Stolberg - „Die Innenstadt hat einfach keine Lobby”

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„Die Innenstadt hat einfach keine Lobby”

Von: Robert Flader
Letzte Aktualisierung:
„Wie viele Städte haben scho
„Wie viele Städte haben schon einen Weiher?” Der Bastinsweiher soll nicht nur Enten zum Verweilen einladen - doch der Stadt fehlt es für eine Umgestaltung an Geld. Und: Die ausufernde Vermüllung bereitet Sorgen.

Stolberg. Die Altstadt, natürlich. Vielleicht ist das schmucke Viertel rund um die Burg das Vorzeigeobjekt, wenn es um die architektonische Attraktivität der Stadt geht. Bürgermeister Ferdi Gatzweiler jedenfalls, der gerne und häufig entlang der Burgstraße flaniert, spricht über das städtische Erscheinungsbild, die Gestaltungsmöglichkeiten in Zeiten des Stärkungspakts - und die zunehmende Müllproblematik.

Herr Bürgermeister, Hand aufs Herz und bitte keine Neutralität als Stadtoberhaupt: Welche Ecke ist für Sie die schönste in Stolberg?

Gatzweiler: Das ist ganz klar die Altstadt. Keine Frage, ich liebe meine Heimatstadt, aber diese Stelle ist schon speziell und richtig schön aufgepeppt worden. Wir haben, und das wissen gar nicht so viele Leute, auch viele und schöne Waldflächen, tolle Naherholungsgebiete. Aber das Hauptaugenmerk liegt ganz klar auf der Innenstadt, dafür werben wir schließlich auch.

Welche Stellen sind stattdessen weniger attraktiv und werfen sprichwörtlich ein schlechtes Bild auf die Stadt?

Gatzweiler: Wir haben natürlich die ein oder andere Industriebrache im Umfeld, wenn man in Stolberg reinfährt. Rund um den Bahnhof zum Beispiel, das war vor ein paar Jahren noch ein fürchterlicher Fleck, Gott sei Dank ist das alles gemacht worden.

Der Steinweg ist ein weiteres Sorgenkind.

Gatzweiler: Diese Ecke ist furchtbar, und Leerstand gefällt grundsätzlich niemandem. Und trotzdem muss man sich darüber im Klaren sein, dass dort nie mehr die Fußgängerzone der 80er Jahre entstehen wird.

Gibt es ungenutzte Potenziale, die auf den ersten Blick vielleicht gar nicht auffallen?

Gatzweiler: Denken Sie nur an den Vichtbach. Ja, wir verstecken unseren Bach, wir zeigen ihn nicht.

Was kann man da tun?

Gatzweiler: Auch das ist eine Frage des Geldes, aber möglicherweise kann man ihn an bestimmten Stellen zugänglich machen. Und wie viele Kommunen können von sich behaupten, einen Weiher mitten in der Stadt zu haben?

Aber auch der lädt aktuell nicht gerade zum Verweilen ein.

Gatzweiler: Richtig, auch da müsste man was machen, den Vorraum zum Beispiel städtebaulich entwickeln. Es gibt Stolberger, die den Bastinsweiher „Bah-stinkt-Weiher” nennen. Ich denke, das sagt eigentlich alles.

Auch hier dürfte jede gute Idee im Moment am Geld scheitern

Gatzweiler: Deswegen können wir das auch alles erst mittelfristig in Angriff nehmen, aber Projekte eben schon jetzt im Auge haben. Das Gleiche gilt für die Grünanlagen im Stadtgebiet.

Wie ist es um die bestellt?

Gatzweiler: Es gibt nichts Schlimmeres als ungepflegte Grünanlagen. Im Laufe der Jahre wurde wirklich viel geschaffen, aber kaum einer hat sich Gedanken über die Unterhaltung gemacht. Im Stärkungspakt ist zum Beispiel festgelegt, dass bei der Pflege keine Fremdunternehmen in Betracht gezogen werden dürfen. Ob das gut ist, darüber lässt sich streiten.

