Durch Widerstand den Neonazis die Lust vermiesen

Von: Esther Kellen
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Interessanter Vortrag: Richard Gebhard diskutiert mit Mitgliedern der Jungen Union und ihren Gästen über die Neonazi-Szene. Foto: E. Kellen

Stolberg. Eine geschlossene Gemeinschaft mit den gleichen Zielen sind die Nazi-Organisationen in Deutschland nicht, ist Richard Gebhard, Publizist und Dozent der RWTH Aachen, sicher. Ihre Stärke beziehen die Neonazis seiner Meinung nach daraus, dass sie trotz aller Unterschiede gemeinsam auf der Straße erscheinen und so ein Bild vermitteln, das es eigentlich gar nicht gibt.

„Nationalisten auf dem Vormarsch: Was sie wirklich wollen. Und wie wir sie aufhalten können”, so lautete der Vortrag, den der Politologe auf Einladung der Jungen Union Stolberg im Vichter Landhaus hielt.

Groß war die Anteilnahme, denn angesichts der kommenden Ereignisse am 3. und 4. April wollten sich viele etwas genauer mit dem neuen braunen Spuk beschäftigen.

Konkret gebe es im Bereich Aachen, Düren und Heinsberg rund 170 Neonazis, die sich politisch engagieren. Dabei sind die so genannten Mitläufer nicht einbezogen.

Trotzdem warnt Gebhard davor, Stolberg als „Nazi-Hochburg” zu bezeichnen: „Das würde die tatsächlichen Hochburgen wie etwa Dresden und die Sächsische Schweiz in ein falsches Licht rücken.”

In Sachsen sei man zehn Mal mehr der Gefahr ausgesetzt, Opfer eines rassistischen Angriffs zu werden.

Die Relativierung des Neonazi-Potenzials Stolbergs solle jedoch keine Verharmlosung sein. „Stolberg ist schon ein sozialer Mobilisierungsraum für die Neonazis”, warnte Gebhard.

Es sei ermutigend für die verschiedenen Nazi-Gruppen, dass NPD und DVU im Stolberger Stadtrat vertreten sind. „Das ist nicht nur ein Problem in Stolberg, sondern Bundesweit.

Dadurch, dass die NPD als Partei durch öffentliche Gelder finanziert wird, hat sie auch Zulauf von Gruppen, die nicht mit der NPD harmonieren”, erklärte Gebhard.

So gebe es die „Kameradschaft Aachen Land”, eine militante Organisation, daneben die autonomen Nationalisten, die sich oft auch sozialistischer Symbolik bedienten.

„Das sehen die bürgerlichen Nazis natürlich nicht gerne, wenn die Autonomen mit geballter Sozialistenfaust durch die Straen ziehen”, sagte Gebhard nicht ohne Ironie.

Einen dritten Flügel bilden laut Gebhard die so genannten freien nationalistischen Kräfte. Allen gemeinsam sei jedoch das rassistische Weltbild, die Verherrlichung des dritten Reiches, der Wunsch nach Abschaffung der Demokratie.

Unterschätzen dürfe man die rassistischen Ressentiments in Deutschland nicht. Nach einer neuen Studie seien 14,4 Prozent der Jugendlichen „sehr Ausländerfeindlich”.

Immer mehr drängten die Neonazis in die Mitte der Gesellschaft. Sieben Prozent der Deutschen vertreten laut einer Studie ein rassistisches Weltbild.

Um den Vormarsch des Nationalismus zu stoppen, ist es laut Gebhard besonders wichtig, den Kult der Stärke, der gerne von den Neo-Nazis propagiert wird, zu entlarven.

„Viele Jugendliche langweilen sich schlicht.” Sie träumten von einem Heldentum, das ihnen die Nazis versprächen. „Wer sich aber einem Führer, einer Partei oder einer Volksgemeinschaft unterordnen will, der ist kein Held, sondern ein Mitläufer.”

Für Stolberg sei es nun wichtig, in breiter Masse zu zeigen, dass die Nazis in der Stadt unerwünscht sind.

„Auf lange Sicht zeigt sich, dass die Nazis die Lust verlieren, sich in einer Stadt anzusiedeln, in der ihr Widerstand von allen Seiten entgegen schlägt.”
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