Stolberg - Einigung bei KME ist noch nicht in Sicht

Einigung bei KME ist noch nicht in Sicht

Von: Michael Grobusch
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Die Durststrecke scheint über
Die Durststrecke scheint überwunden: Die Mitarbeiter des Stolberger Metallwerkes sind zur 35-Stunden-Woche zurückgekehrt und leisten jetzt sogar schon wieder Mehrarbeit. Foto: M. Grobusch

Stolberg. Es gibt durchaus positive Nachrichten in diesen Tagen beim Stolberger Metallwerk: Nach drei schwierigen Monaten ist die 100-prozentige KME-Tochter wieder zur tariflichen Regelarbeitszeit von 35 Stunden pro Woche zurückgekehrt.

„Es geht langsam wieder bergauf”, stellt Heinz Meuser erleichtert fest. „Die vergangenen drei Monate waren für die Kollegen zwar mit finanziellen Einbußen verbunden. Aber wir haben es geschafft, die Auftragsflaute ohne Kündigungen zu überbrücken.” Leo Bergstein kann da nur zustimmen: „Wir haben die Arbeitszeit zwischenzeitlich auf das mögliche Minimum von 30 Stunden heruntergefahren. Ich bin froh, dass wir diese Phase jetzt überstanden haben.”

So sehr sich der Betriebsratsvorsitzende und der Werksleiter in der Beurteilung der aktuellen Lage auch einig sind: Die Differenzen über die Gestaltung der Zukunft sind unverändert groß. Anfang des Jahres hatte der Betriebsrat der Geschäftsführung am KME-Hauptsitz in Osnabrück seine Vorstellungen zu einem möglichen Standortsicherungsvertrag für das Werk Stolberg vorgelegt.

Heinz Meuser spricht von einem „Arbeitspapier”, Leo Bergstein nennt das Schriftstück einen „Forderungskatalog”. Eine offizielle Rückmeldung hat der Betriebsratsvorsitzende bis dato nicht erhalten.

Deshalb fordert er, „dass nun auch die Gegenseite ein konstruktives Papier auf den Tisch legt”. Aus Sicht von Leo Bergstein fehlt dafür aber die Grundlage. „Die derzeitige Situation ist nicht dazu geeignet, um in seriöse Verhandlungen eintreten zu können. Die Arbeitnehmer sollten ihrem Katalog zunächst einmal mehr Verhandlungssubstanz hinzufügen.”

Ohnehin betrachtet der Werksleiter das Thema Standortsicherung mit einer gewissen Skepsis: „So etwas ist eigentlich nur möglich, wenn es seriöse Abschätzungsmöglichkeiten der wirtschaftlichen Bedingungen gibt.” Die aber schwänden zunehmend, weil die Aufträge immer kurzfristiger einträfen. Flexibilität sei deshalb mehr denn je die Schlüsselkompetenz, die neben einer herausragenden Qualität und hoher Liefersicherheit geboten werden müsse.

„Die Nachfrage rekrutiert sich mittlerweile weltweit”, berichtet Leo Bergstein. Und der Kampf um die begehrten Aufträge habe sich weiter intensiviert: „Wir spüren den wachsenden Wettbewerbsdruck in einem schwieriger werdenden Marktumfeld.” Dabei steht die Konkurrenz quasi vor der Haustüre: Gerade im Bereich der Konnektoren für die Automobilindustrie liefert sich das Metallwerk einen harten Wettbewerb mit Aurubis Stolberg. „Wir kennen unsere Stärken und nehmen die Herausforderung an”, gibt sich Bergstein gelassen.

Gleichwohl blickt er mit Spannung auf den noch nicht endgültig vom Konzern genehmigten Investitionsplan 2012, der von großer Bedeutung für die zukünftige Ausrichtung sein dürfte. Dem Vernehmen nach geht es um beträchtliche Summen, die in neue Maschinen und Techniken fließen könnten. Leo Bergstein will das vorerst nicht kommentieren. Und auch Heinz Meuser übt in diesem Punkt Zurückhaltung.

Beide bestätigen indes, dass in einigen Bereichen des Metallwerkes mittlerweile sogar wieder Überstunden geleistet werden, um die eingehenden Aufträge bewältigen zu können. „Die Perspektiven haben sich gebessert”, stellt der Betriebsratsvorsitzende fest. Und damit wohl auch die Chancen, mit dem Arbeitgeber in ein konkretes Gespräch über die Standortsicherung für Stolberg zu kommen.
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