Stolberg - EBV sichert den alten Schacht für die Zukunft

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EBV sichert den alten Schacht für die Zukunft

Von: Jürgen Lange
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Bohrungen im kleinen Garten: D
Bohrungen im kleinen Garten: Durch die 20 Löcher wird nun Zement in den alten Schacht verpresst und er so sicher für die Zukunft gemacht.

Stolberg. „Ich habe zuerst gedacht, da wollte uns ein windiger Vertreter über Ohr hauen”, erinnert sich Ursel Paizanos an den Anruf der EBV GmbH im vergangenen August. Doch als Thomas Hofmann und Karl-Heinz Bach als Vertreter des Eschweiler Bergwerk-Vereins in dem Familienhaus „Am großen Rad” Platz nahmen und erzählten, dass ein alter Stollen aus den Bergbauzeiten unter dem Haus verläuft, da wurde es Sotirios und Ursel Paizanos doch ein wenig mulmig zumute.

„Da haben meine Eltern nie von erzählt”, sagt Ursel Paizanos. Dabei hatte ihr Großvater, der Bauunternehmer Wejand, das Haus auf dem Eckgrundstück 1927 selbst gebaut.

Ein Blick in die betagten Bauzeichnungen war für das Ehepaar wenig erhellend. „In unseren Plänen verläuft der Schacht vor unserem Haus vorbei”, erklärt Sotirios Paizanos. „In den Kopien bei der Stadt steht unser Haus mitten auf dem Schacht.”

Das ist auch die Richtung, in der sich vom kleinen Vorgarten aus heute die Bohrer vorarbeiten. Denn der alte Schacht wird derzeit saniert. Es ist ein alter Pumpenschacht des früheren Bergwerks Birkengang. Das wurde Ende des 19. Jahrhunderts aufgegeben, und auch der Pumpenschacht am großen Rad wurde verfüllt. Üblicherweise mit Bergematerial, Kies und auch Bauschutt. Rund 90 Meter reicht der Schacht in die Tiefe, dessen Kopfloch einst 2 mal 3,5 Meter gemessen haben soll.

Als Rechtsnachfolgerin der ehemaligen Bergbaubetreiberin ist die EBV GmbH, obwohl sie sich heute eigentlich auf Immobiliengeschäfte konzentriert, weiterhin in der Verantwortung für ihre Hinterlassenschaften aus den früheren Abbauzeiten. Im Rahmen dieser Verantwortung werden freiwillig und sukzessive alle ehemaligen Schachtbauwerke auf ihren Zustand untersucht. Dabei wurden unter dem Hause Wejand zwar nicht wirklich Hohlräume entdeckt, aber der Zustand des verfüllten Schachtes kann verbessert werden. Das lässt die EBV derzeit von einem Fachunternehmen ausführen, das durch die etwa 20 abgetäuften Bohrlöcher im Laufe der kommenden Wochen eine Zementmischung verpresst. „Deutsche Gründlichkeit ist gut”, sagt Sotirios Paizanos dazu. Und auch Ehefrau Ursel ist erleichtert, dass der Schacht jetzt saniert wird. „Ich fühle mich sehr sicher”. Ein dickes Lob gilt auch den Bauarbeitern, die ihrer Tätigkeit so rücksichtsvoll wie möglich nachgehen würden.

Nur einmal hats gerappelt

„Nur einmal war es doch merkwürdig”, schmunzeln die Paizanos. Da vibrierte plötzlich eine Wasserflasche auf dem Tisch - obwohl gar keine Bohrarbeiten erfolgten. „Die Arbeiter waren sofort da und haben sich um die Sache gekümmert”. Die Lösung war schnell gefunden und hatte mit dem Schacht nichts zu tun: „Wir hatten einfach zu viel Durchzug gemacht”, lacht Ursel Paizanos. Nur eins stört das Ehepaar derzeit ein wenig. Bei schönem Wetter kann es den kleinen Garten nicht nutzen, und darunter leidet vor allem die junge Dackeldame der Beiden. „Aber nach Abschluss der Arbeiten wird die EBV den Garten wieder herrichten”, sind die Stolberger zuversichtlich, dass er dann schöner aussehen wird, als er zuvor gewesen ist.

Sorgen um ihr Haus macht sich das Ehepaar auch nicht. Es wurde vermessen und mit Bolzen markiert. Ständig wird gemessen, ob sich das Gebäude durch die Arbeiten bewegt. „Aber es steht bis jetzt felsenfest”, und durch die Bohrtätigkeit fühlt sich das Ehepaar auch gar nicht im Tagesablauf gestört.

„Die Maßnahme erfolgt, ohne dass eine konkrete Gefährdung vorliegt”, erklärt Karl-Heinz Bach, der Projektleiter der EBV. Erst seit den 1980er Jahren aufgegebene Schächte verfügen nachweislich über eine dauerstandsichere Vefüllung. Weil aber der so genannte „Eulenschacht” am großen Rad früher verfüllt wurde, wird seine Standsicherheit nun optimiert und für die Zukunft gesichert. Dabei werde die vorhandene Lockermassen-Verfüllung durch Zementinjektionen verfestigt. „Die Arbeiten erfolgen in Abstimmung mit der Stadt sowie den Grundeigentümern und wird von einem anerkannten Bergbaugutachter begleitet und geleitet”, betont Bach.

Auch weitere frühere Standorte der EBV im Stadtgebiet werden in der näheren Zukunft untersucht und gegebenenfalls saniert, erklärte der Fachbereichsleiter Andreas Pickhardt auf Anfrage. Die EBV habe die Stadt über ihr Vorgehen informiert. Im Wesentlichen handele es sich dabei um privatrechtliche Angelegenheiten zwischen EBV und Eigentümern.
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