Wo würden Sie Stolberg rein optisch im städteregionalen Vergleich ansiedeln?

Gatzweiler: Das ist schwer zu beantworten, weil jede Stadt Eigenheiten hat, die sich nicht vergleichen lassen. Wenn ich aber ein Ranking aufstellen müsste, dann würde ich Stolberg im Mittelfeld ansiedeln.

Müll und Schmutz tun ihr Übriges zum durchwachsenen Erscheinungsbild.

Gatzweiler: Ein großes Problem, das gelöst werden muss. Die Sauberkeit der Stadt können wir grundsätzlich garantieren. Die Instandhaltung aber wird immer schwieriger, die Vermüllung nimmt immer mehr zu.

Woran liegt das?

Gatzweiler: Wo Müll liegt, kommt zwangsläufig immer mehr Müll dazu. Dieses Phänomen kann man an Glascontainern beobachten, aber leider auch rund um Altkleidercontainer. Es ist ein Kreisel, in den wir da geraten.

Welche Optionen hat die Stadt?

Gatzweiler: Nun, der Bauhof tut schon sein Möglichstes, um Herr der Lage zu bleiben, und hat 2011 allein 560 Tonnen Müll entsorgt. Die personellen Ressourcen sind aber natürlich auch begrenzt.

Müssen die Bürger stärker in die Pflicht genommen werden?

Gatzweiler: Man muss in der Tat immer und immer wieder an die Leute appellieren, es findet leider ein gesellschaftlicher Wandel statt, dass Leute hemmungsloser werden und ihren Müll irgendwo, nur nicht an den dafür vorgesehenen Stellen, entsorgen. Aber es gibt auch positive Beispiele.

Die Pflege des Grado-Parks?

Gatzweiler: Ja, da zeigt sich, was bürgerschaftliches Engagement wert ist. So etwas gibt es auch an anderen Stellen in der Stadt, wo Anwohner mit anpacken und ihre Straße, ihre Beete, ihr Viertel sauber und attraktiv halten.

Das dürfte aus städtischer Sicht aber kaum ausreichen.

Gatzweiler: In der Tat nicht. Aber uns sind durch das Stärkungspaket schlicht und einfach die Hände gebunden, als dass wir jetzt personell aufstocken und viele neue Projekte anstoßen könnten.

Stadtpflege ist auch in anderen Kommunen ein schwieriges Thema. Wie sieht - wenn es sie denn gibt - die langfristige Strategie aus?

Gatzweiler: Wir müssen da mehr oder weniger zweigleisig fahren. Neue öffentliche Anlagen müssen so konzipiert werden, dass der Pflegeaufwand von vornherein geringer ist. Alte bzw. schon bestehende Anlagen hingegen müssen hier und da umgestaltet werden, so dass hier ebenfalls die Unterhaltung nicht mehr ganz so schwer fällt. Am Parkplatz Krone liegen zum Beispiel Steine, die vielleicht nicht superschön sind, wo aber die Unterhaltung leichter fällt. Hinzu kommt aber noch etwas anderes.

Was denn?

Gatzweiler: Die Bürger wissen ja oft nicht, wer was genau pflegen muss. Es gibt Kreis- und Landesstraßen, wofür neben einer Kommune natürlich auch der Landesbetrieb zuständig ist. Aber auch dort sind die Kapazitäten begrenzt. Wobei das natürlich nicht als Ausrede gelten darf.

Braucht die Innenstadt möglicherweise einen Strukturwandel?

Gatzweiler: Die Innenstadt als Ganzes hat einfach keine Lobby, darüber muss man sich einfach klar sein. Auch eine wirkliche Verbundenheit existiert nicht. Vielleicht hilft irgendwann einmal eine andere Art der Bewohnerstruktur unter dem Konzept „Wohnen im Alter”, denn in der Innenstadt haben wir mit Arztpraxen, dem Krankenhaus, Tagespflegeeinrichtungen und Apotheken wirklich alles. Aber auch hier gilt: Die Zeit muss das alles zeigen.
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