Stolberg - Elke Koch: „Die Kunst ist in der Kupferstadt im Aufwind“

Elke Koch: „Die Kunst ist in der Kupferstadt im Aufwind“

Von: Dirk Müller
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Elke Koch, die die autonome Künstlergruppe initiiert hat, vor einem Selbstbildnis in der neuen Galerie, in der sechs Künstler ab dem morgigen Sonntag eine Dauerausstellung präsentieren. Foto: D. Müller

Stolberg. Seit 15 Jahren ist Elke Koch als freischaffende Künstlerin tätig. Jetzt initiierte sie die autonome Künstlergruppe, die am morgigen Sonntag ihre eigene Galerie eröffnet. Dirk Müller sprach mit Elke Koch über Kunst in der Kupferstadt.

Die Eröffnung der neuen Galerie der autonomen Künstlergruppe ist für Sie auch eine Rückkehr zum Steinweg 1-11…

Koch: Ja, ich habe schon zweimal in den Räumen ausgestellt, wobei die erste Ausstellung vor vier Jahren in dem damaligen Standort der Steinweg-Galerie, die ja jetzt im Burg-Center beheimatet ist, für mich persönlich sicherlich die wichtigere war, da sie sehr schöne private Auswirkungen auf mein Leben hatte und hat.

Welche Auswirkungen sind das?

Koch: Der Schwager der Galeristin Christa Oedekoven unterstützte mich tatkräftig und hat meine Bilder aufgehängt. Als kleines Dankeschön habe ich ihn daraufhin zum Essen eingeladen. Heute sind Helmut Oedekoven und ich seit vier Jahren ein glückliches Paar. Und beim Bilderaufhängen und den Ausstellungsarrangements hilft er immer noch.

Ihre zweite Ausstellung war dann aber neben der Steinweg-Galerie.

Koch: Ja, sie erfolgte zwei Jahre später, und zu der Zeit war die heutige große Galerie noch in zwei Ladenlokale unterteilt. Im kleineren Teil war die Steinweg-Galerie und als das benachbarte Ladenlokal leer stand, konnte ich es eine Zeit lang als Showroom nutzen und habe im Schaufenster meine Bilder gezeigt. Als das gesamte Objekt wieder gewerblich verpachtet werden konnte, kam es am Steinweg 1-11 zu einer „Kunstpause“. Der Nutzungsvertrag mit der Steinweg-Galerie wurde wie vereinbart beendet, und beide Geschäftsräume wurden wieder zu einem Ladenlokal zusammengefasst.

Wie kam es dazu, dass nun die autonome Künstlergruppe ihre eigene Galerie in den Räumen eröffnet?

Koch: Die gewerbliche Verpachtung war nicht von langer Dauer, und das schöne Ladenlokal war wieder leer. So kam in mir der Wunsch auf, den Leerstand mit Kunst zu füllen. Die Frage war, wie das zu finanzieren ist, denn bei einem Ausstellungsraum in dieser Größe schlagen allein schon die Stromkosten wegen der Beleuchtung hoch zu Buche. Die Lösung war, eine Künstlergruppe für die Idee zu gewinnen. Das ist gelungen und bringt nun noch viel mehr Vorteile als nur die gemeinsame Finanzierung der Kosten.

Welche Vorteile sehen Sie noch?

Koch: Während Barbara Mertens, Martin Otten und ich malen, sind Heinrich und Angelika Keller sowie Peter Lidak plastisch tätig und schaffen Skulpturen. Jeder hat seine eigenen Stile, und so bieten wir eine sehr facettenreiche Dauerausstellung. Zudem sind alle sechs Künstler aktiv, also schaffen ständig neue Werke, so dass die Galerie auch von der Dynamik profitiert, da immer wieder neue Werke hinzukommen. Außerdem sind Gastkünstler willkommen. Wir planen, in regelmäßigen Abständen auch Kollegen Ausstellungen zu ermöglichen. Die Gastkünstler beteiligen sich lediglich mit einem Obolus an den laufenden Kosten, und unsere autonome Künstlergruppe fungiert dabei nicht als Galerist.

