Eine Tasse Kaffee kostet satte 160 Liter Wasser

Von: ran
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Blickte auf Probleme durch Wasserknappheit Professor Dr. Johannes Pinnekamp während des Donnerberger Gesprächskreises mit Sorge in die Zukunft. Foto: A. Röchter

Eschweiler. Wasser bedeutet Leben. Doch leider sind die Ressourcen endlich. So gehören bereits heute der zunehmende Wassermangel sowie die Wasserverschmutzung zu den globalen Problemen der Menschheit.

Zum Thema „Ressource und Konfliktpotenzial Wasser” referierte nun im Rahmen des Donnerberger Gesprächskreises Professor Dr.-Ing. Johannes Pinnekamp, Direktor des Instituts für Siedlungswasserwirtschaft der RWTH Aachen, in der Donnerberg-Kaserne.

„Es gibt viel Wasser auf der Erde, aber davon ist nur ein geringer Teil umgehend nutzbar”, wies der Diplom-Ingenieur gleich zu Beginn seines Vortrags auf eine Tatsache hin, die nur wenigen Menschen bewußt ist. Über 97 Prozent der Wasservorkommen sind Salz-, lediglich 2,5 Prozent Süßwasser. Von diesen 2,5 Prozent sind wiederum 70 Prozent gebunden in Permafrostböden und Gletschern. Nur 0,4 Prozent des Süßwassers ist Oberflächenwasser und davon fließt lediglich 1,6 Prozent in Flüssen.

„Zwar ist auch Salzwasser nutzbar zu machen, doch benötigt man dazu einen sehr hohen Energieaufwand”, gab Professor Dr. Johannes Pinnekamp zu bedenken. Stellt man die Prognosen in Sachen weltweites Bevölkerungswachstum, die im Jahr 2050 von neun Milliarden Menschen ausgehen, dagegen, bleibt nur folgende Schlussfolgerung: „Die Zahl der Menschen, die genug Wasser zur Verfügung haben, nimmt ab. Das Problem der Wasserknappheit wird sich dramatisch verschlimmern!”, so Pinnekamp.

Dabei ist nicht der Verbrauch an Trinkwasser, sondern die Nutzung in der Landwirtschaft von größter Bedeutung. „Die Bewässerung von Landwirtschaftsflächen macht weltweit 70 Prozent des Wasserverbrauchs aus”, erklärte der Referent. Zwar bliebe die Größe der weltweiten Anbaufläche ungefähr gleich, doch die Fläche, auf denen bewässert werde, steige stetig. „Die Bevölkerungszahl wächst, dadurch sinkt die Fläche, die einem Menschen zur Verfügung steht. Und dies führt wiederum zu einer intensiveren Landwirtschaft, also auch zu einer intensiveren Bewässerung”, machte der Inhaber des Lehrstuhls für Siedlungswasserwirtschaft und Siedlungsabfallwirtschaft der RWTH Aachen deutlich.

Wie ungleich Wasser verteilt ist, belegte Pinnekamp an Zahlen. Stehen den Menschen im afrikanischen Gambia lediglich menschenunwürdige fünf Liter pro Tag zur Verfügung, verbrauchen die Einwohner der USA durchschnittlich bis zu 300 Liter. Neben der Menge und der Qualität des Wassers ist jedoch gerade in Ländern der Dritten Welt oft auch die Entfernung zur nächsten Wasserstelle ein Problem. „Teilweise gehen Kinder nicht zur Schule, weil sie Wasser holen müssen”, so der Dozent. Zu wenig, zu unsauberes und zu weit entferntes Wasser erhöhe nicht zuletzt die Kindersterblichkeit erheblich.

„Die Weltgesundheitsorganisation geht von jährlich 1,7 Millionen Toten auf Grund unsauberen Wassers aus”, so der Professor. Auch das im Jahr 2000 ausgegebene „Millenium-Ziel” der Vereinten Nationen, bis 2015 die Anzahl der Menschen ohne Zugang zu sauberem Wasser und sanitären Anlagen zu halbieren, werde wohl verfehlt. „Wobei immer zu berücksichtigen ist, dass der Begriff âsanitäre AnlageÔ nicht mit unseren Kriterien zu vergleichen ist”, erklärte der Professor.

Nahezu unvorstellbare Wassermengen werden darüber hinaus bei der Herstellung von Produkten verbraucht, die man nicht mit Wasser in Verbindung bringt. So „verschlingt” eine Tasse Kaffee sage und schreibe 160 Liter, die Herstellung eines Paares Schuhe 8000 Liter, die Produktion eines LKW sogar unglaubliche 450.000 Liter „virtuelles” Wasser.

Ein derart knappes Gut bietet natürlich auch Konfliktpotenzial. „In erster Linie, wenn ein Fluss durch mehrere Länder fließt. Wie etwa im Nahen Osten der Jordan, der für die Region große Bedeutung hat”, wies Pinnekamp auf das Verhältnis zwischen Israelis und Palästinensern hin. „Tatsache ist, dass den Palästinensern deutlich weniger Wasser zur Verfügung steht als den Israelis.” Ein weiterer Konfliktherd sei der Mekong, der für die Bewohner von Laos, Myanmar, Thailand, Kambodscha und Vietnam die essentielle Lebensgrundlage sei.

„Allerdings sind die Konfikte um Wasser bisher äußerst selten mit militärischen Mitteln geführt worden”, sieht der Referent zumindest in dieser Hinsicht einen Hoffnungsschimmer. „Es scheint so, dass zumindest bisher eine Hemmschwelle vorhanden ist, Konflikte um Wasser mit Gewalt zu lösen. Der Schwerpunkt liegt bisher eindeutig bei Versuchen, sich friedlich zu einigen”, schloss Professor Dr. Johannes Pinnekamp.
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