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Ein Lichtkonzept: Stolberg soll mit „Tattoos“ versehen werden

Von: Jürgen Lange
Letzte Aktualisierung:
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Ein Beispiel für Lichttattoos liefern die Eisenbahnbrücken über die Königstraße in Aachen: UV-Farbe und Schwarzlicht sorgen für die gewünschte Wirkung - hier am Tage. Wie die Tattoos in Stolberg umgesetzt werden können, muss noch geplant werden. Foto: Archigraphus
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Ein Beispiel für Lichttattoos liefern die Eisenbahnbrücken über die Königstraße in Aachen: UV-Farbe und Schwarzlicht sorgen für die gewünschte Wirkung - hier in der Nacht. Wie die Tattoos in Stolberg umgesetzt werden können, muss noch geplant werden. Foto: Archigraphus
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Auch privates Engagement soll generiert werden: Die Beleuchtung beispielsweise des Kupferhofes Rosental inklusive der Werkhöfe und des Baumbestandes soll weiter ausgebaut werden. Foto: J. Lange

Stolberg. Ötzi soll sie schon gehabt haben, und irgendwie scheint die ganze Geschichte der Menschheit von Tätowierungen begleitet gewesen zu sein. Ein Tattoo, wie man heute sagt, ist eigentlich ein Motiv, das mit einer Farbe unter die Haut gestochen wird. Viele Menschen finden das chic, bei Tieren dient eine Tätowierung meist zur Identifikation.

Und beim Thema Identifikation ist man schon in Stolberg angelangt. Tattoos sollen auch hier in der Innenstadt „die Stolberger Identität prägenden Elemente entlang der Talachse lesbar machen“, wie es das Büro „Archigraphus“ formuliert.

Quartiere optisch verbinden

Freilich wollen die Aachener Architekten nicht mit Nadel und Farbe losziehen, um Motive in Gestein zu stechen, sondern wesentlich subtiler mit Licht für Atmosphäre und eben Identifikation sorgen. Im Rahmen des Entwicklungskonzeptes für die Innenstadt hat „Archigraphus“ ein Lichtkonzept entwickelt, um die einzelnen Quartiere, die wie Perlen auf einer Schnur aneinandergereiht die Innenstadt bilden, optisch miteinander zu verknüpfen und markante Orte mit Licht in Szene zu setzen.

Eines von mehreren vorgeschlagenen Elementen dabei ist das „Kupferhof-Tattoo“: Das stilisierte Bild eines Kupferhofes, das sowohl tagsüber ohne großartige technische Hilfsmittel erkennbar ist und in der Dunkelheit durch Illumination seine besondere Wirkung entfalten soll.

Wie die Idee in Stolberg konkret umgesetzt werden soll, das muss noch „im Rahmen der Detailplanung und in Abstimmung mit den Denkmalschutzbehörden geklärt werden“, berichten die beiden „Archigraphen“ Markus Ulrich und Joachim Schmidt. Nächsten Mittwoch im Ausschuss für Stadtentwicklung und im März im Vergabeausschuss soll das politische Plazet für das weitere Vorgehen erteilt werden.

Schon in Aachen „tätowiert“

Aber das Büro hat bereits „tätowiert“: in Aachen bei einem Projekt an der Königsbrücke. Dort wurde mit speziell präparierter Disco-Farbe ein historisches Stadtbild auf ein Betonlager gemalt, das tagsüber in Gelb leuchtet, und durch Illumination nachts grün erstrahlt. So einfach wird es in der Kupferstadt nicht gehen.

Nicht nur die privaten Eigentümer der historischen Gebäude müssen mitspielen, sondern auch die Technik und vor allem der Denkmalschutz. Nachgedacht wird erst einmal über eine Metallsilhouette in zur Kupferstadt passenden Farbtönen. Doch es bleibt spannend, was nach Planungsphase und Behördenabstimmung im Detail vorgeschlagen wird.

In jedem Fall ist das „Kupferhof-Tattoo“ nicht das einzige Element, mit dem die „Archigraphen“ zur optischen Wiederbelebung der Innenstadt beitragen wollen. Intensiv haben sie sich zuvor mit den Gegebenheiten auseinandergesetzt. Auf Basis der geschichtlichen Entwicklung des Siedlungsflecken an der Vicht stellten die Aachener fest, dass „die Stolberger ihre Stadt nicht über ihre Kernstadt – das Siedlungsband der historischen Stadtteile von Oberstolberg und Mühle – definieren, sondern vielmehr über Einzelquartiere und Vororte“.

Die „Stadtidee“ von Stolberg erscheint den Raumgestaltern eher diffus. Aber die Talachse hat aus ihrer Sicht „aufgrund ihrer Kontinuität und ihres hohen urbanen Erlebniswertes das Zeug zum Identifikationsträger für ganz Stolberg und darüber hinaus ein hohes touristisches, und baukulturelles Potenzial“.

