Die Jugendlichen zieht es auf die Straße

Von: Michael Grobusch
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Auch mit dem Bau von Pavillons - hier in Münsterbusch - reagiert die Stadt auf die veränderten Bedürfnisse von Jugendlichen. Foto: M. Grobusch

Stolberg. Die Gesellschaft verändert sich rasant. Das stellt vor allem diejenigen vor große Herausforderungen, die mit Kindern und Jugendlichen zu tun haben. Die Mitarbeiter des Stolberger Jugendamtes können ein Lied davon singen.

Und sie wissen auch davon zu berichten, dass ihre Konzeptionen auf die gesellschaftlichen Entwicklungen abgestimmt werden müssen. Bei Willi Seyffarth laufen sie damit offene Türen ein. Der Fachbereichsleiter hat klare Vorstellungen davon, wie die Jugendarbeit in Stolberg zukünftig aussehen soll. Mobilität und Flexibilität sind zentrale Begriffe. Der Ansatz der aufsuchenden Jugendarbeit setzt sich immer mehr durch.

„Ein großer Teil der Stolberger Kinder und Jugendlichen werden alleine durch die vorhandenen Betriebsstrukturen der offenen Einrichtungen nicht mehr erreicht”, stellt Seyffarth fest. Fachleute sprechen von einer schwindenden „Komm-Struktur”, die sich dadurch bemerkbar macht, dass die Jugendtreffs im Stadtgebiet weniger und deutlich unregelmäßiger frequentiert werden.

Das, so der Fachbereichsleiter, liege unter anderem daran, dass junge Menschen zielgerichteter die Angebote der Einrichtungen nutzen würden. Doch nicht nur das ist von Bedeutung. „Zunehmend spielt sich das Freizeitverhalten von Jugendcliquen an informellen Treffpunkten und an öffentlichen Plätzen ab”, weiß Seyffarth. Jugendliche ziehe es immer öfter auf die Straße, und dorthin, so der Grundgedanke, müssten die Kollegen des Jugendamtes ihnen folgen.

Personelle Aufstockung?

„Aufsuchende Jugendarbeit” lautet das Gebot der Stunde, auf das sich die Stadt Stolberg seit 2007 einzustellen versucht. Mit der Schaffung der Stelle eines mobilen Jugendarbeiters wurde damals ein wichtiger Schritt gemacht, mit dem Einsatz des Jugendbusses seit dem vergangenen Sommer ein weiterer. Auch der Bau von Jugendpavillons trägt dem veränderten Aufenthaltsverhalten vieler junger Menschen Rechnung.

Dabei soll es aber nicht bleiben. Auch wenn von der im Rat beschlossenen Aufstockung des Jugendamtes vorerst nur der Allgemeine Soziale Dienst (ASD) mit fünf zusätzlichen Stellen profitieren wird, behalten die konzeptionellen Planungen des Fachamtes ihre Gültigkeit.

„In Stolberg gibt es ein hohes Maß an Kooperation und Engagement von ehrenamtlichen Kräften. Die Angebote werden aber mittelfristig nicht ausreichend sein, um eine flächendeckende Jugendhilfe zu gewährleisten und dem Strukturwandel einer sich verändernden Jugendkultur adäquat begegnen zu können”, mahnt Willi Seyffarth.

Auf drei starke Säulen will er die kommunale Jugendarbeit stellen: die offene Jugendarbeit in den Einrichtungen, die mobile Jugendarbeit auf der Straße und eine Koordinationsstelle für die zentrale Jugendförderung. Der Prävention soll in allen drei Bereichen ein großer Platz eingeräumt werden.

Die mobile Arbeit soll weiter verstärkt werden - auch personell, wenn die Politik dem denn im kommenden Jahr zustimmen wird. „Zur Sicherstellung der umfangreichen Aufgaben in der präventiven Arbeit ist es zwingend erforderlich, entsprechende personelle Kapazitäten vorzuhalten”, hatte Seyffarth bereits in seiner Vorlage zur Jugendhilfeausschuss-Sitzung am 17. Juni erklärt.

Der später auf Verlangen der Politik vorgelegte Stufenplan sieht die Umsetzung dieses Punktes nun erst für die kommenden Jahre vor. „Damit erreichen wir leider zunächst nicht die erhoffte Qualität”, bedauert Willi Seyffarth. Betroffen von der Verschiebung sind unter anderem zwei Halbtagsstellen für die zentrale Jugendförderung und -Planung, ein weiterer mobiler Jugendsozialarbeiter und ein Springer für die städtischen Jugendtreffs.

Diese sollen aber auch ohne weiteres Personal anders aufgestellt werden. „Ein wie bisher praktiziertes Konzept mit Einzelkämpferinnen hat sich nicht dauerhaft bewährt”, stellt Seyffarth fest. Im Zuge der geplanten Umstrukturierung sollen die Fachkräfte nun in einem Team zusammengeführt werden. „Dabei bietet es sich an, als Basis die zentrale Einrichtung Westside auf der Mühle zu nutzen”, so der Fachbereichsleiter.

Von dort aus soll ein möglichst vielfältiges und zugleich flächendeckendes Angebot in den Stadtteilen koordiniert werden. Konkret betrifft das die Jugendtreffs „Remember” (Breinigerberg) und „Jam” (Büsbach) sowie den Kindertreff Münsterbusch. In allen drei Einrichtungen soll es zudem eine verstärkte Kooperation mit freien Trägern, Verbänden und Schulen geben.

Dass die Treffs durch einen weiter anhaltenden Trend in Richtung Straße grundsätzlich in Frage gestellt werden könnten, sieht Willi Seyffarth nicht. „Dort werden nach wie vor wesentliche Beiträge zur Sozialisierung von Kindern und Jugendlichen geleistet.”
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