Die Jugendarbeit bewegt sich auf dem Erfolgspfad

Von: Michael Grobusch
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Erfolgreiches Pilotprojekt mit Beteiligung verschiedener Netzwerkpartner: der Jugendtreffpunkt in Münsterbusch. Foto: M. Grobusch

Stolberg. Natürlich muss in diesen frostigen Tagen auch der Jugendbus dem Winterwetter Tribut zollen. Vielen Jugendlichen im Stadtgebiet wird er fehlen, denn das umgebaute Gefährt hat sich als Angebot vor Ort seit seiner Inbetriebnahme im Juli 2009 etabliert.

„Wenn ich auf die vergangenen sieben Jahre zurückblicke, kann ich feststellen, dass sich unheimlich viel getan hat”, stellt Bürgermeister Ferdi Gatzweiler der Jugendarbeit ein sehr gutes Zeugnis aus.

Der Jugendbus ist in diesem Zusammenhang nicht nur ein Vorzeigeprojekt, er ist zugleich auch Inbegriff eines veränderten konzeptionellen Ansatzes, den Fachleute als Trend weg von der institutionellen und hin zu der aufsuchenden Arbeit beschreiben. Die Jugendarbeit ist nicht nur dank des Busses mobiler geworden, sondern hat sich vielmehr gänzlich anders ausgerichtet. Heute spricht Sozialarbeiter Frank Döhla ganz selbstverständlich von Sozialräumen und Sozialraumteams, berichtet von informellen Treffpunkten, an denen junge Menschen eines Stadtteils zusammenkommen.

Und er kann auf zahlreiche Aktionen verweisen, die den Jugendlichen in ihrem unmittelbaren persönlichen und familiären Umfeld angeboten werden. Noch ein Begriff fällt häufig, wenn man den Mann für die Jugend auf seine tägliche Arbeit anspricht: Netzwerke.

„Wir kümmern uns als Stadt nicht alleine um die Jugend, sondern können auf verlässliche Partner bauen”, betont Döhla. Dazu gehören die freien Träger mit ihren Angeboten und Einrichtungen ebenso wie der Arbeitskreis Jugendarbeit, die Jugendberatungsstelle und die Jugendberufshilfe. Zudem wird immer öfter auch der Kontakt zu den Schulen gesucht.

Was bei einem solch breiten Bündnis entstehen kann, lässt sich an einem Pilotprojekt in der Münsterbuscher Heinrichstraße ablesen. Dort planten und bauten Jugendliche aus dem Stadtteil mit der Unterstützung von angehenden Zimmerleuten des Berufskollegs einen Jugendtreffpunkt, der im Sommer nach zweijährigen gemeinschaftlichen Bemühungen eingeweiht wurde.

Der Treff ist Ergebnis der sogenannten „gruppen- und cliquenorientierten Sozialarbeit”, die als eine der drei wesentlichen Säulen gilt, auf der die mobile Sozialarbeit der Stadt Stolberg ruht. „Wir wollen den Jugendlichen Aktionen und erlebnispädagogische Projekte bieten und ums um die Schaffung oder Bereitstellung von Räumen bemühen”, nennt Frank Döhla wichtige Aspekte. Mit dem Engagement soll Langeweile, Perspektivlosigkeit, Straffälligkeit und Drogenkonsum entgegengewirkt werden.

Die Gemeinwesenarbeit als zweite Säule stellt den generationsübergreifenden Ansatz in den Mittelpunkt. Sie reicht von der Begegnung zwischen älteren und jüngeren Menschen zur Schlichtung oder zum besseren Kennenlernen bis hin zu konkreten Projekten, bei denen die Jugendlichen mitbestimmen und mitwirken können. Die Schaffung von Jugendtreffs, wie sie neben Münsterbusch inzwischen auch auf dem Donnerberg, in Mausbach, in Gressenich und in der Velau existieren, sind auch Ergebnisse dieser Arbeit.