Zudem haben sich die Raumplaner mit dem aktuellen Beleuchtungskonzept der „nebeneinander entstandenen Stadtelemente“ vertraut gemacht. Sie fanden einen warmen Farbtyp mit niedriger Lichtstärke in der Altstadt, atmosphärisch getragene Lichtzonen an den neu gestalteten Räumen Kaiserplatz, Stadthalle, Bastinsweiher und Frankental sowie das kalte und intensive Licht im Korridor der Rathausstraße: „Eine Situation, die durchaus Sinn ergeben kann“, so Ulrich und Schmidt.

Sie wollen nun auf dieser Basis nicht nur die Nacht-, sondern auch die Tageswirkung in den Quartieren mit universell auf der ganzen Talachse einsetzbaren Elementen unterstreichen. Dabei soll die Entstehungsgeschichte der Kupferstadt einen variablen Farbduktus vorgeben: die metallischen Farbtöne von Messing, Kupfer und Zink. Das Licht soll dabei als „Lesehilfe“ bei der (Neu-)Entdeckung des Stadtraums dienen.

Zur praktischen Umsetzung geben die Raumplaner zehn Steckbriefe an die Hand, wie mit unterschiedlichen lichttechnischen Einrichtungen an insgesamt gut 70 Orten Wirkung erzielt werden kann: etwa als Leitobjekte errichtete und illuminierte Mühlräder (z. B. Mühlener Markt), Bodenscheinwerfer an markanten Gebäuden (z. B. Ketschenburg) und Bäumen (z. B. Offermann-Platz), eine Spur aus Lichtflecken (z. B. zur Brücke Enkereistraße), eine Aufwertung bestehender Raumerlebnisse (z. B. Jugendstilstelen an der Heinrich-Heimes-Brücke), weitere Nadelstelen (z. B. Haltepunkt Rathaus), eine flächige Anstrahlung von Fassaden (z. B. Gründerzeit-Jugendstil-Ensemble Steinweg / Stielsgasse), die Ausleuchtung von Fassadenelementen (z. B. Elefant der Apotheke) sowie eine Abstimmung der Straßenbeleuchtung in Kooperation mit der EWV – und, nicht zu vergessen, besagte Tattoos an nahezu allen Kupferhöfen der Tal­achse.

Volumen 1,1 Millionen Euro

Natürlich haben die Architekten auch die Feder gespitzt und einmal grob kalkuliert, was ihr voll umfängliches Konzept wohl kosten würde. Mit knapp 1,1 Millionen Euro stand dann eine Summe unter dem Strich, die sich Stolberg selbst bei 80-prozentiger Landesförderung nicht leisten könnte. Also haben Raumplaner, Stadtverwaltung und politische Lenkungsgruppe gewogen und abgewogen, um die Vorschläge in einer Priorität zu gewichten.

Immerhin hat die nachrangige Prioritätenstufe 2 immer noch ein Volumen von rund 715.000 Euro, aber vorrangig bedacht werden sollen mit erster Priorität ein Paket im Wert von 250.000 Euro. Das beinhaltet vor allem eine Reihe von Kupferhof-Tattoos, die Illumination von Baumgruppen sowie diverse Lichtflecken.

Bezirksregierung stimmt zu

Auch wenn die Lichtinstallation in diesem Jahr beginnen soll, werden allerdings diese 19 vorrangigen Details nicht auf einen Streich realisiert werden können. Tobias Röhm muss da die Erwartungshaltung ein wenig bremsen. Im Haushalt stehen für dieses Jahr 100 000 Euro bereit. Darüber hinaus benötigte Mittel müssten überplanmäßig je nach Kassenwirksamkeit bereitgestellt oder für den nächsten Haushalt angemeldet werden.

Die gute Nachricht ist, dass Regierungspräsidentin Gisela Walsken eine Freundin der Illumination ist. Ursprünglich war das Thema „Licht im Raum“ nur für den Bereich zwischen Willy-Brandt- und Kaiserplatz vorgesehen. „Es stieß aber auf ein so großes Interesse und hohe Mitwirkungsbereitschaft, dass es auf das ganze Fördergebiet ausgedehnt werden soll“, berichtet der Technische Beigeordnete, dass auch die Bezirksregierung das so sieht und bereits im Juli zugestimmt hat. Fristgerecht sei auch der erste Förderantrag auf den Weg gebracht.

Privates Engegement

Bemerkenswert dabei sei, dass das Komplettpaket der „Archigraphen“ auch ein Volumen von rund 115.000 Euro privaten Engagements enthalte, das aus dem Verfügungsfonds aktuell bis zu einer Gesamthöhe von 22.500 Euro gefördert werden könne.

Die Liste enthält beispielsweise die Elefanten-Apotheke, den Kupferhof Rosental sowie historische Gebäude an Rathausstraße, Steinweg und Aachener Straße. Darüber hinaus sollen weitere 19.000 Euro gestemmt werden für Projekte, die in unmittelbarer Nähe, aber außerhalb des eigentlichen Sanierungsgebietes liegen: beispielsweise der Kupferhof Steinfeld und die Grundschule Hermannstraße.

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