Die „Stolberger Tafel” braucht dringend Hilfe

Von: Heike Eisenmenger
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Ohne die Unterstützung der „Tafel” kämen die meisten ihrer Kunden nicht über die Runden. Wer es nicht selbst zum Laden schafft, hat ein Problem, denn um die Einkäufe zu den Kranken bringen zu können, braucht der Verein weitere Helfer. Foto: H. Eisenmenger

Stolberg. Die Not wächst, und irgendwie müssen die Mitarbeiter der „Tafel” der Situation gerecht werden. Doch wie die Ehrenamtler es auch drehen und wenden - der Verein stößt an seine Leistungsgrenze. Darum werden jetzt dringend Helfer gesucht, die einmal in der Woche für kranke Tafel-Kunden in ihrer Nachbarschaft den Einkauf mitbringen.

Seit zehn Jahren versucht der Verein da zu helfen, wo unser Sozialsystem versagt. Der Verein lindert mit Lebensmitteln, die gegen einen kleinen Obolus an Bedürftige abgegeben werden, die ärgste Not. Die Nahrungsmittel spenden Firmen, die die Produkte wegen kleiner optischer Fehler aus dem Regal nehmen oder eben, weil sie kurz vor dem Verfallsdatum stehen.

1700 Bedürftige in Stolberg

Aktuell sind 1700 Stolberger Bürger auf den verbilligten Einkauf angewiesen, bilanziert der Vorsitzende Kurt Herpertz. Tendenz steigend. Eine ausgeklügelte Planung ist notwendig, um die großen Mengen an Nahrungsmitteln von den Supermärkten und Bäckereien abzuholen, und sie dann zum Tafel-Laden an der Eschweilerstraße zu bringen, wo das aussortiert wird, was für den Verkauf nicht mehr taugt.

„Von unseren 115 Ehrenamtlern sind allein 19 für den Fahrdienst eingeteilt”, berichtet der Vorsitzende. So viele Fahrer brauche man, um den einzelnen nicht zu überfordern, „zumal der Verein nur zwei Fahrzeuge hat, die beide ständig im Einsatz sind, um die Waren abzuholen.” Zusätzlich zu dieser Aufgabe muss das Fahrerteam das Ausliefern der Einkäufe an die Tafel-Kunden schultern, die aus eigener Kraft nicht die Einkaufskörbe vom Tafel-Lokal an der Eschweilerstraße nach Hause tragen können und auch niemanden in ihrem Bekanntenkreis haben, der sie fährt.

Das Ausliefern übersteigt in jeder Beziehung die Vereinskapazitäten. „Es sind zurzeit 24 Kunden, die wir beliefern. Tatsächlich aber sind es weit über 50, die diese Hilfe nötig hätten”, stellt Wilma Gier vom Vorstand klar. „Um diese Aufgabe stemmen zu können, haben wir nicht genügend Fahrer und auch zu wenige Fahrzeuge.” Somit werden nur die dringlichsten Fälle beliefert.

Schaffen könne die Tafel das Pensum mit erhöhter Schlagzahl nur, wenn zusätzliche Helfer sich bereit erklären würden, einmal in der Woche im Ladenlokal vorbeizuschauen, um den Einkauf für einen oder zwei kranke Kunden, die in der Nähe wohnen, mitzunehmen. Gier: „Für den einzelnen ist der Aufwand nicht groß, aber für den Tafel-Kunden, der sonst keine Lebensmittel bekommt, bedeutet diese Hilfe viel.”

Der Vorstand hat bereits überlegt, wie er das „Nachbarschafts-Fahrer-Projekt” auf organisatorischer Ebene umsetzt. „Wir orientieren uns am Beispiel anderer Tafeln”, erklärt Herpertz. „Diese Vereine schließen an einem Tag in der Woche, um dann die Einkäufe für die kranken Kunden zusammenzustellen. Die Erfahrung hat wohl bereits gezeigt, dass die Belastung viel zu groß wird, wenn es so weitergehen würde.”

Bei der Auswahl der Kunden, die ihre Einkäufe gebracht bekommen, achtet der Vorstand genau darauf, dass nur diejenigen auf die Liste gesetzt werden, die tatsächlich nicht mehr dazu imstande sind, den Einkauf selbst zu tätigen. Versuche, das Hilfsangebot auszunutzen, gibt es natürlich auch gelegentlich. „Zu uns kam eine Frau, die erklärte, ihre Einkäufe nicht selber abholen zu können, weil sie auf ihre fünf Kinder aufpassen muss”, erzählt Herpertz. „So viel Dreistigkeit ärgert einen natürlich schon”, gesteht der Vorsitzende, aber die vielen positiven Erlebnisse überwiegen.

Seine Kollegin Wilma Gier nickt: „Da ist zum Beispiel der Mann, der nur noch mit einem mobilen Sauerstoffgerät seine Wohnung verlassen kann, der aber dennoch das Angebot, die Lebensmittel geliefert zu bekommen, dankend ablehnte, weil er es ja noch bis hierher schaffen würde.”

„Die viele Arbeit lohnt sich”

Herpertz motiviert vor allem die Gewissheit, dass er das Richtige tue: „Unsere Kunden sind wirklich auf die Lebensmittel der Tafel angewiesen. Sie sind dankbar dafür und diesen Leuten zu helfen, lohnt die viele Arbeit allemal.”

Die Tafel sucht einen Nachbarschaftsfahrer

„Nachbarschafts-Fahrer” gesucht: Wer bereit ist, für die „Stolberger Tafel” Lebensmittel-Einkäufe an kranke Kunden in seiner Nachbarschaft mitzunehmen, kann sich unter Tel. 86 04 21 sowie per E-Mail: stolbergertafel@netcolgne.de an den Vorstand der Stolberger Tafel wenden.

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