bullyparade kino freisteller bully herbig tramitz kavanian

„Einstürzende Neubauten“ im Zinkhütter Hof

Von: Dirk Müller
Letzte Aktualisierung:
7683301.jpg
Eine ganz spannende Club-Atmosphäre bietet das Museum Zinkhütter Hof bei Konzerten. Hunderte Fans feierten hier ganz begeistert im vergangenen Juli Triggerfinger. Foto: J. Lange
7683281.jpg
Ein kultureller Gesamtkunstwerk: Einstürzende Neubauten präsentieren experimentelle Musiksound. Foto: imago
7682382.jpg
Einstürzende Neubauten

Stolberg. Unvergessen ist das große Open-Air-Konzert, bei dem „Tocotronic“ als Headliner Tausende Musikfans auf das Gelände des Zinkhütter Hofs lockte. Ein Jahr später rockten „Triggerfinger“ das Innere des Museums und begeisterten die Gäste von Nah und Fern.

Für das zehnte Kulturfestival der Städteregion holt Nina Mika-Helfmeier mit der Hamburger Band „Selig“ um den Sänger Jan Plewka erneut ein absolutes Highlight in die Kupferstadt. Doch damit nicht genug, denn jetzt präsentiert die Leiterin des Kulturamts der Städteregion noch eine besondere Überraschung, die dem Motto „unglaublich, aber wahr“ alle Ehre macht.

Die „Einstürzenden Neubauten“ kommen am Sonntag, 9. November, nach Stolberg. Bereits 1980 gründete sich die Band um Blixa Bargeld und N. U. Unruh spontan bei einem Konzert im Berliner Club „Moon“. Fortan schrieben die „Einstürzenden Neubauten“ Musikgeschichte, beeinflussten Bands wie „Depeche Mode“ und zählten im weiteren Sinne zu den Vertretern der „Post-Industrial-Bewegung“ der 80er Jahre mit hörbarer Nähe zum Punk. Die „Neubauten“ loteten die Grenzen zwischen Musik und Geräusch aus, musizierten mit Schrott und Alltagsgegenständen.

Die Konzerte der Band wurde legendär, da sie Gesamtkunstwerke darstellen, mehr Kulturperformance als nur Musikkonzert sind. Die Musikwerke der Band inszenierten mitunter eine fatalistisch apokalyptische Weltsicht, wurden mit der Zeit teilweise melodiöser, blieben dabei allerdings abstrakt und episch. Mitte der 80er Jahre begannen die „Einstürzenden Neubauten“, sich an Theaterproduktionen zu beteiligen.

In der Folge arbeitete die Band unter anderem mit Wim Wenders und mit Peter Zadek im Hamburger Schauspielhaus, wirkte 1990 an Heiner Müllers „Die Hamletmaschine“, 1994 am „Faust“ von Werner Schwab und im Jahr 2000 an „John Gabriel Borgman“ von Henrik Ibsen in der Regie von Leander Haußmann mit.

Ein Beispiel für das interdisziplinäre kulturelle Schaffen der „Einstürzenden Neubauten“ war die Kunstaktion „Das Auge des Taifun“ von Erich Wonder: Anlässlich der 300-Jahr-Feier der Akademie der bildenden Künste Wien. Die Band fuhr in einer von Kunstschnee umwehten Glas-Stahl-Konstruktion mit einem Husky-Gespann langsam über die Wiener Ringstraße und beschallte dabei die nächtliche Stadt mit avantgardistischen Klängen.

Ersten Weltkrieg thematisiert

Seit 2002 arbeiten die „Neubauten“ ohne Plattenfirma im Rücken und produzierten ihre Alben mit dem „Supporter‘s Project“ und dem „Musterhaus-Projekt“, bei denen die Fans der Band die Platten mit Anteilen im Voraus finanzierten – Varianten des „Crowdfunding“, das heute von vielen Künstlern genutzt wird. Nach dem 2011er Album „Silence is sexy“ melden die „Neubauten“ sich nun mit einem neuen Konzeptalbum zurück: „Lament“ thematisiert den Ersten Weltkrieg, aber: „Es wird kein Konzert über den Ersten Weltkrieg sondern eine Komposition, die sich aus dem Themenkomplex herausschält“, beschreibt die Band.

Neun Konzerte wird es geben, unter anderem in London, München, Rom und Berlin – und in Stolberg. „Ebenso wie bei dem Konzert von ,Selig‘ kostet auch der Eintritt zum ,Neubauten‘-Konzert nur 3 Euro“, sagt Mika-Helfmeier. Seit Herbst letzten Jahres stehe sie mit dem Schlagzeuger der „Einstürzenden Neubauten“, N. U. Unruh, in Kontakt, und jetzt ist das Konzert in der Kupferstadt „in trockenen Tüchern“.

Auch wenn bereits erste Ticket-Anfragen aus ganz Deutschland und dem Ausland bei ihr eingehen, bleibe das Kulturfestival seinem Leitsatz treu: „Es ist nicht nur ein Festival in, sondern auch für die Städteregion. Deshalb ist es uns wichtig, dass der Großteil der Karten auch für die Menschen in der Städteregion zur Verfügung steht“, beschreibt Nina Mika-Helfmeier.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert