Stolberg - Erbengemeinschaft Croé kündigt Reitanlage zum Jahresende

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Erbengemeinschaft Croé kündigt Reitanlage zum Jahresende

Von: Jürgen Lange
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Impressionen des wohl letzten Sommerturniers der Stolberger Pferdefreunde auf dem Donnerberg im vergangenen Jahr: Die Erbengemeinschaft Croé hat der Reitergemeinschaft den Pachtvertrag zur Nutzung der Reitanlagen am Trockenen Weiher zum Jahresende gekündigt. Foto: J. Lange
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Vorsitzender Clemens Arlinghaus: „Familie Croé ist uns zuvorgekommen; am Trockenen Weiher hatte der Verein keine Perspektive mehr“. Foto: Müller

Stolberg. Im Februar hatten sich die Mitglieder der Reitergemeinschaft Stolberger Pferdefreunde noch dazu entschieden, den Pachtvertrag über Reithalle, Turnierwiese und Nebenanlagen am Trockenen Weiher für weitere zwei Jahre zu verlängern. In Ruhe wollten sich die Pferdefreunde nach einer neuen Heimat umsehen, denn in zwei Jahren wird mit einer Erschließung des Wiesengeländes an der Stadtrandsiedlung durch die Stolberger Bauland GmbH gerechnet.

Dann wäre die Durchführung einer Pferdeleistungsschau nicht mehr machbar.Jetzt muss der Verein im 45. Jahr seines Bestehens schneller umsatteln. Die Erbengemeinschaft Croé als Verpächterin der Anlage hat mit Schreiben vom Dienstag fristgerecht den Pachtvertrag gekündigt. Zum Jahresende läuft die Nutzung durch die Reitergemeinschaft aus. Auch die meisten Einstaller erhielten eine Kündigung der gemieteten Pferdeboxen – teilweise bereit zum 1. August.

Verzicht auf Sommerturnier

Völlig überrascht wurde der Vorstand von dieser Entscheidung. „Jetzt müssen wir erst einmal beraten, was zu tun ist“, sagt Uwe Klintworth auf Anfrage unserer Zeitung. Wenig begeistert zeigt sich der Geschäftsführer über die „für den Verein plötzliche Kündigung“. Sie setzt die Pferdefreunde mit ihren rund 130 Mitgliedern unter Zugzwang, eine Lösung zur Sicherung der Existenz ihres Vereins schnell zu finden. Erste Gespräche auf der Suche nach einer neuen zukunftsträchtigen Anlage – etwa vier Hektar mit Reithalle, 40 Boxen, Turnierplatz, Weiden – mit Verwaltung und Politik hat es zwar gegeben, eine konkrete Lösung ist aber noch nicht greifbar.

Auf ihr 43. Sommerturnier Ende Juli haben die Pferdefreunde „aus der Situation heraus“ ohnehin bereits verzichtet. Unerwartet frühzeitig ist der bisherige stellvertretende Vorsitzende Radek Müller in sein Heimatland zurückgekehrt; er hätte mangels anderer Interessenten bei der Mitgliederversammlung die Kassenführung kommissarisch übernommen sollen. Im kommenden Jahr wollte die Reitergemeinschaft noch einmal groß auftrumpfen, verrät Klintworth. „Aber diese Pläne haben sich jetzt erst einmal zerschlagen“, so der Geschäftsführer – zumindest auf dem Trockenen Weiher.

Reitsport wird dort allerdings weiterhin betrieben. Jasmin Kamberi und die Erbengemeinschaft Herbert, Hans und Josef Croé haben sich auf eine weitere Nutzung der Anlage geeinigt. „Sie wird aufgrund ihrer fachlichen Kompetenz dieses Anwesen zu reitsportlichen Zwecken aufrecht erhalten und durch junge frische Ideen weiter ausbauen“, sagt Josef Croé. Ein Umstand, der die Reitergemeinschaft erst recht überrascht.

Schließlich habe sie vor wenigen Jahren Jasmin Kamberi mit ihrem „Volti­club Sonnenschein“ von der Reitschule Charlotte Ostermann auf den Donnerberg geholt, um dort insbesondere das Angebot an die Jugend auf eine breitere Basis zu stellen, die Halle besser auszulasten und den Voltigierern die Vorteile eines Vereins zu bieten. Zur Verbesserung der Kostensituation sollten, so wurde es im Februar beschlossen, die Voltigierer die Halle sogar intensiver als bislang nutzen können.