Glauben Sie, dass die neue Galerie der autonomen Künstlergruppe gut angenommen wird?

Koch: Ich bin sehr zuversichtlich. Einerseits befindet sich Kunst in der Kupferstadt derzeit im Aufwind. Die Ausstellungsreihe „In Memoriam“ in der Villa des Museums Zinkhütter Hof ist ein Beispiel dafür: Bei der Ausstellung mit Werken meines verstorbenen Mannes Hermann Koch kamen mehr als 100 Gäste zur Vernissage, und so war es bei der Eröffnung der Bert-Stollenwerk-Ausstellung wieder.

Ähnlich gut besucht war die Vernissage der ersten Artibus-Ausstellung in diesem Jahr mit Werken des neuen Kurators Rafael Ramírez Máro. Es scheint, als blühen die Kunst und auch das Interesse an ihr in Stolberg derzeit regelrecht auf. Andererseits ist unsere neue Galerie in einem kleinen, aber sehr feinen „Kunst-Viertel“ angesiedelt, dessen Besuch sich an vielen Wochenenden lohnt.

Bitte beschreiben Sie dieses „Kunst-Viertel“.

Koch: Im Burg-Center zeigt die Steinweg-Galerie Kunst, unsere autonome Künstlergruppe ist nur wenige Meter entfernt eingangs des Steinwegs. Durch die malerische Stolberger Altstadt führt der kurze Weg zur Burg-Galerie und den Artibus-Ausstellungen. Am Alter Markt locken zudem die Ateliers im Kunsthandwerkerhof, dem Kupferhof Rose. Ebenfalls nicht weit entfernt sind das Atelierhaus und der Skulpturengarten von Birgit Engelen, wo auch häufig Gruppenausstellungen stattfinden. So ist das direkte Umfeld der Altstadt eine permanent attraktive „Ecke“ für Kunstfreunde und kulturell Interessierte. Wir hoffen, es entsteht ein künstlerischer Synergieeffekt.

Den ersten Synergieeffekt in Sachen Kunst kann man schon am morgigen Sonntag erleben, denn die Vernissage zur Ausstellung der sechs bildenden Künstler wird von zwei musikalischen Künstlern begleitet…

Koch: Oh ja, es ist uns eine große Freude und Ehre zugleich, dass Reno Schnell an der Gitarre und Peter Sonntag am Bass Livemusik zur Eröffnung beitragen. Sie haben zum einen die Verbindung zu unserem autonomen Mitglied Martin Otten, der ein Plattencover für Peter Sonntag gestaltet hat. Es ist aber auch so, dass die beiden Ausnahmemusiker mit Leib und Seele Stolberger sind, die sich mit ihrer Heimatstadt gerne identifizieren und hier einbringen, um die Kultur in der Kupferstadt zu fördern.

Ist das Domizil Ihrer Künstlergruppe wieder ein Standort auf Zeit, so wie es auch bei der Steinweg-Galerie war?

Koch: Ja, denn die wirtschaftlichere Verpachtung an gewerbliche Betreiber geht verständlicherweise vor. Die Steinweg-Galerie war allerdings rund vier Jahre in einem Teil des Ladenlokals beheimatet, und so haben wir die Hoffnung, auch als autonome Künstlergruppe über einen längeren Zeitraum hier verweilen zu können. Wir sind uns aber bewusst, dass unser künstlerisches Gastspiel im Steinweg 1-11 jederzeit beendet werden kann, denn das war uns von vorneherein klar.

Wird dies dann auch das Ende der autonomen Künstlergruppe sein?

Koch: Das glaube ich nicht. Möglichkeiten gibt es immer und wird es immer geben. Besonders in Stolberg sind ja leider leere Ladenlokale genug vorhanden, und der nächste Leerstand kommt bestimmt. Ich kann mir gut vorstellen, dass wir auch an anderer Stelle der Tristesse der verwaisten Geschäfte mittels Kunst etwas entgegenstellen.

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