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Die Geschichte lehrt, Demokratie zu pflegen und schützen

Von: Dirk Müller
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Stolberg. Trotz des 150-jährigen Bestehens sei für die sozialdemokratische Partei Deutschlands 2013 nicht nur ein Festjahr, sagt Arndt Kohn: „Der 22. Juni ist ein negativ besetztes geschichtsträchtiges Datum. Heute vor 80 Jahren erklärte Reichsinnenminister Wilhelm Frick die SPD zur volks- und staatsfeindlichen Organisation.“

Es folgten Betätigungs-, Versammlungs- und Propagandaverbote; das Parteivermögen der SPD wurde von den Nazis beschlagnahmt und die SPD-Einrichtungen zerschlagen. „Alleine im Juni 1933 kam es zu 3000 Verhaftungen. Sozialdemokraten wurden ohne Gerichtsurteil in die Konzentrationslager Dachau und Oranienburg verschleppt“, beschreibt Patrick Haas.

Kohn und Haas erinnern an die Situation in Stolberg, wo nicht nur SPD-Mitglieder betroffen waren, sondern die NSDAP (nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei) auch anderweitig in die Politik eingriff. So musste Walther Dobbelmann von der damaligen DNVP (Deutschnationale Volkspartei) auf Druck der Nazis das Bürgermeisteramt abgeben und beantragte zwangsweise seine Pensionierung zum 1. Oktober 1934. „Zunächst wurde Anton Braun, bis dahin Leiter der Gau- revisionsabteilung, als Stolberger Bürgermeister eingesetzt. Ihm folgte Engelbert Regh“, erläutert Kohn. Regh war ursprünglich Mitglied der Deutschen Volkspartei (DVP), wechselte zur NSDAP bevor er von 1935 bis 1944 Bürgermeister der Kupferstadt war.

„Schwer nachvollziehbar ist, dass Regh von 1945 bis 1955 Kreistags- und Stolberger Stadtratsmitglied für die FDP war“, meint Haas. Mit Blick auf den Ludwig-Philipp-Lude-Platz vor dem Rathaus ruft Kohn das Schicksal eines Kupferstädter Sozialdemokraten in Erinnerung: „Lude von 1920 bis 1925 Geschäftsführer des Deutschen Metallarbeiter-Vebands für den Ortskartell Stolberg des allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbunds. Von 1925 bis 1931 leitete Lude das von seiner Frau gegründete Kolonialwarengeschäft.“ Am 2. Mai 1933 wurden die freien Gewerkschaften von den Nazis zerschlagen.

Lude, der Emigrantenliteratur verteilt und ein Depot von illegal über die Grenze geschafften Schriften unterhalten hatte, wurde im Dezember 1936 vom Volksgerichtshof Berlin wegen Hochverrats zu sechs Jahren Zuchthaus und sechs Jahren Ehrverlust verurteilt. 1940 wurde Ludwig Philipp Lude aufgrund schwerer Krankheit begnadigt, und obwohl ihm erneut Gefängnis drohte, organisierte er mit einigen Mitstreitern den aktiven Widerstand gegen die Nazis in der Region Aachen. Die alliierte Militärverwaltung setzte Lude im Oktober 1944 als stellvertretenden Bürgermeister Stolbergs ein.

„Im März 1945 wurde er zum Regierungspräsidenten in Aachen ernannt. Als solcher kämpfte Lude fünf Jahre lang gegen einen Verwaltungsapparat, der von ehemaligen Nationalsozialisten durchsetzt war. Dafür wurde Lude selbst nach den Geschehnissen des Zweiten Weltkriegs stark angefeindet“, sagt Haas. Heute ist Bürgermeister Ferdi Gatzweiler froh, dass es mit Haas und Kohn gerade zwei junge Stolberger SPD-Mitglieder sind, die dieses dunkle Kapitel deutscher Geschichte nicht in Vergessenheit geraten lassen wollen.

„Der 22. Juni 1933 markierte das Ende der Demokratie in Deutschland, was in millionenfachen Toten gemündet ist“, betont Gatzweiler und sieht in den Geschehnissen eine mehrfache Verpflichtung in der heutigen Zeit: „Wir müssen unsere Demokratie pflegen und schützen, damit so etwas nie mehr passiert. Anderen Ländern in schwierigen Situation wie etwa Russland oder jüngst die Türkei sollten wir in Deutschland den Kampf gegen Extremismus und für Menschenrechte und Demokratie positiv vorleben.“

Dem schließt sich Peter Jussen, Vorsitzender des SPD-Ortsvereins Stolberg-Süd vorbehaltlos an. „Eine funktionierende Demokratie zu bewahren, geht aber nicht mit immer stärker werdender Politikverdrossenheit, auch wenn diese zum Teil gute Gründe haben mag. Die deutsche Geschichte zeigt, wie wichtig es ist, dass die Menschen ihr Wahlrecht auch wahrnehmen und sich politisch in einer der demokratischen Parteien engagieren“, mahnt Jussen, der sich mehr aktive Beteiligung der Bürger an unserem demokratischen System wünscht.

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