„Wir sind alle Mitglieder des Vereins“, betont Jasmin Kamberi, die die Reithalle vom kommenden Jahr an für ihr Angebot an Voltigier- und Reitkursen gewerblich nutzen wird. Therapeutisches Reiten und Schul-AGs sollen dann hinzukommen. Damit könne dann auch die Reitergemeinschaft am Trockenen Weiher verbleiben, die den Turniersport bevorzuge. „Frau Kamberi steht der Reitergemeinschaft für weitere Kooperationsverhandlungen zur Verfügung“, sagt auch Josef Croé. „Uns würde freuen, wenn der Verein diese Kündigung nutzt, um sich neu zu ordnen“, zumal sich dadurch die finanzielle Situation für die Reitergemeinschaft entspanne.

Über 11.600 Euro für die Pacht von Wiesen, Reithalle, Wasser, Strom, Versicherungen und Verbandsbeiträge muss der Verein jährlich stemmen. Mitgliedsbeiträge, Spenden und ein geringer werdender Überschuss aus dem Sommerturnier könnten die Kosten kaum decken, hatte im Februar der scheidende Kassierer Rudolf Preuschmann gewarnt; der Verein lebe von einer immer weiter schrumpfenden Substanz.

„Das finanzielle Desaster der letzten Jahre“, aber auch die eigenen Perspektiven haben die Erbengemeinschaft zur jetzigen Kündigung veranlasst, erläutert Croé. In zwei Jahren würde die Erbengemeinschaft nach einer Kündigung durch den Verein ohne Nutzer der Anlagen sein. Eine Reihe Interessenten, die die Reitanlage mieten wollten, habe es bereits gegeben. „Bei diesen Konstellationen hätte der Verein immer seine reitsportliche Heimat verloren.“ Aber eine Kooperation mit Jasmin Kamberi böte auch der Reitergemeinschaft neue Perspektiven.

Eine Reihe von Gründen führt Josef Croé an, die die Erbengemeinschaft zur Kündigung bewegt habe. Ein wahrer Kleinkrieg zwischen Vorstand, Mitgliedern, Einstallern und letztlich auch Verpächtern untereinander um Misthaufen und Hundekot, Hallenboden, verschmutzter Stallgasse, Sanierungsfragen sowie finanziellen Dingen habe es gegeben. „Alle Beteiligten sollten einmal ihren Vereinsgedanken prüfen“, so Croé weiter: Während die Familie Toni Croé (Josefs Vater) die Reitergemeinschaft über all die Jahre auf dem Trockenen Weiher immer unterstützt habe, „sehen wir den Vereinsgedanken als Nichtmitglieder, aber indirekte Förderer als verloren gegangen an.“

Fehlende Identifikation, fehlendes Engagement und fehlende Aktivitäten neben dem Turniersport beklagt Croé. Gleichzeitig stiegen die Kosten für Instandhaltung und Unterhaltung der Anlage, und damit werde auch der Verein in seiner angespannten finanziellen Lage zusätzlich belastet. „Deshalb haben wir uns für eine gewerbliche Nutzung der Anlage entschieden“, sagt Josef Croé.

Das sei der Grund für die Kündigung der Einstaller: Am Trockenen Weiher soll investiert werden. Zuerst in eine Sanierung und Vergrößerung der derzeit 15 Pferdeboxen. Ein Umstand, der Jasmin Kamberi zum Bleiben bewegt hat, denn ihr Unternehmenskonzept sieht vor, dass zehn Schulpferde eingestallt werden sollen. Sie hatte angesichts der bisherigen Unstimmigkeiten in Verein und Stallgemeinschaft ihren Abschied vom Donnerberg erwogen. „Wir sind froh, dass wir Frau Kamberi nach ihrer Kündigung doch noch für den hiesigen Reitsport gewinnen konnten“, merkt Josef Croé an – und in Richtung des Vorstandes: „Ergreifen auch Sie Ihre Chance und setzen sie den zündenden Funken, der den Verein zu altbekannten Erfolgen führt.“

„Die Perspektiven genommen“

Doch an Ideen mangelt es dem Vorstand der Reitergemeinschaft keineswegs, wie Clemens Arlinghaus betont. „Familie Croé ist uns nur zuvorgekommen“, verdeutlicht der Vorsitzende. Spätestens in zwei Jahren würden die Pferdefreunde die Reitanlage gemeinsam mit den Wiesen räumen – müssen. „Es mag der Eindruck eines mangelnden Vereinsgedanken entstehen, aber das liegt nur daran, dass uns durch die städtischen Pläne die Perspektiven vor Ort genommen worden sind.“ Auf dem Trockenen Weiher sei für die Reitergemeinschaft zum Jahresende Schluss. „Vielleicht gibt es noch ein Agreement für eine kurze Übergangszeit“, sagt Arlinghaus. Aber der Vorstand werde sich nun auf die Entwicklung neuer Perspektiven an einem anderen Standort konzentrieren.

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