Ein Kehrmännchen aus Leidenschaft

Von: Heike Eisenmenger
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„Kehrmännchen” Klaus-Dieter
„Kehrmännchen” Klaus-Dieter Kmieckowiak im Einsatz am Vogelsänger-Platz: Der Mann hat Spaß an seiner Arbeit und liebt den engen Kontakt zur Bevölkerung. Foto: Heike Eisenmenger

Stolberg. Die Erfolgsgeschichte des „Kehrmännchens” beginnt unschön. Bevor Klaus-Dieter Kmieckowiak städtischer Mitarbeiter des Technischen Betriebsamtes wurde, war er lange Zeit arbeitslos.

Seine Arbeit in der Produktionslinie eines Aachener Unternehmens hatte er aus freien Stücken gekündigt. „Ich hatte einen Verbesserungsvorschlag gemacht, der auch umgesetzt wurde. Mein Chef hatten meinen Verbesserungsvorschlag als seine Idee ausgegeben und kassierte die Prämie”, erzählt Kmieckowiak, warum er freiwillig ging.

„Anfangs dachte ich noch, ich würde schnell eine neue Stelle finden, aber dem war nicht so”, erzählt der 48-Jährige. Es vergingen vier Jahre, ohne dass er einen Job fand. Dann vermittelte ihm die Agentur für Arbeit einen Ein-Euro-Job in der Informationszentrale der Stadt Stolberg.

Der gelernte Einzelhandelskaufmann war glücklich, aber Sorge machte ihm, dass der Ein-Euro-Job schon bald auslaufen würde. Die Rettung kam in Person des damaligen Hauptamtsleiters vorbei: „Er fragte mich, ob ich mir vorstellen könne, die Straße zu reinigen. Da gab es kein Überlegen, ich war selig, eine feste Arbeitsstelle zu bekommen.”

In den ersten Wochen hatte ein Bedenken, man würde ihn als „Straßenkehrer” belächeln. Zudem waren die Kollegen zunächst skeptisch, ob der gelernte Einzelhandelskaufmann seine Arbeit ebenso ordentlich machen würde wie sein Vorgänger.

Kmieckowiak machte seine Arbeit ordentlich und mit zunehmender Akzeptanz verschwanden auch all seine Bedenken. „Ich bin so froh, diese Arbeit zu machen. Der Kontakt zu den Leuten - es gefällt mir einfach.” Selbst die kleinen Kinder im Buggy kennen schon seinen Namen und rufen schon von Weitem „Dieter”.

Das „Kehrmännchen”, wie man im Volksmund liebevoll sagt, genießt Anerkennung. „Die Leute grüßen immer sehr freundlich, fragen mich, wie es geht und manche stecken mir auch mal Geld für einen Kaffee zu.”

Dabei geht es ihm nichts um Geld, sondern darum, dass seine Arbeit gewürdigt wird. Zu würdigen wissen auch die Geschäftsleute aus Oberstolberg seinen Einsatz: Als Weihnachtsgeschenk präsentierten sie ihm eine Anzeige, in der sie sich für die gute Arbeit, die Kmieckowiak Tag für Tag leistet, bedankten. „Darüber habe ich mich riesig gefreut, da war ich platt”, sagt der gebürtige Aachener.

Der 48-Jährige ist stolz auf seine Arbeit und muss selbst darüber lächeln, dass er anfangs Bedenken hatte, obwohl das nichts an seinem Entschluss, den Job zu machen, geändert hätte. „Ich kann wirklich sagen, dass ich meine Arbeit liebe”, sagt er.

Der Arbeit wegen ist er von Büsbach zum Steinweg gezogen. „Im Winter müssen wir statt um sechs bereits um fünf Uhr anfangen. Ich besitze keinen Führerschein, und darum habe ich mir eine Wohnung in Nähe meiner Arbeitsstelle gesucht. Nun brauche ich nur vor die Haustür und schon bin ich an meinem Arbeitsplatz”, sagt das Kehrmännchen fröhlich. Seinen Karren hat es in der Garage geparkt.

Mit ihm zieht es morgens erstmal zum Kaiserplatz, um dort die Mülleimer zu leeren, Abfall aufzusammeln und zu kehren. Damit das Chaos erst gar nicht entstehen kann.

Dann geht es den Steinweg rauf. Auch für die oberen Marktplätze ist Kmieckowiak zuständig. Immer wieder kommt es vor, dass er demolierte Abfalleimer vorfindet. „Dieser Anblick erfüllt mich mit Trauer. Da bin ich echt bestürzt. Ein Mülleimer kann nichts dafür, wenn jemand Aggressionen hat, er steht doch einfach nur da.”

Es ärgert ihn, dass die Randalierer auch kein bisschen darüber nachdenken, wer den Schaden bezahlen muss. „Das sind wir, die Steuerzahler.”

Kinder, die Abfall statt in den Mülleimer achtlos wegwerfen, damit hat er kein Problem. „Bei den kleineren Kindern passiert das oft im Eifer des Gefechts. Sie kaufen sich Kaugummi mit Abziehbildern und wollen dann sofort die Motive vergleichen und werfen dabei das Papier auf den Boden.” Das Kehrmännchen spricht die Kinder dann nett an und bittet sie, den Abfalleimer zu benutzen. „Gut, manche murren im ersten Moment, aber sie folgen und das ist doch schließlich das, was wichtig ist.”

Nur ein einziges Mal hat Klaus-Dieter Kmieckowiak eine schlechte Erfahrung gemacht: Eines Morgens wurde er ohne Vorwarnung von einem Mann mit einem abgesägten Besenstil geschlagen. „Der Mann stand wahrscheinlich unter Drogen. Er kam vorbei, trommelte wie wild auf meine Tonne ein und zog mir einfach den Stock über den Kopf.” Die Platzwunde blutete stark, eine Verkäuferin und ein Fahrradfahrer hatten die Szene beobachtet. Die junge Frau alarmierte die Polizei und den Notarzt, während der Fahrradfahrer die Verfolgung aufnahm.

Der Täter konnte tatsächlich dingfest gemacht werden. „In den ersten Wochen war mir mulmig zumute, wenn ich morgens das Haus verließ und es noch dunkel war”, erzählt Kmieckowiak.

Als der Wahl-Stolberger erfuhr, dass der Mann für mehrere Jahre nicht mehr in Freiheit sein würde, verschwand seine Beklommenheit. „Ich bin erleichtert, dass er weggesperrt worden ist.”

Er schaut zufrieden auf das Laub und schnappt sich den Besen. Es gibt schließlich noch viel zu tun.
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