Stolberg - Ein Musterbeispiel für Integration

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Ein Musterbeispiel für Integration

Von: Michael Grobusch
Letzte Aktualisierung:
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Huriye Özgen freut sich über ihren zweiten Platz auf Landesebene. Foto: Grobusch

Stolberg. Am Ende schienen die Juroren fast aufgeregter gewesen zu sein als die Kandidaten. Aus dem „E” hatten sie ein „A” gemacht und den Nachnamen von Huriye Özgen auf der feierlich überreichten Urkunde somit falsch geschrieben. Die Neunjährige hat es mit Gelassenheit aufgenommen und mittlerweile mit einem Edding für die passende Korrektur gesorgt.

Die Ruhe behält sie auch, wenn man sie auf ihren großen Erfolg anspricht. „Ich lese einfach sehr gerne”, sagt die Drittklässlerin der Grundschule Hermannstraße ganz selbstverständlich und bescheiden mit Blick auf den zweiten Platz, den sie beim deutsch-türkischen Lesewettbewerbs auf Landesebene erreicht hat.

Euphorischer ist da schon Renate Krickel. „Huriye ist eine wirklich sehr, sehr gute Schülerin. Und sie widerlegt beispielhaft die Vorurteile, die es über Kinder mit Einwanderungshintergrund gibt”, schwärmt die Schulleiterin.

Die deutsche Sprache ist Huriye ebenso vertraut wie die türkische. Bereits ihr Vater wurde in Deutschland geboren, die Mutter aber zog erst später nach Stolberg. Zuhause wird überwiegend Türkisch gesprochen, Bücher aber liest die Neunjährige vorzugsweise auf Deutsch.

Im Durchschnitt einmal pro Woche holt sie in der Stadtbibliothek „Nachschub”. Diesmal wird es wohl ein bisschen länger dauern bis zum nächsten Besuch, schließlich nimmt sich Huriye derzeit „Pippi Langstrumpf” mit über 400 Seiten vor.

Ihr Weg bis zur Preisverleihung in Köln begann an der Hermannschule. Im internen Wettbewerb setzte sie sich ebenso sicher durch wie anschließend auf Ebene der Städteregion. Vorgelesen werden mussten jeweils ein Text in deutscher und türkischer Sprache, wobei immer nur einer vorher bekannt und vorbereitet war. Zudem galt es, Fragen zum Textverständnis und zum inhaltlichen Kontext der Geschichten zu beantworten.

Initiatoren des landesweiten Wettbewerbs sind der nordrhein-westfälische Integrationsbeauftragte und der Türkische Lehrerverein NRW.

Nicht nur in Sprachen ist Huriye ausgesprochen begabt. „Sie ist generell eine sehr gute Schülerin”, lobt Renate Krickel und ergänzt: „Wir haben sehr viele gute Schüler mit Migrationsgeschichte.” Das liegt auch daran, dass das Förderkonzept, das an der Hermannschule nicht nur schwachen, sondern auch starken Schülern geboten und jeweils individuell auf sie abgestimmt wird, offensichtlich greift.

Zwei Stunden beispielsweise kommt Huriye wöchentlich in den Genuss eines nach Leistung differenzierten Leseunterrichtes. Und auch in anderen Fächern gibt es eine individuelle Förderung.

Schüler sind begeistert

Die Schüler zeigen sich begeistert - vom Konzept der Schule, und vom Erfolg ihrer Mitschülerin. Huriye freut das. An ihrer Bescheidenheit aber ändert das nichts.

Da hält sie es genau wie ihr fast schon berühmter Cousin Abdul Özgen, der bis Mai noch für Alemannia Aachen Fußball spielte und jetzt als Profi in die erste türkische Liga wechselt.

Welches Buch nach Pippi Langstrumpf folgen wird, kann Huriye noch nicht sagen. Und angesichts der Vielzahl der Geschichten, die sie schon gelesen hat, möchte sie sich nicht auf einen Favoriten festlegen.

Nur eins ist schon jetzt klar: „Ich will Ärztin werden”, lässt die Neunjährige an ihrem Berufswunsch keinen Zweifel. „Das Zeug dazu”, da ist Renate Krickel sicher, „hat sie”. Und mit ihr haben es noch viele andere Hermannschüler mit Migrationsgeschichte.
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