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Drei Optionen für den Fortbestand der Förderschule Talstraße

Von: Michael Grobusch
Letzte Aktualisierung:
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Auch er wirbt für einen Erhalt der Förderschule Talstraße: Georg Hermanns.

Stolberg. Wie es mit der Förderschule Talstraße weitergehen wird, kann auch Georg Hermanns derzeit nicht sagen. Die laufende und sich intensivierende Diskussion zum Thema Inklusion und der umstrittene Entwurf zum „9. Schulrechtsänderungsgesetz“ in NRW sorgen auch beim Leiter der städtischen Förderschule für eine gewisse Ratlosigkeit. Tatenlosigkeit bedeutet das allerdings nicht.

Im Gegenteil: „Wir sind in Stolberg sehr gut aufgestellt, weil wir schon vor einigen Jahren gemeinsam mit den anderen Schulen den Weg der Inklusion eingeschlagen haben“, betont Hermanns und mahnt dazu, das Wesentliche nicht aus den Augen zu verlieren: „Was zählt, ist immer noch das einzelne Kind mit seinen Bedürfnissen.“

Den politischen Realitäten kann sich jedoch auch der engagierte Schulleiter nicht entziehen, und so präsentierte er jetzt im Schulausschuss die Szenarien, die sich aus seiner Sicht aufgrund der zu erwartenden gesetzlichen Vorgaben ergeben könnten. Dabei verwies er auf zwei wesentliche Eckpunkte, die in dem neuen Gesetzestext vorgesehen sind: Die Freiheit der Eltern bei der Wahl einer Schule für ihr Kind. Und die vorgeschriebenen Mindestschülerzahlen.

„Das Wahlrecht ist in der Städteregion eigentlich schon üblich“, verwies Hermanns auf die erfolgreiche „Pionierarbeit“ von Schulrat Norbert Greuel. Üblich ist im Grunde auch die Mindestschülerzahl von 144 für Verbundschulen, wie es die Stolberger Einrichtung mit ihren drei Förderschwerpunkten Lernen, Sprache und soziale und emotionale Entwicklung ist. Aber: „Bislang gab es einen Ausnahmeparagrafen, der es erlaubte, die Zahl um bis zu 50 Prozent zu unterschreiten. Dieser Paragraf fällt jetzt einfach weg“, moniert Georg Hermanns.

Für die Schule Talstraße hätte die Änderung, wenn es denn tatsächlich nach rein mathematischen Kriterien gehen sollte, absehbare Folgen. Zwar liegt die Schülerzahl aktuell noch bei 148, sie wird sich aber rückläufig entwickeln. „Für 2013/14 rechne ich mit 130 bis 135 Schülern. Und angesichts der Tatsache, dass uns noch drei starke Jahrgänge verlassen werden, ist der Trend eindeutig.“

Ebenso wie der Trend, dass immer häufiger Kinder mit einem sonderpädagogischen Förderbedarf im Bereich soziale und emotionale Entwicklung in Stolberg angemeldet werden. „Nächstes Jahr werden wir so etwas wie den Umkehrpunkt erreichen. Dann wird die Hälfte unserer Schülerschaft diesen Förderschwerpunkt haben“, berichtet Hermanns. Rund 50 Prozent dieser verhaltensauffälligen Schüler wiederum würden als „schwerstbehindert“ eingestuft. Die Lehrer-Schüler-Relation beträgt in solchen Fällen vier zu eins.

Die Beschränkung und Konzentration auf den Förderschwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung mit einer voraussichtlich deutlich geringeren Mindestgröße sieht Georg Hermanns denn auch als eine mögliche Option, wenn die Schule Talstraße vor der Schließung bewahrt werden soll. Für diese Variante spricht auch der Umstand, dass die beiden anderen Förderschwerpunkte, die die Einrichtung anbietet, in Zukunft nur noch als „Entwicklungsstörung“ eingestuft werden sollen.

Denkbar, wenn auch in den Plänen der Landesregierung bislang noch nicht konkretisiert, wäre auch die Umwandlung in einen „schulischen Lernort“. Dies würde bedeuten, dass die förderbedürftigen Schüler offiziell einer Regelschule zugeordnet und in der Talstraße nur temporär aufgenommen würden.

„Das hätte immerhin den Vorteil, dass man weg käme von Mindestgrößen und mehr Möglichkeiten hätte, diesen Kindern einen Schonraum zu bieten“, so Hermanns. Weniger Positives kann er der dritten Option abgewinnen: Zwar könnte durch den Zusammenschluss von Schulen in der Städteregion eine gewisse Größe gewährleistet werden. „Die Sache hat aber einen Haken: Inklusion bedeutet eigentlich Förderung vor Ort.“

Für diese, das unterstrichen alle Fraktionen im Schulausschuss, will sich die Politik in den nächsten Wochen und Monaten stark machen. Und auch der zuständige Fachbereichsleiter Willi Seyffarth bekräftigte für die Verwaltung: „Wir glauben an unsere gute Förderschule in Stolberg.“

Ob das in der Summe reichen wird, um den Standort dauerhaft zu sichern, bleibt abzuwarten. Voraussichtlich im frühen Herbst wird der Landtag mit der Abstimmung über das neue Gesetz Fakten schaffen. Bis dahin wird nicht nur in Stolberg die Ungewissheit bleiben.

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