Drogenszene: Der Polizei sind Kurierfahrten „amtsbekannt”

Von: Jürgen Lange
Letzte Aktualisierung:

Stolberg. Das Krokodil steht nicht mehr an seinem Platz im Park Blankenberg; das Technische Betriebsamt hat das alte Spielgerät demontiert, das quasi zum Ladentisch eines schwunghaften Handels mit Drogen geworden war.

Vor einem Monat hatte die Kripo als Haupttatverdächtigen einen 55 Jahre alten Mann festgenommen. Einen schwunghaften Handel vor allem mit Marihuana insbesondere auch an minderjährige Schüler werfen die Ermittler dem Stolberger vor, der weiterhin in Untersuchungshaft sitzt, wie die Polizei auf Anfrage erklärte.

Derweil befindet sich eine 53-jährige mutmaßliche Komplizin weiterhin auf freiem Fuß, nachdem sie ebenfalls festgenommen worden und die Polizei in ihrer Wohnung in der Nähe des Parks Blankenberg nur geringe Mengen Marihuana gefunden hatte. Vor einem Monat erklärte die Kripo noch, dass die Ermittlungen weiterlaufen und sich auch auf mögliche Hintermänner des „Krokodil-Verkäufers” erstrecken.

Doch zugeschlagen haben die Ermittler des Kriminalkommissariats nicht. „Der Handel mit Drogen auch an Schüler geht unverändert weiter”, erklärte ein Zeuge gegenüber unserer Redaktion, benannte Namen, Wohnorte und Hintermänner. „Alles ein offenes Geheimnis”, sagte der Insider.

Harte Drogen werden demnach von zwei Deutschen auf dem Mühlener Markt und im Umfeld der Heinrich-Heimes-Brücke verkauft. Weiche Drogen in Büsbach im Umfeld zwischen Markt und Schule sowie in der Innenstadt, wobei weiterhin der Bereich Bastinsweiher eine zentrale Rolle spiele. „Nachdem die Komplizin freigelassen worden war, ging sie am nächsten Tag wieder ihren Geschäften nach”, sagte die Quelle. Mit einer Handtasche unter dem Arm spaziere sie zwischen Altstadt und Mühle, „man braucht sie nur anzusprechen, um die Drogen zu kaufen.”

„Äußerst arbeitsintensiv”

Benannt als „Hauptmann des Drogenhandels” wurde auch ein junger Mann Anfang 20, der eigentlich eine Jugendstrafe absitzen müsste. Auch seine Wohnung sei von der Polizei durchsucht worden. „Die haben aber nichts gefunden, weil sie nicht in den Kühlschrank geschaut haben”, sagte der Insider. Markant für den Hauptverdächtigen sei, dass er täglich über hundert Euro ausgebe - auch ohne einem Beruf auszuüben oder staatliche Unterstützung zu bekommen. Beschafft würden die Drogen übrigens im nahen Holland: Ein silberfarbener Opel sowie ein blauer Firmenkombi dienten dabei als Kurierfahrzeuge, behauptet der Informant.

Als „amtsbekannt” bezeichnete dazu die Polizei auf Anfrage die Tatsache, „dass es im gesamten Stadt- und Kreisgebiet - so auch in Stolberg - zu Drogenbeschaffungsfahrten in die Niederlande kommt”. Die Ermittler des Kriminalkommissariats 14 „begrüßen es außerordentlich, wenn sich Zeugen oder Betroffene bei ihnen melden und konkrete Angaben zu ihren Beobachtungen machen”.

Bei offensichtlichem oder auch weniger offensichtlichem Drogenhandel an Schulen würden bei einer Anzeigenerstattung Strafermittlungsverfahren eingeleitet und durchgeführt. Dies erfolge in der Regel in enger Absprache mit der Schulleitung und den Vertrauenslehrern, so die Erklärung der Kripo weiter. Letztendlich sei die Polizei aber auch hier auf aufmerksame Mitschüler, Eltern und Pädagogen angewiesen. Neben der Repression in Strafermittlungsverfahren finde durch das Kriminalkommissariat Vorbeugung an den Schulen aktive Drogenprävention statt.

Und zum konkreten Fall: „Das vorliegende Ermittlungsverfahren gegen den Beschuldigten und dessen näheres Umfeld hatte bereits Anfang September 2008 begonnen”, sagt die Polizei: „Es war für die operativen Kräfte äußerst arbeitsintensiv.”
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