Ein Duo zieht die Politik durch den Kakao

Von: Lukas Franzen
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Michael Dannhauer erklärt im
Michael Dannhauer erklärt im Savoy überaus anschaulich das wacklige Bankensystem. Foto: L. Franzen

Stolberg. Es war der letzte Kabarettabend des Jahres. Und obwohl sich virtuell rund 30 000 Gäste für den Auftritt von „Hoppla - Das Duo” angekündigt hatten - dies behaupteten zumindest die beiden Hauptakteure des Abends - blieb dem „Savoy” eine wilde Facebook-Party am Ende erspart.

„Die übrigen 29.980 Leute haben wir am Alter Markt abgefangen, in Busse verfrachtet und auf die umliegenden Weihnachtsmärkte verteilt”, lieferte das aus Michael Dannhauer und Thorsten Neumann bestehende Komiker-Duo die passende Erklärung für die ambivalente Teilnehmerzahl gleich mit.

Wer es also zu der elitären „Kleingruppenübung” der beiden Aachener Kabarettisten geschafft hatte, konnte sich glücklich schätzen, zu den Auserwählten zu gehören. Ihnen blieb nach Ansicht der Kabarettisten der alljährliche Gang zum Weihnachtsmarkt als „Messi-Selbsthilfezentrum” und damit verbundene Einkäufe unnützer Haushaltsgegenstände wie Frühstücksbrettchen à la „Mama ist die Beste” oder „Papa is(s)t das Letzte” erspart.

Geboten bekamen sie stattdessen eine unterhaltsame Mischung aus Kabarett und Komödie, bei der sich Alltagskomik und scharfe Polit-Satire abwechselten.

In ihrem neuen Programm „Aufrecht liegen lernen” schlüpfen Neumann und Dannhauer in die Rolle zweier „Personality Marketing Berater”, um ihren Zu-schauern Mut zu machen. Ihre Botschaft: „Auch wenn man nichts kann, kann man groß rauskommen”. Oder anders gesagt: „Sie können nicht weniger als andere, machen aber nichts draus”. Denn wer überzeugend vorgibt, das Unmögliche zu können, steht nach Ansicht der beiden „Marketing Strategen” in der Gesellschaft besser da als die, die es tatsächlich können. Wie also macht man aus sich eine Marke? Und wie fällt man auf?

Als Berater beherrschen Neumann und Dannhauer alle Spielarten des „Personality Marketings” und zeigten ihren Zuschauern im „Savoy”, dass an dem in Deutschland meist gesagten Satz - „das kann ich auch” - etwas dran ist.
Um etwa im Fernsehen populär zu werden, sei es beispielsweise ratsam, Hemmungen und Scham-grenzen zu streichen und sich an Formaten wie „Bauer sucht Frau” oder Daniela Katzenberger als „hirntotes Körperwelten-Karussell” zu orientieren. Und auch die Volksmusik bekam ihr Fett weg. Denn direkt aus der Sicherungsverwahrung war „Hannibal Lecter” in die Altstadt gekommen, um im „Savoy” seinen neuen Hit „Ich hau dir ein Lächeln ins Gesicht” zu präsentieren. Der trockene Kommentar des Duos: „Jetzt wird er unter seinesgleichen verwahrt”.

Doch nicht nur die Fernsehwelt zogen Neumann und Dannhauer mächtig durch den Kakao, auch die Politik musste während der rund zweistündigen Premiere dran glauben. Binnen weniger Minuten hatten Neumann und Dannhauer das Altstadtlokal zum FDP Parteitag umfunktioniert und führten mit Parteichef Philipp Rösler ihren bisher schwierigsten Fall vor, dessen neuste Forderung nach „mehr Butter vom Netto” gut bei den „Delegierten” ankam.

Und während die Kanzlerin noch überlegte, ob sie lieber mit einem Regenschirm oder einem Rettungsschirm vor die Türe geht, feierten die beiden Aachener als Mitarbeiter der Ratingagentur „Standart and Poors” auf der Bühne eine ausgelassene „After-work-Rating-Party” und erklärten die Finanzkrise auf ihre Art und Weise. Grün sei in der Gesellschaft hingegen richtig „in”, waren sich die beiden schnell einig, was jedoch keineswegs bedeutete, dass das „neue grüne Lebensgefühl” nicht auch mit deftiger Politsatire bedacht wurde. Dabei zähle der Einkauf im Bio-Supermarkt mit dem spritfressenden Geländewagen genauso zu den grünen Widersprüchen wie auch das Fordern von Chancengleichheit, während die eigenen Kinder auf die Privatschule gingen.

Man könnte die Grünen nun also als „Fähnchen im verstrahlten Wind” verspotten, wäre da nicht die grüne Lichtgestalt des Jahres, Winfried Kretschmann, der mit seinen Kompromissvorschlägen in der Gesundheits- und Steuerpolitik, die Gäste im „Savoy” überzeugte. So viel politische Prominenz hatte es im „Savoy” wohl noch nie gegeben. Und auch wenn die gelungene Premiere von „Hoppla” das Ende des Kabarettprogramms in diesem Jahr markierte, verspricht Inhaberin Marita Matousek: „Anfang nächsten Jahres gehts weiter”.
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