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Ein Schandfleck wird zur Betriebszentrale

Von: Sarah Sillius
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Projektleiterin Ingrid Eisenbu
Projektleiterin Ingrid Eisenburger und Architekt Ralf Tings koordinieren die Sanierungsarbeiten am Bahnhofsgebäude. Das 123 Jahre alte und denkmalgeschützte Haus soll zur Betriebszentrale der EVS ausgebaut werden und ein Kundencenter beheimaten. Foto: S. Sillius

Stolberg. Er ist das Aushängeschild der Stadt, der erste Eindruck, den die Fahrgäste der Bahn von Stolberg gewinnen. Und doch ist er noch immer ein Schandfleck: der Stolberger Hauptbahnhof. Aber so langsam ist der jahrelange Tiefschlaf vorbei, die Gleise und das denkmalgeschütze Gebäude von 1888 erwachen zum Leben.

Hier entsteht die Betriebszentrale der Euregio Verkehrsschienennetz GmbH (EVS), der zentrale Dreh- und Angelpunkt des euregionalen Schienenverkehrs.

Von den Entwicklungen rund um den Ausbau der Euregiobahn hat sich nun Horst Becker, Parlamentarischer Staatssekretär für Verkehr in NRW, vor Ort ein Bild gemacht. „Die Euregiobahn ist ein gelungenes Stück Strukturwandel, ein deutliches Ausrufezeichen für den Standort Stolberg”, lobt er das Projekt Euregiobahn, das in diesem Jahr zehn Jahre alt wird.

Die Sanierungsarbeiten auf dem Bahnhofsgelände laufen zurzeit auf Hochtouren. Ein Gerüst umgibt die Klinkerfassade, die Stahlkonstruktion über dem Bahnsteig ist seit rund vier Wochen von Metallstangen umgeben.

Der Kran transportiert dicke Betonsteine, die Arbeiter entfernen Holzbalken im Dachstuhl und ersetzen sie durch Stahlbetondecken. „Aus Brandschutzgründen”, erklärt Projektleiterin Ingrid Eisenburger, die mit Architekt Ralf Tings die Sanierungsarbeiten koordiniert. „Dort oben wird die Leitstelle ihre Räume bekommen, daneben entsteht der Funktionsraum”, erklärt Eisenburger und zeigt auf den Ostflügel des Gebäudes, der bis Ende Juni fertig sein soll.

Anschließend soll es mit der Sanierung der Empfangshalle und der dahinter liegenden Räume weitergehen. Diese Umgestaltung ist vor allem für die Bahnkunden interessant. Bald soll es möglich sein, dass die Kunden ihr Ticket nicht mehr zwangsweise am Automaten ziehen müssen. Im Gebäude soll es eine Kundencenter geben, in dem sich die Fahrgäste beim Ticketkauf beraten lassen können. Zusätzlich werden eine öffentliche Toilette und ein Fahrradabstellraum in das Gebäude integriert.

Wer länger auf seinen Zug warten muss, soll darüber hinaus die Möglichkeit erhalten, einen Kaffee zu trinken oder eine Zeitung zu kaufen. „Es handelt sich hierbei um ein Vorzeigeprojekt”, erklärt Thomas Fürpeil, EVS-Geschäftsführer. Bislang habe man noch keinen geeigneten Partner für einen solchen Kiosk oder ein Café als „Sozialstelle” des Bahnhofs gefunden.

„Das ist etwas, das auch den Müttern und Vätern der Stadt sehr am Herzen liegt. Etwas, das uns lokalpolitisch schon lange unter den Nägeln brennt”, betont Hildegard Nießen, Mitglied des Beirats des EVS. „Die Chance, hier Leben hineinzubekommen, kann nur durch eine Mixtur gelingen, der Tourismus sollte die ergänzende Maßnahme sein”, sagt Joachim Sistenich, Geschäftsführer Nahverkehr Rheinland GmbH und Aachener Verkehrsverbund.

„Die Leute identifizieren sich mit der Euregiobahn, sie gehört zur Region dazu”, sagt Axel Wirtz, Vorsitzender des Beirats der EVS. Deshalb sei der Ringschluss nun das wichtigste Projekt (siehe Box).

Ein Ausbau nach Breinig ist allerdings weiterhin nicht in Sicht. Bürger, Stadt und EVS wünschen sich den Anschluss. Joachim Sistenich denkt an die Finanzen: „Wir wollen uns die Option Breinig offen halten, Kosten und Nutzen müssen sich decken.” Diese Wirtschaftlichkeit gebe es derzeit nicht.

Während Breinig weiterhin vom Schienenverkehr abgekoppelt sein wird, entsteht ein neues Gleis am Hauptbahnhof. Das Gleis 43, das direkt vor dem Bahnhofsgebäude verläuft, wird in Richtung Aachen verlängert und erhält mit dem Bahnsteig 44 ein neues Gleis, an dem die Euregiobahn aus Alsdorf Halt machen wird. Für Rollstuhlfahrer ist dieser Bahnsteig dann problemlos zu erreichen. Fraglich bleibt noch, wie die Barrierefreiheit an den Mittelgleisen garantiert wird. „Die Deutsche Bahn denkt über eine Unterführung mit Rampe oder Aufzug nach”, erklärt Ingrid Eisenburger.

Transparente Überdachung

Für sie und ihre Kollegen geht es aber nun zunächst um das Projekt Bahnhofsgebäude und die Gestaltung der Gleiswege. Dazu gehört auch die Überdachung, die zurzeit nur aus einem nackten Metallgerüst besteht. „Die Arbeiten sind erstmal auf Eis gelegt, bis die Fassade des Gebäudes saniert ist. Aber wir denken an eine transparente Eindeckung, damit wieder mehr Licht in den Bahnhof kommt.” Licht, das nötig ist, um das Gelände aus dem Tiefschlaf zu holen.


Ringschluss soll bis 2012 fertig sein

Die Euregiobahn erhält eine weitere Verbindung. Die Strecke zwischen Stolberg und Alsdorf wird reaktiviert. Somit ist der Anschluss nach Herzogenrath wieder hergestellt.

In den nächsten drei Jahren fließen 75 Millionen Euro in den Ringschluss. Das Gesamtvolumen für die Euregiobahn beträgt damit rund 145 Millionen Euro. 90 Prozent der Summe tragen Bund und Land, den Rest der Kosten übernehmen die Gesellschafter der EVS.

Bis Ende 2012 soll der Ausbau fertig gestellt sein. „Über dieses Projekt gibt es einen politischen Konsens”, sagt EVS-Vorsitzender Axel Wirtz.

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