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Die große Marie verabschiedet sich nach 20 Jahren

Von: Dirk Müller
Letzte Aktualisierung:
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Die große Marie der KG Echte Frönde, Stefanie Müller, beendet nach zwei Jahrzehnten ihre karnevalistischer Tanzkarriere. Foto: D. Müller

Stolberg. Die große Frühschoppensitzung der Karnevalsgesellschaft Echte Frönde steht am Sonntag mit einem mehr als fünfstündigen Programm ganz im Zeichen des rheinischen Brauchtums und des närrischen Frohsinns – und auch ein wenig im Zeichen eines Abschieds. Ein letztes Mal wird Stefanie Müller bei einer großen Veranstaltung der KG ins Rampenlicht treten und das Publikum mit ihrem ansprechenden Mariechentanz erfreuen.

Zwei Jahrzehnte lang wirbelte die 26-Jährige über die karnevalistischen Bühnen der Region, zwölf Jahre allein für die Echten Frönde. Über ihren Werdegang, ihre Abschiedssession und die Zukunft sprach Dirk Müller mit ihr.

Wie hat Ihre karnevalistische Bühnenkarriere begonnen?

Müller: In der Session 1992/1993 fing ich in der Prinzengilde Eschweiler-Bergrath mit Garde- und Showtanz parallel an. Mein Wunsch war es aber, Mariechen zu werden. Doch nach einem Vortanzen hatte die Gesellschaft 1995 eine andere Verwendung für mich. Ich war leicht und klein und sollte Teil des Kindertanzpaars werden. Als damals achtjähriges Mädchen war ich erst einmal am Boden zerstört. Ich kam nach Hause und schimpfte: „Mama, Mama, ich muss mit einem Jungen tanzen!“

Dadurch haben Sie sich aber nicht entmutigen lassen…

Müller: Nein, denn der anfängliche Schock war bald überwunden. Das Tanzen hat mir großen Spaß gemacht, und oft hoch gehoben zu werden und über den Köpfen der Narren zu schweben, fand ich besonders toll. Leider fand sich in der Folge irgendwann kein Tanzpartner mehr, so dass die Prinzengilde keine Verwendung mehr für mich hatte. Ein Jahr habe ich als Mariechen bei einer Ballettschule getanzt, bis ich 2001 Jugendmarie und ein Jahr später große Marie bei der KG Echte Frönde wurde.

Für Eltern bedeutet es einen großen logistischen Aufwand, wenn die Kinder im Karneval tanzen und eine Vielzahl von Auftritten absolvieren. Wie haben Ihre Eltern reagiert, als Sie Mariechen werden wollten?

Müller: Sie haben mich voll und ganz unterstützt, und das obwohl wir vorher über die tollen Tage meist in den Skiurlaub geflüchtet sind. Durch meine Begeisterung sind sie dann immer mehr mit dem Karnevalsvirus infiziert worden. Was daraus geworden ist sieht man ja: Heute ist meine Mutter Andrea Präsidentin und mein Vater Wolfgang ist 1. Vorsitzender der KG Echte Frönde.

Was hat sich in den zwei Jahrzehnten, die Sie auf den jecken Bühnen tanzten, für Sie geändert?

Müller: Mein Blickwinkel. Als Kind habe ich nur die Freude am Tanzen, dem Karneval und der Uniform gesehen. Inzwischen ist mir bewusster geworden, wie viel Zeit und Arbeit dahinter steckt. Was sich überhaupt nicht verändert hat ist das Tanzen an sich: Bevor die Musik erklingt, bin ich immer noch so nervös wie vor meinem ersten Auftritt, und wenn nach dem Tanz das Publikum applaudiert, erlebe ich das Glücksgefühl genauso stark, wie ich es schon als Kind empfunden habe. Es macht halt immer noch enorm viel Spaß.

Dennoch ist es am Aschermittwoch vorbei. Warum beenden Sie Ihre Tanzkarriere?

Müller: Irgendwann muss Schluss sein, und man soll ja aufhören, wenn es am schönsten ist. Der Zeitpunkt dafür ist wirklich optimal, denn bei den Echten Frönden gibt es einen nahtlosen Übergang, weil unsere Jugendmarie Nathalie Hartmann als große Marie aufrücken wird. Das freut mich sehr, denn Nathalie ist sehr engagiert und sympathisch, und mit ihr hat die KG eine tolle Nachfolgerin. Für mich wird es Zeit aufzuhören, auch weil Gardetanz nicht nur ansprechende Brauchtumspflege ist, sondern vor allem Sport, und die Verletzungsgefahr mit fortschreitendem Alter steigt.

