Düren zapft das Wasser nun in Schevenhütte ab

Von: Jörg Abels
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Trinkwasser marsch: Ab sofort werden Düren und Teile von Merzenich aus der Wehebachtalsperre versorgt. Foto: Jörg Abels
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Cord Meyer (l.) und Heinrich Klocke vor der neuen Peltonturbine, mit der die Stadtwerke Düren in Obermaubach aus Wasserkraft Strom erzeugen.

Stolberg/Düren. Vom immer wieder bemühten Spruch vom „historischer Meilenstein“ dürften die wenigsten der rund 100.000 Dürener und Merzenicher am heimischen Wasserhahn etwas bemerkt haben. Seit dem 26. März stammt ihr Trinkwasser nicht mehr aus der „fließenden Welle“ der Rur, sondern zum größten Teil aus der Wehebachtalsperre.

Über die 13 Kilometer lange Wehebachleitung fließen jährlich 3,2 Millionen Kubikmeter Wasser aus Schevenhütte Richtung Obermaubach, um von dort ins städtische Netz eingespeist zu werden. „Das Wasser der Wehebachtalsperre ist anders als mittlerweile das Rurwasser von Natur aus sehr sauber und weich“, nannte Heinrich Klocke , Geschäftsführer der Stadtwerke Düren (SWD), den Hauptgrund für den kontrovers diskutierten, letztlich aber alternativlosen Strategiewechsel. Die Entnahme des Trinkwassers aus der Rur sei mit immer größeren mikrobiologischen, pharmazeutischen und landwirtschaftlich bedingten Risiken verbunden gewesen, die auch die Bezirksregierung Köln als Aufsichtsbehörde aufhorchen ließen, betonte Cord Meyer, der als Geschäftsführer der SWD-Tochter „Leitungspartner“ auch für das Wassernetz zuständig ist. Der niedrigere Härtegrad hat zudem positive ökologische und ökonomische Effekte.

Mindestens 30 Jahre lang wird Wehebachwasser nun nach Düren fließen. Solange läuft der Liefervertrag, den die Stadtwerke Düren schon vor zwei Jahren mit der Wassergewinnungs- und -aufbereitungsgesellschaft Nordeifel (WAG) geschlossen haben. „Damit ist die Versorgung der Bevölkerung für die nächsten Jahrzehnte gesichert“, sprach Meyer vom dritten großen Strategiewechsel in der Geschichte der Dürener Trinkwasserversorgung.

Der erste Meilenstein war der Start der zentralen Wasserversorgung am 25. Juli 1885 vom Wasserturm auf dem Annakirmesplatz aus, der zweite die Inbetriebnahme des Wasserwerks Obermaubach am 25. Januar 1957. Die dortige SWD-Außenstelle dient in Zukunft nur der Notversorgung, könnte mit Rurwasser einspringen, wenn andere Quellen versiegen. Sie ist aber auch Knotenpunkt der Transportleitungen und Sitz des SWD-Wasserlabors.

Die neue Trinkwasserstrategie der Stadtwerke Düren basiert auf einem Mix aus fünf Quellen. 3,2 Millionen Kubikmeter kommen aus der Wehebachtalsperre, 1,5 Millionen Kubikmeter aus der vollständig erneuerten Gewinnungsanlage an der Dr.-Overhues-Allee, 800.000 Kubikmeter aus dem im vergangenen Jahr modernisierten Wasserwerk bei Ellen und noch einmal 300.000 Kubikmeter vom Kreuzauer Wasserwerk Concordia.

Wenn der Wasserleitungszweckverband Langerwehe im kommenden Jahr den Bau einer aufwendigen Aufbereitungsanlage zur Grundwasserenthärtung abgeschlossen hat, wird zudem der Stadtteil Derichsweiler mit rund 100 000 Kubikmetern von dort versorgt. Zu diesem Zweck wird im Herbst noch eine Verbindungsleitung zwischen Schlich und Derichsweiler errichtet.

Insgesamt haben die Stadtwerke Dürener und 2,5 Millionen Euro in das neue Trinkwasserkonzept investiert. Dazu gehört auch die Nutzung der Wasserkraft. Mit dem hohen Druck, mit dem die Transportleitung von der Wehebachtalsperre das Wasser in Obermaubach abliefert, wird eine neu installierte Peltonturbine betrieben, die rund 160 Kilowatt Strom pro Stunden erzeugen soll. Diese Menge würde ausreichen, um rund 250 Haushalte mit Strom zu versorgen, wird aber vor allem benötigt, um das Wasser von Schevenhütte nach Obermaubach zu pumpen. Denn immerhin müssen auf der 13 Kilometer langen Strecke gut 130 Höhenmeter überwunden werden.

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