Donnerberger Gesprächskreis: Perfektes Portfolio für alle Problemlagen

Von: Andreas Röchter
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Brachte den Zuhörern beim Donnerberger Gesprächskreis die Aufgaben einer Berufsfeuerwehr näher: Jürgen Wolff, Leiter der Feuerwehr Aachen. Foto: Andreas Röchter

Stolberg. Vom Brandschutz über Rettungsdienste und technische Hilfestellungen bis zu Tierrettungen - das Anforderungsprofil an die Feuerwehr ist hoch und vor allem vielseitig. Im Rahmen des Donnerberger Gesprächskreises referierte nun Jürgen Wolff, Leiter der Feuerwehr Aachen, vor zahlreichen Zuhörern im Offizierheim der Donnerberg-Kaserne zum Thema „Nichtpolizeiliche Gefahrenabwehr: Feuerschutz, Rettungsdienst und Katastrophenschutz - Aufgaben der Feuerwehr einer Stadt”.

„Wir hätten unsere Hausaufgaben nicht gemacht, wenn wir nicht in der Lage wären, jeder Rettungslage Herr zu werden”, setzt Jürgen Wolff hohe Maßstäbe an seine Arbeit und die seiner Kollegen. „Vorbereitet zu sein, ist dabei das A und O. Es gilt deshalb, alle möglichen Szenarien durch Planungen und Übungen abzuarbeiten”, so der gebürtige Eschweiler. Dass diese Zielsetzung nur durch Kooperationen umsetzbar ist, unterstreicht Jürgen Wolff ausdrücklich. „Wir sind als Feuerwehr Aachen nur so stark, wie wir uns von anderen Einheiten unterstützen lassen.”

Um alle Aufgaben überhaupt bewältigen zu können, müsse der Berufsfeuerwehrmann über ein „breites Portfolio” an Fähigkeiten verfügen. „Der klassische Feuerwehrmann bringt neben seiner Schulausbildung auch eine Berufsausbildung, den Gesellenbrief, mit. Dann erhält er Ausbildungen zum Rettungssanitäter, zum Feuerwehrmann, zum Rettungsassistenten sowie zum Berufskraftfahrer”, erläuterte der Referent, der nach seinem Bergbau-Studium, dass er an der RWTH Aachen und der McGill-University in Montreal absolvierte und in die Fußstapfen seines Vaters trat, der Leiter der Feuerwehr von Rhein-Braun war.

Wie breitgefächert die Anforderungen sind, erläuterte er dann an zahlreichen Beispielen, nicht zuletzt bei Sonderlagen wie dem Reitturnier CHIO. „Wir müssen auch zahlreiche unvorhersehbare Situationen in unsere Vorplanungen einbeziehen. Etwa den alleine stehenden Koffer oder die zunächst unbekannte weiße Substanz”, betonte der 48-Jährige. Bei Großveranstaltungen wie Konzerten bereiteten Überfüllungen und die Organisation von Zugangskontrollen zunehmend Probleme.

„Die Katastrophe bei der Love Parade am 24. Juli in Duisburg hat gezeigt, zu was ein solches Szenario führen kann”, erinnerte Jürgen Wolff. Ereignisse wie Brände im Klinikum in den Jahren 1995 und 1996 stellten unter Beweis, dass Vorkenntnisse, die bei Übungen erlangt worden seien, unabdingbar seien. „Wäre ein solches Szenario im Einsatz neu, wären wir mit Sicherheit überfordert”, machte der Branddirektor deutlich. Als weitere Einsatzbeispiele nannte er Explosionen, Bombenfunde, Bahnunfälle, Autobrände, Tierrettungen oder auch Einsätze im Zusammenhang mit dem Bergbau. Hinzu kommen regionsspezifische Aufgabenfelder.

„Durch die RWTH verfügt Aachen über einen hohen Grad von naturwissenschaftlichen Laboren, in denen chemische Substanzen lagern. So haben wir es relativ häufig mit Verpuffungen zu tun.” Der neu entstehende Campus Melaten West sei zusätzlich mit biologischen Laboratorien versehen. „Auch in dieser Hinsicht müssen wir uns auf Einsätze vorbereiten.”

Entscheidend bei jedem Einsatz sei, dass möglichst wenige Personen zu Schaden kommen, wobei auch immer der Eigenschutz eine wichtige Komponente darstellt. „Die schönsten Einsätze sind die, bei denen wir früh feststellen, dass niemand zu Schaden gekommen ist. Mit Sachschäden können wir schon mal leben”, erklärte Jürgen Wolff.

Abschließend wagte der Referent noch einen Blick in die Zukunft. „Viele Führungskräfte bringen heute nicht mehr das notwendige Maß an Sozialisierung mit und tun sich schwer, im Team zu arbeiten. Um die, die diese Fähigkeit mitbringen, wird es zwischen Polizei, Bundes- sowie Feuerwehr ein Ringen geben.”
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