Stolberg - Eine Bühne für Akteure im Hintergrund

Eine Bühne für Akteure im Hintergrund

Von: Sonja Essers
Letzte Aktualisierung:
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Die Preisträger werden in die Galerie „Stolberger Köpfe im Rathaus“ aufgenommen. Foto: Sonja Essers
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Die neuen Ehrenamtspreisträger der Stadt Stolberg stehen fest: Norbert Franzen, ... Foto: Dirk Müller
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... Thomas Johnen, ... Foto: Jürgen Lange
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... Ilse Zörkler, ... Foto: Dirk Müller
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... Mazeena Ismail, ... Foto: Sonja Essers
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... Barbara Bisping-Bau ... Foto: Lukas Franzen
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... und Dr. Volker Siller. Foto: Archiv/Dirk Müller

Stolberg. Ihr Engagement ist unermüdlich und dafür werden sie nun von der Stolberger Verwaltung und der Ehrenamtsbeauftragten Hildegard Nießen gewürdigt. Dr. Volker Siller, Ilse Zörlker, Thomas Johnen, Barbara Bisping-Bau, Mazeena Ismail und Norbert Franzen sind die neuen Ehrenamtspreisträger. Die Verleihung findet am Freitag, 15. Juni, im Rittersaal der Stolberger Bug statt.

Bevor allerdings feststand, wer in diesem Jahr ausgezeichnet wird, machten die Stolberger erst einmal Vorschläge. Alle davon seien herausragend gewesen, meinten Bürgermeister Dr. Tim Grüttemeier und Hildegard Nießen. „Ich bin jedes Mal tief beeindruckt von den Menschen, die man zwar kennt, die man aber durch die Vorschläge und die Auswahl näher kennenlerne“, so Nießen. Auch in diesem Jahr spiegeln die Preisträger wieder eine breite Palette an Möglichkeiten, sich in der Gesellschaft ehrenamtlich zu engagieren.

Qualifiziert versorgen

Zu den Preisträgern gehören Kinderarzt Dr. Volker Siller und Kinderkrankenschwester und Pflegedienstleiterin Ilse Zörkler. Beide sind Gründungsmitglieder des Fördervereins Menschenskind, der Eltern schwerkranker Kinder unterstützt. Ein wichtiges Projekt war die Anschaffung des Kindernotfallbehandlungswagens „Sindbad“ im Jahr 1994. Der Spendenaufruf brachte damals 250.000 Mark. Ziel dieses Projektes: Risikoneugeborene und Frühgeborene aus den umliegenden Geburtskliniken abholen, um sie noch im Notfallwagen von Kinderärzten und Kinderkrankenschwestern fachlich qualifiziert versorgen zu können.

Der Verein half 1993 und 1994 außerdem dem zweijährigen Anton aus Prozor – dem ehemaligen Jugoslawien. Er litt an einem beidseitigen bösartiger Nieren-(Wilms)Tumor. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Unfallprophylaxe bei Kindern. Hier wird vor allem auf das Unfallrisiko von „Gehfreilauflernhilfen“ aufmerksam gemacht. Der Spielplatz des Bethlehem-Krankenhauses sowie das Piratenschiff im Wartebereich des Sozialpädiatrischen Zentrums – ein weiteres, kleineres Wartezimmer im Erdgeschoss folgte – und der Walfisch im Wartebereich der Zentralambulanz wurden ebenfalls vom Verein vollkommen oder in Teilen finanziert.

2015 wurde mit Unterstützung von Menschenskind bei einer Vernissage die Wanderausstellung „Tod am Anfang des Lebens“ in der Krankenhauskapelle des Bethlehem-Gesundheitszentrums mit vielen Besuchern und betroffenen Eltern feierlich eröffnet. Die einfühlsame Darlegung der Begegnung mit dem Tod von Ungeborenen, Frühgeborenen und Neugeborenen soll Betroffene und Nichtbetroffene bestärken und ermutigen, sich mit dieser Lebenssituation auseinanderzusetzen.

Siller und Zörlker sind jedoch nicht nur im Verein Menschenskind aktiv, sondern auch Teilnehmer des Flüchtlingsdialogs. Ilse Zörkler ist zudem seit zehn Jahren als Familienpatin aktiv.

Auch Thomas Johnen gehört zu den diesjährigen Preisträgern. Seit 1986 ist der Projektmanager beim THW aktiv. Johnen ist das Gesicht Deutschlands in den Krisengebieten der Welt. Er ist ein Fachexperte für die Hilfe bei Naturkatastrophen und ein Diplomat bei Hilfen in Kriegsgebieten. Johnen hat zahlreiche Spezial-Ausbildungen durchlaufen. Unter anderem ist er Sprengstoffexperte mit der Sonderbefähigung „Tauchen und sprengen unter Wasser“.