Nicht zuletzt setzt die Jugendarbeit auch auf die Einzelfallhilfe. „Kostenlos, unmittelbar und unbürokratisch” sei diese Hilfe, und auf Wunsch auch anonym, betont Döhla.

„Erfolgsmodell” Spielplatzpaten

Ganz persönlich engagieren sich hingegen die Spielplatzpaten. Sie begehen regelmäßig das jeweilige Gelände, befreien es von leichteren Verunreinigungen und schlichten im Falle von Konflikten zwischen den unterschiedlichen Nutzern. Ferdi Gatzweiler spricht von einem „Erfolgsmodell” und freut sich darauf, dass an einigen Standorten für das kommende Jahr sogar Feste geplant sind, um den Spielplatz als Ort der Begegnung im Sozialraum weiter zu stärken.

Unterstützt werden die Paten von den insgesamt sechs Sozialraumteams, die sich jeweils aus Vertretern der Polizei und der Jugendarbeit zusammensetzen. Auch hier haben der partnerschaftliche Umgang, die Vereinbarkeit verschiedener Interessen und der regelmäßige Dialog hohe Prioritäten.

„Wir sind auf einem guten Weg”, fasst Josef Offergeld die aktuelle Lage in Stolberg zusammen. Und dieser Weg soll weiter beschritten werden. Damit verbunden wird auch eine nochmalige personelle Stärkung des Jugendamtes sein. „Darüber werden wir 2011 mit der Politik sprechen”, kündigt der städtische Jugendpfleger an. Neben dem eigenen Erfahrungsschatz hat er unter anderem mit dem Bericht der Gemeindeprüfungsanstalt ein stichhaltiges Argument zu bieten.

Diese hatte im Frühsommer die Aufstockung des Jugendamtes um insgesamt 13,5 Stellen gefordert. Eine davon würde auf einen zusätzlichen mobilen Jugendarbeiter entfallen. Frank Döhla käme das sehr entgegen. Denn trotz aller Erfolge ist er überzeugt: „Wenn wir dauerhafte Erfolge erzielen wollen, müssen wir unsere Arbeit vor Ort weiter intensivieren.”

Jugendbus: Nach einem halben Jahr geht es zum nächsten Standort

Das Konzept des Jugendamtes sieht vor, dass der Jugendbus kontinuierlich für mindestens ein halbes Jahr an einem Standort eingesetzt wird. „Nach der Kennenlernphase werden die jugendrelevanten Bedarfe ermittelt, Vorschläge unterbreitet und gemeinsame Ziele erarbeitet”, erläutert Frank Döhla das grundsätzliche Vorgehen. Sind diese Ziele erreicht, wird der Bus an einem neuen Stamdort eingesetzt.

24 potenzielle Standorte hat die Stadt ermittelt. Sie müssen unter anderem über einen befestigten Untergrund verfügen, Zugang zu sanitären Einrichtungen bieten und mindestens 30 Meter von der Wohnbebauung entfernt sein.

Bis Ende April 2011 sollen - mit Ausnahme der derzeitigen Winterpause - folgende Einsatzorte angesteuert werden: montags Schulhof Propst-Grüber-Hauptschule, dienstags Schulhof Grundschule Atsch, mittwochs Schulhof Realschule Mausbach, donnerstags Schulhof Grundschule Prämienstraße, freitags an der Sporthalle Stefanstraße in Breinig. Genutzt werden kann der Bus jeweils von 16 bis 21 Uhr.

Zum Team des Jugendbusses gehören neben Frank Döhla als mobilem Jugendsozialarbeiter drei städtische Fachangestellte (mit jeweils sieben Stunden Stellenanteil), drei Honorarkräfte, ein Schulsozialarbeiter der Probst-Grüber-Schule, zwei Jugendsozialarbeiter der Evangelischen Kirchengemeinde Stolberg sowie zwei ehrenamtlich tätige Busfahrer.

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