Stolberg - Die Fahrt zur Schule wird zum Glücksspiel

Die Fahrt zur Schule wird zum Glücksspiel

Von: Kolja Linden
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Botschafter des Beispiellandes der Sternsingeraktion: Ein bunter Bus aus dem Senegal, gefüllt mit vielen Alltagsgegenständen.

Stolberg. Heute ist Elternsprechtag an der Gesamtschule in Langerwehe. Normalerweise ein Tag, an dem es um das Betragen und die Leistungen von Schülern geht. Gabriele Steins und Peter Bauer sind Eltern eines Kindes dort, doch sie möchten den Tag nutzen, um auch über andere Dinge zu reden.

Zum Beispiel über vergangene Woche. Da wurde in Belgiens Verkehrsgewerbe gestreikt. Eigentlich kein Thema, das mit dem Schulbesuch ihres Sohnes zu tun hätte - wäre dieser nicht auf den Bus von Mausbach nach Langerwehe angewiesen. Morgens hat er zwei Chancen zur Schule zu kommen: um 7.04 Uhr und um 7.15 Uhr.

Dann fährt der Rheinlandbus, Linie 104, von Krewinkel nach Langerwehe zum Schulzentrum. Weil aber an besagtem Tag in der vergangenen Woche in Belgien keine Züge fuhren, musste die RVE Regionalverkehr GmbH, die den Rheinlandbus betreibt, ihre Fahrzeuge abziehen und Ersatz nach Mausbach schicken.

Folge: Der erste Bus war überfüllt, der Fahrer des zweiten hatte, weil er sich nicht auskannte, an der falschen Haltestelle gestanden und wurde von den Schülern nicht gesehen.

Dass gerade kleinere Schüler wie sein Sohn, der in die fünfte Klasse geht, in den ersten morgendlichen Bus nicht hineinkommen, weil dieser bereits überfüllt ist, findet Peter Bauer zwar schon ärgerlich. Auch, dass nach dem zweiten Bus um 7.15 Uhr kein anderer mehr fährt, sei nicht gerade ideal. „Schlimmer ist die Situation aber auf dem Rückweg”, sagt der Vater. „Laut Fahrplan fährt da um 13.40 Uhr ein Bus zurück, aber den gibt´s nur auf dem Papier. Gesehen hat ihn noch niemand.”

Niemand erreichbar

Die Gesamtschule Langerwehe ist Ganztagsschule, meist haben die Kinder bis 15.25 Uhr Unterricht. Mit dem Bus um 15.35 Uhr kommt man dann auch gut weg. Wenn er denn fährt. „Es ist schon vorgekommen, dass einfach kein Bus da war”, sagt Bauer. Weil nicht einzelne, sondern viele Kinder davon betroffen sind, bilden sich in solchen Fällen Fahrgemeinschaften, die aber von den Eltern organisiert werden müssen. „Das betrifft Familien aus Gressenich, Mausbach, Vicht und teilweise Zweifall”, sagt Bauer. In Stolberg gibt es ja keine Gesamtschule.

Der Vater musste schon vergangene Woche mehrfach über einen langen Zeitraum beim Busunternehmen RVE anrufen, um überhaupt jemanden zu erreichen. Unsere Redaktion hatte weniger Glück. Bei RVE war für eine Erklärung niemand erreichbar. Für Beschwerden bietet die Firma im Internet lediglich eine E-Mail-Adresse als Kontakt an.

Das Problem: So richtig zuständig für die Lösung des Problems fühlt sich niemand. „In solchen Fällen ist immer der Schulträger der Kommune zuständig, in der sich die Schule befindet, nicht die, aus der die betroffenen Kinder stammen”, verweist Udo Griese vom Stolberger Schulamt auf die Kollegen der Gemeinde Langerwehe. In der dortigen Schulabteilung informiert Hiltrud Preuß, dass es zur Gesamtschule gar keinen von der Gemeinde ausgeschriebenen Schulbusverkehr gebe: „Das ist ein ganz normaler, öffentlicher Linienverkehr.”

Offensichtlich einer mit Lücken. So gibt es im Fahrplan der RVE ein Kürzel „V”. Das Kürzel steht für Verstärkerfahrt und bedeutet nichts anderes, als dass der Bus jederzeit ausfallen kann. Bei der Linie 104 ist jede Fahrt mit einem „V” gekennzeichnet.

An der Schule wisse man durchaus von Problemen, sagte auf Anfrage der zuständige Lehrer Heinz-Georg Bock von Wülfingen. Das beträfe aber meist Schulneulinge zu Beginn des Schuljahrs, die sich erst einmal orientieren müssten. Als Schule sei man in Fragen des Busverkehrs zwar nicht die richtige Anlaufstelle, man sei aber gerne behilflich und leite Beschwerden weiter, zum Beispiel über ein Meldeformular, das an der Schule erhältlich ist. Auf den Fahrplan habe die Schule allerdings keinen Einfluss.

Genau den hätten viele Eltern aus dem Stolberger Raum aber gerne geändert. Vor allem dienstags. Dann nämlich haben viele Kinder früher Schluss und müssten 35 Minuten auf den Bus warten - theoretisch. Denn das ist der, der laut Fahrplan um 13.40 Uhr fährt - und nach übereinstimmenden Aussagen mehrerer Eltern ungefähr so häufig gesichtet wird, wie der Yeti im Himalaya.
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