Dorfwettbewerb: Bürger geben ihrer Heimat eine Zukunft

Von: Jürgen Lange
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Aus der Kupferstadt haben sich bisher Vicht (unser Bild), Breinig, Büsbach und Mausbach am Dorfwettbewerb beteiligt. Doch auch noch eine Reihe weiterer Ortschaften in der Kupferstadt sind geradezu prädestiniert, um mitzumachen und sich Foto: J. Lange
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Bei der Bereisung der Dörfer schaut die Jury so genau hin, wie hier Ruth Roelen und Hans Rosskamp. Foto: J. Lange

Stolberg. „Damit Zukunft passiert“, sagt Ruth Roelen plakativ. Das ist nicht nur der Slogan der Städteregion, sondern treffender kann man Engagament und Zielsetzung des Dorfwettbewerbs gar nicht beschreiben, meint die Leiterin des Amtes für regionale Entwicklung. Am Donnerstagabend hat sie im städteregionalen Ausschuss für Tourismus und Kultur das leicht modifizierte Konzept des nächsten Wettbewerbs „Unser Dorf hat Zukunft“ vorgestellt, der im kommenden Jahr in seine entscheidende Phase geht.

Längst hat dieses Ringen um eine nachhaltige Entwicklung im ländlichen Raum das Image des „Blümchenwettbewerb“, bei dem es vorrangig um Schönheit ging, abgelegt. „Heute geht es um die Zukunftsfähigkeit der Orte, um eine aktive Gemeinschaft im Dorf, um das Engagement der Bürger, um den Willen zur Gestaltung des eigenen Lebensumfeldes – und sicherlich auch noch um ein attraktives Dorfbild“, erklärt Roelen. Sie kann auf einen wachsenden Erfolg verweisen. „Mit 36 Teilnehmern war der Wettbewerb im Jahr 2011 der bisher erfolgreichste in der über 50-jährigen Geschichte“.

Teilnahme und Präsentation erfolge zunehmend engagierter und professioneller, bilanziert Roelen, die die Dörfer auch über den eigentlichen Wettbewerb hinaus betreut und berät. „Kontinuierlich werden in themenorientierten Werkstätten und Workshops Basis demokratisch Probleme diskutiert und nach Lösungsansätzen gesucht“, erklärt Roelen und verweist auf den Mehrwert, der für die engagierten Gemeinschaften entsteht: „Das Bewusstsein und die Sensibilität für die Belange der eigenen Heimat werden geschärft.“

Ein Ansatz, den beispielhaft auch Karl Lüttecke unterstreicht: „Die Teilnahme hat die Menschen in unserem Dorf und ihr Engagement für die Gemeinschaft gewürdigt“, sagt der Sprecher der IG Schönes Vicht. „Die wertvollen Anregungen haben wir gerne entgegen genommen“, verweist Lüttecke darauf, dass dank dieser Hinweise sich bereits von der ersten Teilnahme 2008 sehr viel in Vicht bewegt hat.

Damit das Interesse an einer Teilnahme an dem Dorfwettbewerb weiter wächst, damit es für die Bürger noch einfacher wird, sich mit den Anforderungen sowie Zielen auseinanderzusetzen und damit eine Aufbereitung der Jury-Ergebnisse noch detaillierter erfolgen kann, hat die Städteregion eine 60-seitige Broschüre erarbeitet, die am Donnerstag der interessierten Politik präsentiert wurde.

Übersichtlich, anschaulich und leicht verständlich informiert sie über den Dorfwettbewerb, zeigt Modifikationen auf und führt durch alle Schritte. Der erste wichtige Termin dabei ist der 31. März nächsten Jahres; dann endet die Anmeldefrist für die Teilnahme. Das Anmeldeformular liegt der Broschüre bei; falls noch erforderlich helfen Roelen und ihr Team gerne beim Ausfüllen. Der nächste wichtige Zeitraum liegt zwischen dem 1. und 12. September 2014, wenn die Jury die einzelnen Orte besucht. Am 13. September, das ist neu, werden auf einer gemeinsamen Veranstaltung die Ergebnisse präsentiert und die Sieger geehrt.

