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Einbruchserie: Soll von Läden Schutzgeld erpresst werden?

Von: oha
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Die Scheibe an einem Schnellimbiss in der Salmstraße wurde von Unbekannten zerstört. Hängt dieser Fall mit weiteren Einbrüchen zusammen? Foto: O. Hansen

Stolberg. Unter den Geschäftsleuten in der Salmstraße geht die Angst um. Innerhalb weniger Tage wurden etliche Läden in der Straße von Einbrechern heimgesucht. Besonders merkwürdig dabei: Die Täter richteten zwar Verwüstungen an, griffen manchmal jedoch noch nicht einmal in die Kasse. Will hier jemand Angst und Schrecken verbreiten, um später vielleicht Schutzgeld erpressen zu können?

„Früher galt die Salmstraße als ziemlich sicher“, sagt ein Geschäftsmann, der seinen Namen aus Angst vor Racheakten der Einbrecher lieber nicht veröffentlicht sehen will. Doch jetzt sei aufgefallen, dass die Glaser immer häufiger anrücken müssten, um eingeschlagene Schaufenster zu reparieren. Im Gespräch mit den Kollegen in der oberen Salmstraße sei heraus gekommen, dass zuletzt fast alle Ziel von Einbrechern geworden waren.

Zwei Friseurläden, zwei Versicherungsagenturen, zwei Handy-Läden, ein Juwelier, eine Imbissstube, ein Tatoo-Bilderladen, ein Brillen-Studio und ein Computerladen – sie alle wurden innerhalb weniger Tage von Einbrechern heimgesucht. Die Inhaberin eines Pokalgeschäftes wurde bereits zweimal in ihrem Laden überfallen und beraubt. Und jeder hat Angst, der Nächste zu sein.

„Es ist schlimm, man fühlt sich selbst im eigenen Laden unwohl. Man weiß ja nie, wer als Nächster das Geschäft betritt“, sagt eine Geschäftsinhaberin. Die Frau traut sich abends kaum noch, zu ihrem Wagen um die Ecke zu gehen. Hilfe von Bewohnern der benachbarten Häuser erwartet sich die Geschäftsfrau nicht: „Die kennen ja noch nicht einmal die Notrufnummer.“

Im Computerladen haben die Täter etliche Rechner mitgehen lassen. Wie man es eben bei einem Einbruch erwartet. Andere Taten geben den Geschäftsleuten aus der Salmstraße hingegen Rätsel auf. Da brechen Unbekannte bei einem Optiker ein, nehmen aber „lediglich“ sieben Brillen mit. Die übrige Schaufensterauslage bleibt ebenso unberührt wie die Ladenkasse. Was verbirgt sich hinter diesem Vorgehen? „Kommt irgendwann jemand und will Geld dafür erpressen, dass er unsere Läden vor Einbrüchen schützt?“, so die Sorge.

Die Geschäftsleute haben sich zusammen getan und fordern mehr Schutz durch die Polizei und das städtische Ordnungsamt. „Die müssen hier öfter Präsenz zeigen.“

Sandra Schmitz von der Polizei sieht derzeit keine Anzeichen für eine Schutzgelderpressung in der Salmstraße. „Sollte sich so etwas abzeichnen, sollten sich die Betroffenen schleunigst mit der Polizei in Verbindung setzen.“ Die Stadt Stolberg habe sich in den vergangenen Jahren zu einem Einsatzschwerpunkt der Polizei entwickelt, was die Zahl der Einbrüche angehe. „Wir haben diesbezüglich gerade Stolberg im Fokus“, versichert die Polizeisprecherin. Auch wenn man das nicht immer auf den ersten Blick wahrnehme, werde auch die Salmstraße regelmäßig von der Polizei observiert. Von Zivilstreifen, die möglichst ja nicht auffallen sollen.

Was die zerbrochene Scheibe an einem Schnellimbiss in der Salmstraße angeht, laufen die Ermittlungen der Polizei bereits. Drei Männer und eine Frau seien an besagter Stelle im Streit beobachtet worden, so Schmitz. „Vielleicht haben die ja aus Wut die Scheibe eingetreten.“

Womöglich lässt sich ja auch der eine oder andere Einbruch an besagter Stelle rasch aufklären. Wie berichtet, nahm die Polizei am Dienstag einen 16-Jährigen nach einem Wohnungseinbruch fest. Der Jugendliche steht im Verdacht, am Dienstagmorgen mit zwei noch unbekannten Komplizen im Igelweg in eine Wohnung eingebrochen zu sein. Gestohlen wurden Schmuck und Bargeld. Die als dunkelhäutige Jugendliche beschriebenen Täter flüchteten zunächst in Richtung Vichtbach. Auf der Flucht besprühten sie zwei Beamte mit Reizgas. Die Beamten wurden leicht verletzt, konnten den 16-Jährigen ohne festen Wohnsitz später vorläufig festnehmen. Er sollte einem Haftrichter vorgeführt werden. Bereits gegen 10.45 Uhr versuchten drei unbekannte Personen, in einen Keller in der Kleefeldstraße einzubrechen. Laut Zeugenaussagen könnte es sich um die gleichen Täter handeln.

Die Polizei prüft weiter, ob Zusammenhänge zu anderen Einbrüchen aus den letzten Wochen bestehen, bei denen die Täter ähnlich vorgingen. Die Polizei bittet um Hinweise zu verdächtigen Personen oder Beobachtungen unter Telefon 9577-31501 oder -34210 (außerhalb der Bürozeiten).

Die Geschäftsleute aus der Salmstraße fordern auch mehr Einsatz durch das Ordnungsamt der Stadt. Bürgermeister Dr. Tim Grüttemeier hat seine Unterstützung zugesagt. Da es sich hier um ein sehr sensibles Thema handele, müsse aber zunächst ein Gespräch mit der Polizei über Gefährdungslage und mögliche Konsequenzen stattfinden, so der Bürgermeister am Mittwoch.

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