Johnen ist beratend bei internationalen Krisen bezogen auf die betroffenen Länder, beratend für das Auswärtige Amt und die Bundesregierung, Experte bei EU und UN (Zehn Deutsche), er erkundet und berät bei Naturkatastrophen (Erdbeben, Eisregen, Überflutungen, Hochwasser und Tsunami in Indonesien). Zudem ist er im Stab für außergewöhnliche Ereignisse (Krisenstab) fallweise für die Kupferstadt, die Städteregion, das Land NRW und die Bundesregierung und war beteiligt bei der Evakuierung deutscher Staatsbürger im Fall von Kriegsausbrüchen, dazu gehörte auch der Libanon im Jahr 2006.

Ein breites Spektrum an ehrenamtlichen Tätigkeiten kann Bibliothekarin Barbara Bisping-Bau aufweisen. Sie war unter anderem Mitglied der Jury beim Lese-Wettbewerb, der Grundschulen und leitete zeitweise den Lesekreis Stadtbücherei für fünf- bis neunjährige Kinder mit anschließender Bastelgruppe. Sie arbeitete beim Aufbau des Archiv Stolberger Geschichte beim Heimat- und Geschichtsverein mit und kümmerte sich vor allem um die digitale Erfassung und Einordnung in ein Computer-System. Zwischenzeitlich gab Bisping-Bau auch Deutschunterricht für Migranten. Außerdem ist sie die stellvertretende Vorsitzende des Fördervereins der Stadtbücherei und kümmert sich unter anderem um die Öffentlichkeitsarbeit und Organisation von Autorenlesungen.

Ebenfalls zahlreiche Ehrenämter hat Mazeena Ismail inne. Sie ist nicht nur die Gründerin und Vorsitzende des Vereins Frauen für Frauen in Stolberg, sondern veranstaltet auch regelmäßige Frühstückstreffen für Frauen in der Kugel, bietet Bewegung und Spiele für sie an, gibt Sprachunterricht und hat gemeinsam mit Herrn Kleis das Netzwerk Sprachförderung Gruppe Kleis gegründet. Des Weiteren arbeitet Ismail beim Weltfrauentag und am interreligiösen Dialog mit sowie am Familientag der Stadt Stolberg und am Begegnungstag. Ismail wirkte an der Skulptur zum Projekt Soziale Stadt Velau mit, war die erste Frau im Integrationsrat als Einzelkandidatin und arbeitet im Flüchtlingsdialog mit.

Naturschutz und Pfadfinder

Der Naturschutz liegt Norbert Franzen bereits seit etlichen Jahren sehr am Herzen. Er ist Mitbegründer des Vereins Arbeitskreis Naturschutz in Stolberg und war etliche Jahre dessen Vorsitzender. Er hat sich besonders um den Amphibienschutz verdient gemacht. Über mehrere Jahrzehnte hat er kontinuierlich die Amphibien- und Reptilienvorkommen in der Städteregion Aachen kartiert. Die von ihm erhobenen Daten flossen unter anderem in das „Handbuch der Amphibien und Reptilien NRW“ ein. Das 2011 erschienene Handbuch ist der erste umfassende Überblick über alle in Nordrhein-Westfalen vorkommenden Lurch- und Kriechtierarten.

Darüber hinaus hat Franzen zahlreiche Projekte zum Biotopschutz und zur ökologischen Landschaftspflege initiiert, unter anderem zur Erhaltung der in Stolberg einzigartigen Galmeiflora. Franzen arbeitet zudem bei der Unterschutzstellung verschiedener Naturschutzgebiete in der Stadt mit. Besonders liegt ihm auch das Thema Umwelt bei der Bildung am Herzen. Dank seiner Initiative helfen Kinder und Jugendliche jedes Jahr bei den Einsätzen im Amphibienschutz oder bei Pflegemaßnahmen zum Schutz heimischer Orchideen aktiv mit.

Sein ehrenamtliches Engagement kommt nicht von ungefähr. Schon als Jugendlicher war er in der DPSG aktiv, später engagierte er sich in der Ausbildung der Pfadfinder und Jungpfadfinder. Bis heute ist Franzen eng eingebunden durch diverse Aktionen in Vicht, seinem Heimat- und Wohnort. Beispiele dafür sind die Aktionen Hungersuppe und die Sammlungen für soziale Projekte in der dritten Welt. Einmal im Jahr findet ein Fair-Trade-Verkaufsstand statt, Franzen sammelt zudem für Solarkocher für Afrika und gegen die Abholzung. Wie sein Vater ist er auch aktiv und kreativ im Mundart Arbeitskreis um Franz Willi Hirtz tätig. Seit zehn Jahren ist er auch begeisterter und begeisternder Vorleser in der Vichter Kita und im integrativen Kindergarten auf der Liester.

Nach der Feier im Rittersaal steht für die Ehrenamtler ein Fototermin mit Robert Schäfer auf dem Programm. Nach den Sommerferien werden ihre Bilder im Stolberger Rathaus zu sehen sein und die Fotogalerie „Stolberger Köpfe im Ehrenamt“ komplettieren.

 

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