Wie bereits gewohnt ist die Städteregion in zwei Wettbewerbsgebiete aufgeteilt, um den regionalen Besonderheiten besser gerecht zu werden. Die Linie folgt der Grenze des Naturparks Hohes Venn / Eifel und verläuft wieder mitten durch Stolberg auf der Achse zwischen Mausbach, Vicht und Breinig im Süden sowie Walheim im Norden.

Wunderbar einfach lassen sich in der neuen Broschüre die sechs Bewertungsbereiche verfolgen, die anhand einzelner Fragestellungen mit Fallbeispielen und möglichen Maßnahmen aufwartet sowie dazu die jeweils erreichbare Punktzahl verrät.

Eckpunkte bei den Bereisungen werden wieder die Bewertungsbereiche „Konzeption und Umsetzung“ (maximal 25 Punkte), „Wirtschaftliche Entwicklung und Initiativen“ (15), „Soziales und kulturelles Leben“ (20), „Baugestaltung und Entwicklung“ (15), „Grüngestaltung und Entwicklung“ (15) sowie das „Dorf in der Landschaft“ (10) sein.

Stärker gewichtet wird diesmal die Konzeptionierung und Präsentation durch die Dorfgemeinschaften, erläutert Roelen, wobei den Dörfern bis zu 500 Einwohner 90, den größeren Orten 120 Minuten zur Verfügung stehen. Damit möchte die Städteregion das Engagement der Bürger, die Pflege des Gemeinsinns, Kreativität und die Beschäftigung der Menschen mit der zukünftigen Rolle ihres Lebensraums herausstellen – ganz unabhängig davon, auf welch unterschiedliche Ressourcen ein Dorf auch aufbauen kann.

Im Detail geht es dann etwa um die Beteiligung der Bürgerschaft, die Herausarbeitung von Stärken und Schwächen im Ort, über den Stand früherer Ideen und Pläne, oder aber auch um eine nachhaltige Energieversorgung und die Infrastruktur zur Daseinsvorsorge und Ansätze wie sie gestärkt und optimiert werden kann. Die Integration von Neubürgern, soziale Einrichtungen, Barrierefreiheit, kulturelle Angebote werden ebenso thematisiert wie eine typische Baukultur, Leerstand, Freiraumgestaltung oder Nutzgärten. Dabei geht der wesentliche Blick vor allem in die Zukunft, wie Stärken und Schwächen nachhaltig weiter verändert werden sollen.

„Olympischer Geist“

„Wesentlich ist, dass nicht jedes Dorf in allen Bewertungsbereichen gleich gut aufgestellt sein und damit punkten kann“, unterstreicht Ruth Roelen. Es werde individuelle Schwerpunkte geben, genauso wie es Bewertungsbereiche gebe, die weniger gut im eigenen Dorf vertreten sind. „Das liegt in der Natur der Sache. Das perfekte Dorf gibt es nicht und ist auch in keiner Weise Intention des Wettbewerbs.“ Aber durch die Teilnahme würden vorbildhafte Maßnahmen und Zukunftsprojekte reflektiert, gestärkt und dadurch nachhaltig gefestigt. „Der Blick von außen ist dabei stets eine Hilfe“, bilanziert Roelen. Und wer sich so viele Gedanken um die Gemeinschaft in seinem Dorf macht, wird auch belohnt.

Für die ersten drei Plätze werden 1500, 1250 und 1000 Euro sowie Sonderpreise vergeben. Alle übrigen teilnehmenden Orte erhalten eine mit 500 Euro dotierte Anerkennung. Außerdem weht eine gute Prise olympisches Geistes durch den Wettbewerb. „Dabeisein ist alles“, macht Ruth Roelen klar, denn anhand der Beschäftigung mit seinem Lebensumfeld und dank der Ratschläge der fachkundigen Jury wird „jede Ortschaft und ihre Bewohner von der Teilnahme am Dorfwettbewerb nur profitieren können.

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