Stolberg - Ein Rucksack, der nicht zu schwer ist

Ein Rucksack, der nicht zu schwer ist

Von: Kolja Linden
Letzte Aktualisierung:
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Beispielhafte Integration durch Sprache: Die Teilnehmerinnen des Rucksackprojekts der Kita Bergstraße sowie Vertreter der Kita, der Städteregion und des islamisch-albanischen Kulturvereins in Foto: K. Linden

Stolberg. Wer seine eigene Muttersprache gut beherrscht, der lernt auch andere Sprachen leichter. Diese einleuchtende Erkenntnis macht sich ein Projekt an der evangelischen Kita Bergstraße zunutze, das zwar nicht neu, in NRW aber dennoch bislang einmalig ist: Das Programm „Rucksack” mit albanischen Müttern.

Die meisten der Frauen, die regelmäßig in der Kita zusammenkommen, sind nicht in Deutschland geboren. Was sie eint ist, dass Deutsch für sie und ihre Kinder eine Fremdsprache ist.

Doch Sprache ist ein Schlüssel. Für die Frauen ein Schlüssel zur Integration in die Gesellschaft, für ihre Kinder daneben noch der Weg zu besserer Bildung. Wer bei der Einschulung kein Deutsch kann und vielleicht sogar die eigene Muttersprache nicht richtig beherrscht, ist schnell abgehängt.

Genau da setzt das Rucksackprojekt an und fördert die Mehrsprachigkeit von Einwandererkindern. Also werden die 15 Mütter in der Kita Bergstraße von Betreuerin Gjilsime Saljiu in der Vermittlung der eigenen Muttersprache geschult. „Wir gehen damit an ihre Stärken ran, nicht an die Schwächen”, sagt Timur Bozkõr, Projektverantwortlicher bei der Städteregion. „Die Mutter vermittelt zu Hause die Muttersprache, aber mit der Methodik des Sprachunterrichts”, ergänzt Dietmar Havenith, Leiter des Integrationsbüros der Städteregion. Parallel lernen die Kinder in der Kita Deutsch mit der gleichen Methodik. „Dadurch ist bei den Kindern eine Wiederholung und Vertiefung gegeben”, so Havenith weiter.

Dass die Sprache letztlich nur ein Schlüssel ist, zeigt die Aussage von Pfarrer Jens Wegmann von der evangelischen Gemeinde, zu der die Kita gehört: „Wichtig ist, dass eine kulturelle Vermittlung stattfindet”, sagt Wegmann und ergänzt: „Die Kita ist wirklich ein Familienzentrum. Die Eltern sind integriert und machen familiäre Erfahrungen. Die Kinder fühlen sich hier geborgen, und wenn die Geborgenheit da ist, dann kann man auch mit sprachlichen Unterschieden viel besser umgehen.”

Wie das gehen kann, hat jüngst der Reformationstag am 31. Oktober gezeigt, als zur Feier in der evangelischen Kita auch mehrere albanische Familien muslimischen Glaubens kamen. „Ich erlebe hier ein Miteinander, kein Nebeneinander”, sagt Dietmar Havenith, und Elke Rings, Leiterin der Kita Bergstraße, bestätigt diesen Eindruck: „Einmal in der Woche bieten wir hier ein Elterncaf an, das treffen sich sowohl deutsche als auch albanische Mütter. Es findet ein Austausch statt.”

Für diese Form der Integration eingesetzt hat sich auch das islamisch-albanische Kulturzentrum, dessen Leiter Bekim Ademi als Ansprechpartner und Vermittler zur Verfügung stand. „Wir sind sehr dankbar, in einem fremden Land ein Angebot mit muttersprachlichem Unterricht vorzufinden”, sagt Ademi, dessen eigene Schwiegertochter ebenfalls Teil der Gruppe ist.

Der Projektname steht übrigens sinnbildlich für einen Rucksack, der für Kinder, Erzieherinnen und Eltern gleichermaßen mit wertvollem Inhalt gefüllt wird und den diese in ihre Umgebung hinein tragen. Eine schwere Last ist dieser Rucksack ganz sicher nicht.
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