Dieter Heinrichs: Gelber Transporter statt Rentier-Schlitten

Von: Dirk Müller
Letzte Aktualisierung:
Paketbote / Dieter Heinrichs
Was dem Weihnachtsmann sein Rentier-Schlitten, ist ihm der gelbe DHL-Transporter voller Päckchen und Geschenke: Paketzusteller Dieter Heinrichs hat derzeit Hochsaison.

Stolberg. „Hallo, Herr Heinrichs” und „guten Morgen, Dieter” rufen Menschen allen Alters dem Mann in der gelben Jacke freundlich zu, der geschäftig im Laufschritt über das glatte Kopfsteinpflaster des Steinwegs eilt. Dieter Heinrichs aus Zweifall fühlt sich ein bisschen wie der Nikolaus: Er ist Paket-Zusteller in der Stolberger Innenstadt.

Was dem Weihnachtsmann sein Rentier-Schlitten, ist ihm der gelbe DHL-Transporter voller Päckchen und Geschenke. Heinrichs hat Hochsaison, doch für Begrüßungen und ein nettes Wort zwischendurch nimmt er sich immer gerne die Zeit, die er durch seine schnelle Arbeitsweise gewinnt.

„Im Durchschnitt sind drei Minuten für eine Lieferung kalkuliert”, erklärt Heinrichs, die Sackkarre durch den tiefen Schnee vom Anlieferbereich in das Innere des Burgcenters ziehend. „Wenn ich aber erst parken und dann noch in den fünften Stock muss, sind drei Minuten Zustellzeit nicht zu realisieren. Deshalb ist es wichtig, mit System zu arbeiten.”

Dazu ist Ortskenntnis eine Voraussetzung, über die Heinrichs allemal verfügt. Der dienstälteste Zusteller der Kupferstadt beliefert private Haushalte und Geschäftskunden seit 32 Jahren und seit 18 Jahren auf der selben Tour in der Innenstadt Stolbergs.

Der 47-Jährige kennt sein Revier wie das Rentier seine Route, und das Zustellen beginnt für ihn bereits beim Einladen der Pakete kurz vor sieben Uhr in Aachen-Brand. „Wenn ich geladen habe, bin ich meine Tour geistig bereits einmal durchgegangen. Dann weiß ich schon, wo ich mit dem Fahrzeug halte und in welcher Reihenfolge die Kunden ihre Sendungen bekommen”, beschreibt Heinrichs das provisorische System.

Die Regale im Transporter hat er in verschiedene Abschnitte seines Reviers unterteilt, um flexibel auf die Situationen des Alltags reagieren zu können: „Sollte eine Straße wegen eines Unfalls nicht passierbar sein, beliefere ich zunächst einen anderen Teilabschnitt. Auch wenn ich merke, dass es mit den Öffnungszeiten von Praxen oder Büros knapp wird, ändere ich die Route, um alle Kunden bedienen zu können”, führt er aus und manövriert nebenbei seinen Transporter gelassen und sicher durch die enge, verwinkelte Klatterstraße, als wäre es ein Kleinwagen.

Schnee- und Eisglätte und damit einhergehendes Verkehrschaos sind für den Zusteller indes keine Probleme; er sieht widrige Witterungsbedingungen als Herausforderung an: „Ich genieße das volle Vertrauen meiner Kunden. Es ist daher selbstverständlich eine Ehrensache, dass ich zuverlässig bei Wind und Wetter liefere”, erläutert der Zweifaller sein Berufs-Credo, während er seine Sackkarre mit Zeitungsstapeln und schweren Kisten für das Stolberger Rathaus bepackt.

Kaum hat er das Verwaltungsgebäude betreten, spricht ihn eine junge Frau vertraut an: „Ich habe noch ein Päckchen, kommt das noch vor Heiligabend an?” Lächelnd entgegnet Heinrichs: „Aber klar!” und fügt augenzwinkernd hinzu, sicherheitshalber solle sie es vor 11.30 Uhr zur Post bringen.

Gut gelaunt steuert er eine seiner Lieblingsstationen an, wo Resi Krückel ihn bereits erwartet. Der leidenschaftlichen Sammlerin hat er fast 500 Nussknacker-Figuren zugestellt, doch heute hat sie auch ein Päckchen für ihn. „Mein lieber Dieter, vielen Dank und frohe Weihnachten”, begrüßt Krückel „ihren” Paketboten und überreicht ihm ein liebevoll verpacktes Fläschchen mit selbst gemachtem Eierlikör.

Von vielen Kunden bekommt er heute selbst ein Präsent, er hat zu ihnen mittlerweile ein persönliches Verhältnis. Heinrichs weiß, welche Pakete besonders erwartet werden, weil Teile der Verwandtschaft weiter weg wohnen, und was Großeltern oder Onkel und Tanten der Familie gerne zum Fest schicken.

„Ich sehe viele Leute mehrmals in der Woche und das über Jahre. Da kommt man natürlich ins Gespräch”, berichtet Heinrichs, während er schnellen Schrittes über den rutschigen Blaustein der Fußgängerzone gleitet. Er beliefert Kunden, von denen er weiß, dass sie nicht zu Hause sind, direkt in Büros, Praxen oder Läden, in denen sie arbeiten, damit sie ihre Sendungen nicht in der Post-Filiale abholen müssen.

Für sie und viele andere Stolberger ist er ein „gelber Weihnachts-Engel” - und deshalb macht ihm seine anstrengende Arbeit gerade im Advent Freude. „Für mich gibt es nichts schöneres, als strahlende Kinderaugen, die auf ein Weihnachtsgeschenk warten. Gerade die Kinder freuen sich unheimlich, wenn ich ihnen ein Paket bringe - ihr Glück ist meine Belohnung für einen harten Arbeitstag.”
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