Stolberg - Ein „Schluck Heimat“ geschenkt

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Ein „Schluck Heimat“ geschenkt

Von: Jürgen Lange
Letzte Aktualisierung:
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Ein Prosit auf vier Jahre Ketschenburger Bier: Dr. Rüdiger Fröschen und Helmut Kappes stoßen schon einmal auf den Geburtstag an, der heute Abend auch in den Ketsch-Kneipen gefeiert wird. Foto: J. Lange
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Ketsch Kupferbarren

Stolberg. Ein „Schluck Heimat“ schreibt Geschichte – und Geschichten im mittlerweile vierten Jahr der Wiedergeburt des Stolberger Bieres, das gewiss nicht der einzige Gerstensaft in der Historie der Kupferstadt ist, aber das wie kein anderes Getränk mit dieser Stadt identifiziert wird. Und das echte Bierkenner mit einem kräftigen Schluck von anderen Sorten zu unterscheiden wissen wollen.

Da kann sich Dr. Rüdiger Fröschen das Schmunzeln einfach nicht verkneifen, wenn er von einer Begebenheit erzählt, die so wohl nur in Stolberg eintreten kann. Der Vater des heutigen Ketsch besuchte mit einer stolzen Truppe gestandener Herren eine Gaststätte mit einer Vielzahl von Bierhähnen am Tresen, die einen unterschiedlichen Genuss an Gerstensaft versprachen. So griff die Mehrzahl der Gruppe bei Produkten aus Eifel oder Sauerland zu, um den Stolberger Brauvater zu foppen. Doch der war sich bewusst, dass alle das gleichen tranken. „Denn im Keller war nur ein einziges Fass angeschlagen“, lacht Helmut Kappes: „Ketsch“. Der 66-Jährige ist quasi der Geschäftsführer der Ketschenburg Brauerei, was in diesem Fall bedeutet, dass er tatkräftig anpackt, um den Nachschub mit Bierfässern und -kästen, Gläsern und Equipment sicherzustellen. Denn das Projekt ist ein Non-Profit-Unternehmen. Jeder verdiente Cent wird reinvestiert, um das Stück Heimatgeschichte am Leben zu erhalten.

Gebraut wird in Bayern

Die Idee dazu hatte Fröschen, als er 2003 bei Renovierungsarbeiten an der von ihm gekauften Gaststätte „Burghof“ auf alte Bierdeckel, Postkarten und Gläser aus guten, alten Ketsch-Zeiten stieß. „Im Karneval war mir bereits aufgefallen, mit welcher Sehnsucht und Heimatverbundenheit das Ketschenburg Pils in traditionellen Liedern besungen wird“, erinnert sich der heutige Stadtkommandant. 2008 konnte er die Markenrechte vom Alden­hovener Getränkefachhandel Bongartz übernehmen, der diese in den 80er Jahren erworben hatte. 1985 war die Produktion eingestellt worden.

In Bayern fand der Zahnarzt eine Brauerei, die der seit 1817 gebrauten Sorte neues Leben einhauchte. Heute vor vier Jahren, „am 24. November 2008 rollten die ersten Fässer Ketschenburg Pils nach Stolberg“, erinnert sich Fröschen gerne. „Die Testtrinker waren begeistert, die Resonanz war riesig, und bereits vor Weihnachten musste Nachschub geordert werden.“ Seitdem läuft das Ketsch aus einigen Bierhähnen. In „Burghof“, „Postwagen“, „Piano“, „Friedhelm“ und „Alte Brennerei“ hat das Stolberger Bier eine treue Anhängerschaft gefunden. Seit 2009 wird es auch in Flaschen abgefüllt, die auch im lokalen Supermarkt und Getränkefachhandel zu finden sind, und es ist mittlerweile auch im partygerechten Fünf- oder 30-Liter-Fass zu haben. Über 40 Hektoliter Fass- und 14000 Flaschen Bier gehen im Monatsschnitt über den Tresen. „Wir haben uns eine Stammkundschaft erobert“, bilanziert Rüdiger Fröschen. „Besonders treu sind die jungen Gäste im Alter zwischen 20 und 30 Jahre“. Da gilt das Ketschenburger als eine Portion Lokalpatriotismus. Der findet allerdings auch Grenzen. Beispielsweise durch Brauerei gebundene Gaststätten oder durch den raschen Wechsel der gerade angesagten Getränke. Die blühenden Zeiten von Ketsch Lemon und Galmei sind wieder verwelkt. „In einem Jahr lief die eine Sorte wie wahnsinnig, im nächsten die andere“, sagt der Hobby-Brauermeister. Derzeit ist nur noch der Klassiker in der Flasche im Angebot. „Weiteres Wachstum ist nicht in Sicht“, so Fröschen, der auch seine Pläne, eine eigene Braustätte am Ufer der Vicht zu errichten, erst einmal wieder zu den Akten gelegt hat. „Angesichts aller möglichen Auflagen müsste dafür wohl eine halbe Million Euro investiert werden – und ein Sponsor ist nicht in Sicht“.

Doch das nimmt der Stolberg-Fan keineswegs als Rückschlag. Im Gegenteil. „Ich mache das ja nur aus Spaß“, sagt Rüdiger Fröschen und ist immer auf der Suche nach neuen Ideen. Daran hat es in der Vergangenheit schon nicht gemangelt. Es gab ein Fotoshooting für eine Werbekampagne, es gibt den „Catch the Ketsch“-Song, und Kulis, Feuerzeuge und Aufkleber mit Logo-Aufdruck als Werbemittel kann jeder, aber wer gibt schon echte Feinkupferbarren in 500 und 1000 Gramm-Stückelung als Souvenir heraus, wenn nicht die Ketschenburg? „Wir sind der Heimat und der Stolberger Tradition verbunden“, unterstreicht Fröschen diese Aussage auch mit dem Sponsoring der Stolberger Prinzen. So wird auch im Hofstaat der designierten Tollität Daniel I. (Heinrichs) ein Ketsch-Köbes zu finden sein. Doch wer glaubt, die närrischen Tage seien die besten für den Absatz des Stolberger Bräus, der irrt. „Dann muss Bier schnell fließen und die Wirte verzichten gerne auf unterschiedliche Sorten oder unser angeblich langsamer zu zapfendes Ketsch“, erklärt Helmut Kappes, und ein wenig beleidigt wirkt er dabei schon. Aber neben den Stammkneipen sind es vor allem viele Vereine, Institutionen und Privatleute, die das Stolberger Bier leben lassen. „THW und Feuerwehr sind da besonders heimatverbunden“, lobt Kappes schmunzelnd. Die Prinzengarde jedoch weniger, merkt ihr Kommandant kritisch an. Da steht es ein Drittel zu zwei Dritteln zugunsten der Massenbiere. Dagegen ist der Geschmack für das individuelle Qualitätsprodukt besonders gefragt im Gefolge der Prinzen „und der Teuflischen Jecken“, gesteht der Stadtkommandant, dass er mit seiner Garde noch ein wenig ins Trainingslager möchte.

Doch erst einmal dürfen sich die treuen Kunden heute über Preise wie anno dazumal freuen. In den Ketsch-Lokalen fließt das Stolberger Bier heute Abend für 50 Cent pro Glas aus dem Zapfhahn – solange der Vorrat reicht. Zum ersten richtigen Jubiläum im nächsten Jahr gibt‘s vielleicht auch einen Ketsch-Sketch – natürlich im Burghof-Theater des Intendanten, wo kommenden Samstag erst einmal „Vampire“ ihre Premiere feiern.

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