Haben Sie durch das Tanzen viele Verletzungen davongetragen?

Müller: Nein, außer einer kleinen Zerrung, war ich in zwanzig Jahren nicht verletzt. Das habe ich größten Teils sicher meinen Trainerinnen Martina Muhs und Janina Adrian zu verdanken. Sie haben mich stets altersgerecht trainiert, und die Choreographie an die Wachstumsphasen angepasst. Grundsätzlich war ich auf meine Tänze immer sehr gut vorbereitet, zum Beispiel haben meine Trainerinnen großen Wert darauf gelegt, zunächst die Rückenmuskulatur zu stärken und dann erst die Tanzfiguren anzupassen.

Ist die Entscheidung aufzuhören leicht für Sie?

Müller: Nein, natürlich nicht. Mit dem Tanzen fällt für mich ein ganz großer Lebensinhalt weg, aber richtig wehmütig werde ich wohl erst nach der Session sein, denn noch liegen rund 20 Auftritte in Stolberg, Aachen, Alsdorf, Baesweiler, Düren, Eschweiler und Herzogenrath vor mir. Besonders freue ich auf die Frühschoppensitzung unserer KG Echte Frönde morgen, auch wenn ich bei meiner offiziellen Verabschiedung bestimmt die eine oder andere Träne wegdrücken muss. Nachdem ich schon bei den Tänzen der Komiteemariechen bei der Prinzenvorstellung und der Proklamation des Lindenstraßen-Dreigestirns dabei sein durfte, wird die Sitzung morgen ein weiteres absolutes Highlight meiner Abschiedssession.

Warum freuen Sie sich trotz der Verabschiedung besonders auf Sonntag?

Müller: Zum einen weil meine Nachfolgerin Nathalie vorgestellt wird, und weil meine letzte aktive Sitzung der Echten Frönde, bei der ich tanze, eine echt tolle Veranstaltung wird. Der aus dem Fernsehen bekannte Bauchredner Peter Kerscher mit seiner Kuh „Dolly“ ist dabei, das Dreigestirn Lindenstraße, die Inde-Rebellen und die Trommler und Pfeiffer aus Mausbach werden für eine super Stimmung sorgen. Die „Männer 09“ und die KG Elsspechte zeigen Showtänze, und fünf stolze Gastgesellschaften werden auftreten, darunter die Brander Stiere mit ihrem Bürgerprinzen Thomas I. (Berger).

Also ist die morgige Veranstaltung mehr eine Sitzung als ein Frühschoppen?

Müller: Auf jeden Fall. Es ist eine vollwertige Karnevalssitzung, der Zusatz „Frühschoppen“ besagt lediglich, dass die Sitzung schon um 11.11 Uhr beginnt. Die große Sitzung der KG Echte Frönde soll für die ganze Familie sein, das spiegelt sich nicht nur in der Uhrzeit, sondern auch in den Preisen wider: Für Kinder unter 14 Jahren ist der Eintritt frei, Karten kosten im Vorverkauf nur 5,50 Euro, an der Kasse 6, und Getränke gibt es auch zu familienfreundlichen Preisen. Unsere Frühschoppensitzung ist günstig und tagsüber, kann aber, was das Programm und die Stimmung angeht, sicher mit vielen großen Sitzungen, die abends stattfinden, mithalten.

Sie sind an einem 11.11. geboren und seit zwanzig Jahren aktive Karnevalistin. Hängen Sie nach Aschermittwoch die Pappnas‘ und die Tanzschuhe wirklich ganz an den Nagel?

Müller: Dem Karneval werde ich als feiernder Jeck und auch hinter den Kulissen treu bleiben. Bei den Echten Frönden werde ich weiterhin das Kindermariechen Lea Wentzler, das Solomariechen Lisa Braun, meine Nachfolgerin Nathalie Hartmann und die Jugendtanzgarde trainieren. Vielleicht bin ich ja nächstes Jahr beim Stolberger Rosenmontagszug mit dabei und helfe den Kindern der Echten Frönde auf dem Karnevalswagen …

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