierte Zuhörer trafen sich im voll besetzten großen Saal des Zinkhütter Hofes zum Thema „Arbeit mit Behinderung“.

„Auch mit einer Behinderung kann man gute Leistungen bringen“, betonte Städteregionsrat Helmut Etschenberg zur Eröffnung der Tagung. Behinderte könnten durchaus ihren Platz in der Gesellschaft einnehmen, so Etschenberg. Bestes Beispiel sei Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble, der seine Aufgaben im Rollstuhl sitzend wahrnehme. Nicht ohne Grund habe die Städteregion ein Inklusionsamt mit Bettina Herlitzius an der Spitze eingerichtet. Etschenberg: „Die Barrieren in den Köpfen sind das größte Hindernis auf dem Weg zum Zusammenleben und zur Beschäftigung von Behinderten. Wir dürfen nicht nur auf die Defizite eines Menschen achten, sondern müssen auch seine Fähigkeiten sehen.“

Die Verwaltung der Städteregion habe gute Erfahrung mit der Beschäftigung Behinderter gemacht, so Etschenberg. Inzwischen seien unter den 1800 Mitarbeitern der Verwaltung rund 160 Schwerbehinderte beschäftigt. „Sie zeichnen sich durch ein besonderes Engagement aus.“ Auch daran abzulesen, dass die Krankheitsquote nur bei sechs Prozent liege.

Herbert Brüßeler von der Deutschen GBS-Initiative listete auf, dass bundesweit jedes Jahr rund 50000 Jugendliche mit Förderbedarf einen Schulabschluss machen. Brüßeler: „Nur 3000 davon finden einen Job.“ Bis zur Inklusion sei es noch ein weiter Weg. Arbeit sei ein zentraler Punkt, sich mit seinen Fähigkeiten in die Gesellschaft einzubringen. „Viele Behinderte haben keinen Zugang zum ersten Arbeitsmarkt.“

Auch das Handwerk ist gefordert

Auch kleine Handwerksbetriebe müssten sich auf Inklusion einlassen, so Brüßeler. Die diskriminierende Unterscheidung „werkstattfähig“ für die Arbeit in einer Behindertenwerkstatt und fähig für den Ersten Arbeitsmarkt müsse gestrichen werden, forderte er.

Ähnlich äußerte sich auch Gabriele Lapp vom Landschaftsverband Rheinland. Natürlich benötige man die Behindertenwerkstätten noch, doch für Menschen, die dies wollen, müssten auch Alternativen gefunden werden. Lapp verwies auf die vielen Programme des Landschaftsverbandes, mit denen Arbeitgeber unterstützt werden, die Behinderte einstellen. Hohe Prä­mien werden an die Unternehmen ausgezahlt, bis zu 80 Prozent der fälligen Löhne. Doch der Erfolg sei eher gering, räumte Lapp ein. So blieben im Rahmen der „Aktion 5“ nach 167 im vergangenen Jahr in der Städteregion ausgezahlten Prämien unter dem Strich 15 betriebsintegrierte Arbeitsplätze für Behinderte übrig.

Manfred Kreutzer, Vize-Geschäftsführer des Jobcenters in der Städteregion, bedauerte, dass rund 180000 Behinderte bundesweit auf Arbeitssuche seien. „Nur 4,6 Prozent der Arbeitsstellen in Deutschland sind mit Schwerbehinderten besetzt.“ In der Städteregion gebe es derzeit 3000 offene Stellen, denen rund 24400 Arbeitsuchende gegenüber ständen. Darunter 996 Schwerbehinderte. Und fast 70 Prozent hätten keine Berufsausbildung oder seien älter als 50 Jahre. Da sei eine Vermittlung natürlich schwierig. Kreutzer: „Das Jobcenter wird im kommenden Jahr mehr auf die Betriebe zugehen, um die Arbeitgeber zu sensibilisieren.

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