Ein unverwechselbares Gesicht für Breinig

Von: Jürgen Lange
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Da gehts lang für Breinig: Professor Dr. Gerd Wassenberg zeigte Perspektiven auf für ein erfolgreiches Dorfmarketing. Foto: J. Lange

Stolberg-Breinig. Am Ende sitzen sie nach lange beisammen und beratschlagen über neue Strategien für die Zukunft. Bis dahin haben die Mitglieder des Vorstandes der Breiniger Werbegemeinschaft gut zugehört und intensiv diskutiert.

„Chancen und Perspektiven für das Dorfmarketing in Breinig”, ja, die wollen sie ergreifen und nutzen. Der Abend mit Prof. Dr. Gerd Wassenberg im Restaurant „Zur Treppe” soll zu Initialzündung werden, über neue Wege in der Vermarktung des Dorfes nachzudenken. In ihrem 26. Jahr ist die Werbegemeinschaft ein Dach für 80 Mitglieder, die wichtige Leistungsträger in der Dorfgemeinschaft sind.

Das ist gleich auch das Stichwort für den inspirierenden Abend mit dem Marketing-Experten, der bis zum vergangenen Jahr den Lehrstuhl für Entrepreneurship und Innovation bei der Fachhochschule Gelsenkirchen innehatte, mittlerweile für ein halbes Dutzend Hochschulen ständig unterwegs ist, und an der Aachener RWTH den Technologietransfer aufgebaut hatte.

Der Name Wassenberg ist längst selbst eine erfolgreiche Marke, und der Abend eine Belohnung für die erfolgreiche Teilnahme Breinigs am Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft”. Ruth Roelen, Leiterin der Regionalentwicklung in der Städteregion, hat ganz im Sinne der Nachhaltigkeit des Wettbewerbs den Referenten ausgewählt, denn die Breiniger möchten dem Dorf mit seinem durchaus vielfältigen Einkaufsangebot neue Impulse bei der Positionierung im regionalen Umfeld geben.

Denn „wenn man weitermacht wie bisher, wird man auch die gleichen Ergebnisse erzielen wie bisher”, legt Dr. Wassenberg gleich zu Beginn den Finger in die Wunde. „Sie müssen entschlossen sein, etwas zu ändern.” Und das bedeutet auch Barrieren zu überwinden, Rückschläge hinzunehmen und Widerstände auszuräumen. Immer größer werden externe Einflüsse auch auf die Positionierung der Dörfer - von der Globalisierung über die demografische Entwicklung bis hin zu einem sinkenden Interesse der Bürger an ihrer Kommune und einem stärkeren interkommunalen Wettbewerb. Das bedeutet auch, dass von der Vielfalt des dörflichen Angebotes nur noch die Spitze des Eisberges wahrgenommen wird.

Und ebenso wie es der Reederei nach dem Untergang der Titanic an Vertauensverlust gescheitert ist, ist das Schaffen von Vertrauen in Breinig und in das Angebot der Händler vor Ort das Schlüsselwort für ein erfolgreiches Marketing. Das fängt an bei Freundlichkeit im Laden reicht über einen umfassenden Service bis hin zum Schaffen eines Selbstbewusstseins für den Ort. „Man muss neue Wege beschreiten und Altes bewahren”, appelliert Wassenberg, die Breiniger mit auf den Weg zu nehmen. Zunächst sei es die Stärken zu stärken als die Schwächen abzubauen.

Die künftigen Säulen des Dorfes wollen definiert, Kaufkraft an den Ort gebunden, neue Trends erkannt und die demografische Entwicklung berücksichtigt werden. Dabei gilt es „Rituale zu schaffen, die zum Dorfleben passen”, nennt Gerd Wassenberg Beispiele. Die Narzissenblüte locke nach Höfen, aber Breinig könnte punkten mit Attributen wie Orchideenblüte oder dem Thema Blaustein. „Es müssen nicht immer Megaevents sein”, warnt der Experte und rät zu „sympathischen Veranstaltungen mit Emotion”, mit denen sich Einheimische wie Besucher identifizieren können. Sie müssen nicht professionell, aber mit Herz gestaltet sein. Die Marketingziele müssen klar definiert sein. „Denn Beliebigkeit ist die größte Gefahr einer Marke.”

Mit solchen Veranstaltungen lohne es sich auch verkaufsoffene Sonntage zu kombinieren. Sonderöffnungszeiten ohne besondere Veranstaltungen locken heute nicht mehr, analyisiert der Professor. Dabei sind auswärtige Besucher ein nicht zu unterschätzender Wirtschaftsfaktor. Beispiel Tourismus. 10.000 Übernachtungen generieren am Ort zehn Arbeitsplätze in der Tourismusbranche und zwei Arbeitsplätze im lokalen Einzelhandel.

Marketingziele sollten die Breiniger selbst definieren, den Zusammenhalt im Dorf üben, Vereine, Verbände und Initiativen einbeziehen und einheimische Akteure einbinden, die einem Marketingkonzept Authenzität verleihen. Denn heute ist weniger ein Alleinstellungsmerkmal bedeutsam, viel wichtiger ist eine emotionale Präferenz, ein Marketing mit Herz.

Die Jugend einbeziehen

Vor allem aber sollten die Breiniger sich nicht aufreiben in Diskussionen über Leitbilder, weil dies schnell zu Leid führen kann, sondern „sie müssen Taten sprechen lassen und Mut haben”, rät der Marketing-Experte. „Wer kämpft kann verlieren, aber wer nicht kämpft, hat schon verloren.”

Sie sollten den Vergleich mit anderen Orten nicht scheuen, Verbündete suchen und Netzwerke knüpfen. Offen und transparent soll der Prozess gestaltet sein, vor allem umfassend kommuniziert werden - und die Jugend einbeziehen. Beispielsweise bei der Internetpräsenz als wichtigsten Informationsquelle, rät Wassenberg. „Die Jugendlichen können das viel besser als wir”.

Und die Einbindung schafft „Identität und Heimatverbundenheit und stärkt das Vertrauen zwischen Alt und Jung im Dorf”, betont Ruth Roelen, die ebenso wie Wassenberg gerne Kontakte zu Hochschulen knüpft. Denn Know How sitzt gleich vor Ort und kann helfen bei Unternehmerstammtischen, Wissenstransfer, bei Untersuchungen und Konzepten. „Die Studenten freuen sich zu helfen”, so Roelen weiter, „Breinig ein unverwechselbares Gesicht zu geben.”
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