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Die Grippewelle hat Stolberg fest im Griff

Von: Kolja Linden
Letzte Aktualisierung:
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Innerhalb von 48 Stunden nach Erkrankungsbeginn müssen antivirale Grippemittel eingenommen werden, um zu wirken. Foto: dpa

Stolberg. Diese Situation kennt wohl jeder: Draußen wird es kälter und drinnen - im eigenen Körper - melden sich die typischen Symptome: die Nase läuft, der Hals kratzt, der Kopf wird schwer. Der Winter hat Stolberg seit Wochen fest im Griff, und genauso fest scheint die Umklammerung zu sein, mit der grippale Infekte und Erkältungssymptome seine Bewohner belästigen.

Mehr Kunden in den Apotheken

Es ist nicht nur so ein Gefühl, dass gerade im Moment viele Leute krank sind, es ist ein Fakt. Deutlich mehr Kunden als sonst bestätigt zum Beispiel Georg Blatzheim.

Der Inhaber der Hirsch-Apotheke in Büsbach weiß, dass Januar und Februar in dieser Hinsicht immer die stärksten Monate sind, sieht aber einen Besorgnis erregenden Trend: „Die Infektionen werden immer hartnäckiger”, so Blatzheim.

Besorgnis errege das vor allem deshalb, weil immer stärkere Antibiotika verschrieben würden, „das muss man einfach konstatieren”.

Ein anderer Trend, der sich durch Zahlen belegen lasse, sei der, dass immer mehr Menschen nicht zum Arzt, sondern direkt in die Apotheke gingen, um sich dort beraten zu lassen.

„Das ist gesundheitspolitisch gewollt”, vermutet Blatzheim, dass man die Leute aus den Arztpraxen rausdrücken wolle. „Den Kassen ist das ganz recht.”

Gründe seien neben teils langen Wartezeiten beim Arzt vor allem die Praxisgebühr und die Tatsache, dass die Kosten vieler Medikamente ohnehin nicht mehr von den Krankenkassen erstattet würden.

Durch Zahlen bestätigt wird der gefühlte Eindruck von der Grippewelle auch vom Robert-Koch-Institut in Berlin. Die Forscher dort sehen ganz Deutschland seit knapp drei Wochen in den Klauen des Influenza-Virus - und das stärker als in den vergangenen beiden Jahren.

Ein anderes Schreckgespenst des Winters hat dagegen seit einigen Tagen seine furchterregende Kraft wohl verloren: das Norovirus. „Das scheint zuletzt etwas abgeebbt zu sein”, berichtet Apotheker Hartmut Kleis von den Beobachtungen seiner Mitarbeiter im Sanitätshaus an der Rathausstraße.

Die Nachfrage nach Mitteln gegen das Darmvirus, vor dem man sich eigentlich nur durch strikte Hygiene schützen kann, sei in den vergangenen Tagen jedenfalls gesunken, so Kleis.

Bei den Erkältungserkrankungen sieht der Apotheker dagegen das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht. „Wir haben eine gewisse Konstanz, die sich über den gesamten Winter zieht.” Und der habe in diesem Jahr ja schon relativ früh mit kalten Temperaturen begonnen.

Doch Kleis hat auch einen guten Rat: „Trotzen Sie dem Wetter”, ruft der Fachmann dazu auf, die körpereigenen Abwehrkräfte zu mobilisieren. „Gehen Sie gut vermummt durch den Regen oder Schnee, gewöhnen Sie Ihren Körper an die Temperaturen.”

Genügend Schlaf und ausreichend Bewegung seien ebenfalls wichtig, flankiert werde das „Trainingsprogramm” durch eine ausgewogene vitamin- und ballaststoffreiche Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Salat nach einem einfachen Rezept: „Je verschiedenfarbiger die Auswahl, desto vielfältiger das Vitalstoffangebot!”

Doch - und da widerspricht ein Fachmann für fernöstliche Weisheiten - diese Rohkost könne, zumindest im Winter, nicht immer die erwünschte Wirkung bringen.

Dr. Detlef Marx ist Experte für traditionelle chinesische Medizin am Bethlehem-Krankenhaus. Er empfiehlt warme Ernährung bei kalten Temperaturen: „Viele ernähren sich zu kühl, nehmen zu viele rohe Substanzen wie Salat oder Joghurt zu sich”, sagt der Oberarzt.

Südfrüchte zum Beispiel seien zwar vitaminreich, aber eher geeignet für das Klima im Süden. Marx plädiert stattdessen für traditionelle Wintergerichte: Möhren, Kartoffeln, Eintöpfe oder Braten. Auch warm trinken sei wichtig im Winter.

„Das ist schwierig zu vermitteln”, sagt Marx und warnt vor Berichten in einschlägigen Frauenzeitschriften. „Man kann chinesische Medizin nicht so vereinfachend darstellen.”

Wer zum Beispiel von seiner körperlichen Konstitution her zuviel Hitze habe, der solle sich lieber kühl ernähren. Und nicht jedes heiße Getränk habe eine wärmende Wirkung, sagt der Arzt und nennt als Beispiel grünen Tee, der in China als kühl gilt.

Marx selbst hält sich an die Gesetze der chinesischen Medizin und fährt gut damit, wie auch seine Patienten, sagt er: „Wenn Leute sich umstellen, berichten sie immer wieder, dass sie viel seltener krank werden.”

Nicht gegen Virusinfektionen, wohl aber gegen Erkältungskrankheiten und Frösteln helfe vorbeugend auch ein Ingwertee. Einfach Ingwer kleinhacken, in Wasser kochen und mit Honig verfeinert trinken, rät der Experte.

Und bei Fieber „schröpft” der Chinese. So nennt sich zumindest die Methode, eine Halbkugel aus Glas so auf den Rücken zu setzen, dass ein Vakuum entsteht, und dann rauf und runter zu reiben. „Da kriegen Sie vielleicht ein paar blaue Flecke, aber das Fieber geht zurück”, so Marx.
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