Ein Schlafplatz für Jugendliche in Notsituation

Von: Michael Grobusch
Letzte Aktualisierung:

Stolberg. Der Bedarf steigt stetig, ein Angebot aber, das diesen abdeckt, gibt es bis dato nicht. Mit der Eröffnung einer Notschlafstelle will der Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) Stolberg in Zusammenarbeit mit dem Haus St. Josef Eschweiler jetzt eine Lücke im System der Jugendhilfe schließen.

Die Einrichtung, die auf eine Initiative der Jugendämter in der Städteregion Aachen zurückgeht, wird im Stolberger Stadtteil Münsterbusch ihren Platz finden, richtet sich aber an Jugendliche aus der gesamten Region. „Die nächste Anlaufstelle gibt es in Bonn. Wir werden also ein sehr großes Einzugsgebiet haben”, weiß SkF-Geschäftsführerin Margit Schmitt.

Das Modell zieht Kreise. „Ursprünglich war es für Ballungsräume und Großstädte konzipiert. Mittlerweile gibt es aber auch in ländlicheren Gegenden einen akuten Handlungsbedarf”, berichtet Schmitt. Jugendlichen zwischen 14 und 17 Jahre soll die Notschlafstelle in Stolberg offenstehen. Allerdings müssen sie über einen Berechtigungsschein verfügen, den die Jugendämter - auch prophylaktisch - ausstellen werden.

„Obwohl sich die potenziellen Nutzer den staatlichen Hilfemaßnahmen entziehen, sind die meisten von ihnen den Behörden dennoch bekannt”, sagt Thomas Beyer, Fachbereichsleiter im Haus St. Josef. Hauptanliegen der Notschlafstelle sei es, diesen Jugendlichen eine Bleibe für die Nacht, Essen und die Möglichkeit zur Körperpflege zu bieten. „Es geht um Sicherheit und um Halt. Schließlich handelt es sich um Menschen, die obdachlos sind oder von der Obdachlosigkeit bedroht sind.”

Natürlich gibt es - strenge - Hausregeln, die es einzuhalten gilt. „Pädagogische Erwartungen müssen hingegen nicht erfüllt werden”, so Beyer. Und dennoch: „Wir hoffen, dass es uns gelingt, über dieses niedrigschwellige Angebot einen Zugang zu den Jugendlichen zu finden und ihnen eine Perspektive für ihr Leben aufzuzeigen.”

Seit mehr als einem Jahr laufen die Vorbereitungen, mehrfach haben die Initiatoren in Einrichtungen anderer Städte - vor allem in Essen und Bonn - hospitiert. Jetzt fiebern sie der Eröffnung entgegen, die für Ende September geplant ist. „Wir sind gespannt, wie das Angebot angenommen wird”, sagt Margit Schmitt. Fördermittel gibt es für die Notschlafstelle nicht, vielmehr soll die Einrichtung über die von den Jugendämtern gezahlten Pflegesätze finanziert werden.

Darin inbegriffen sind viereinhalb Stellen, die von sieben Erziehern und zwei studentischen Hilfskräften abgedeckt werden. Besetzt ist immer ein Nachtdienst und eine Nachtbereitschaft. Das Haus in Stolberg, das offiziell über neun Plätze verfügt, im Notfall aber bis zu zwölf Personen aufnehmen kann, wird täglich um 19 Uhr geöffnet, um 24 Uhr beginnt die Nachtruhe. Bis morgens um 9 Uhr müssen die Jugendlichen es wieder verlassen haben, abends dürfen sie wiederkommen.

Anschlussmaßnahmen fehlen

Darin liegt dann auch der Haken, wie die Erfahrungen aus vergleichbaren Einrichtungen gezeigt haben. „Bis jetzt gibt es keine Gelder für Anschlussmaßnahmen, die eine Betreuung auch über Tag ermöglichen. Deshalb kommt es immer wieder zum Abbruch von Kontakten”, moniert Thomas Beyer. Gleichwohl sieht er in der Notschlafstelle für viele Jugendliche eine letzte Chance. „Wir müssen versuchen, sie auf diesem Wege wieder in die Gesellschaft zurückzuführen. Alles andere würde bedeuten, sie aufzugeben.”
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert