Die Bücherei braucht Hilfe

Von: Sarah Sillius
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Der Tisch ist voll mit Bastelu
Der Tisch ist voll mit Bastelutensilien: Am kommenden Donnerstag werden - passend zu Karneval - Masken gebastelt. Foto: Heike Eisenmenger

Stolberg. Es war dem guten Willen einer älteren Dame zu verdanken, dass die Stadtbücherei Stolberg im Jahr 2008 noch einmal einen kleinen Aufschwung erleben durfte.

Die Dame spendete der Bücherei eine große Geldsumme, und so konnte Leiterin Beate Klaas eine ganze Reihe neuer Medien anschaffen. Und je aktueller das Sortiment ist, desto mehr Menschen leihen aus.

Im Jahr 2011, als der Anschaffungsetat für neue Medien bei Null lag, war der Effekt an der Besucherstatistik abzulesen. Nur noch 1448 aktive Benutzer, also Menschen, die mindestens einmal im Jahr etwas ausleihen, wurden gezählt. Im Jahr 2010 waren es noch 1999. Besuche wurden insgesamt 27.575 gezählt, 6011 weniger als im Vorjahr. Zum Vergleich: In der Stadtbibliothek Aachen werden im Jahr rund 350.000 Besucher gezählt.

Klaas und ihr Stellvertreter Thomas Meirich wundert diese Entwicklung nicht. „Viele fragen nach neuen Büchern und Medien, die in der Bestseller-Liste auftauchen. Und wenn wir die nicht haben, schreckt das natürlich ab”, sagt Klaas. „Hinzu kamen die Personalprobleme, wegen denen wir unsere Öffnungszeiten einschränken mussten.” Immerhin hat sich in dieser Hinsicht etwas verbessert. Seit Januar 2012 gibt es wieder 3,7 Stellen. Möglich, dass so auch die Öffnungszeiten wieder ausgedehnt werden können. Im vergangenen Jahr waren von ursprünglich 5 nur noch 2,5 Stellen besetzt gewesen.

Auch wenn die personelle Durststrecke überwunden ist, bleibt die Zukunft der Bücherei insgesamt ungewiss. Aufgrund der finanziellen Schieflage der Stadt ist unklar, ob die Bücherei im Jahr ihres 100-jährigen Bestehens den Etat über 10.000 Euro erhalten wird. Selbst mit dieser Summe würde die Bücherei weiterhin am unteren Limit arbeiten. „Wir bräuchten eigentlich mindestens 40.000 Euro”, sagt Klaas.

Aber ihr ist bewusst, dass die goldenen Zeiten der Stadtbücherei Stolberg längst vorbei sind. „Wir sind weiterhin von Sponsorengeldern und dem Einsatz unserer Ehrenamtler abhängig”, sagt Klaas. Nur durch die große Mühe des Fördervereins konnten im vergangenen Jahr noch einige wichtige Bestseller angeschafft werden.

Klaas ist seit 1988 bei der Bücherei angestellt und hat in dieser Zeit viele Höhen und Tiefen der Einrichtung miterlebt. „Man sollte immer positiv in die Zukunft blicken, auch wenn die Lage im Moment natürlich sehr prekär ist. Aber wir tun unser Möglichstes”, sagt sie.

Im Rahmen des „Stärkungspakts” der Stadt soll nicht nur die Schwimmhalle, sondern auch die Bücherei als freiwillige Aufgabe auf den Prüfstand kommen. Eine mögliche Schließung der Bücherei würden nicht nur Bürger, sondern auch Politiker und Verwaltungsmitglieder als fatal ansehen. „Es gibt niemanden, der die Notwendigkeit einer Stadtbücherei in Frage stellt”, sagt Andreas Pickhardt, Leiter des Fachbereichs Kultur. Es sei aber nicht ausgeschlossen, dass der Stadt von außen, also von Seiten der Aufsichtsbehörden, die Schließung nahegelegt wird. Beate Klaas will gar nicht daran denken: „Wir sind noch immer das Informationszentrum dieser Stadt. Gerade in Stolberg, wo die Mehrheit der Bürger nicht mit goldenen Löffeln isst, ist Leseförderung und die Chance auf Bildung enorm wichtig”, sagt Klaas.

Fernleihe wieder möglich

Auch wenn derzeit aufgrund der finanziellen Notlage an moderne Medien wie E-Books und Blu-Ray-Discs nicht zu denken ist, bleibt die Einrichtung in der Frankental-straße sei die Bibliothek das Zentrum des Wissens und für viele auch ein wichtiger Treffpunkt. „Schüler erledigen bei uns ihre Hausaufgaben, zeigen uns Bewerbungen und Referate - und wir geben ihnen auch gerne Tipps”, erzählt Meirich.

Seit diesem Januar ist die Stadtbücherei wieder an das System der Fernleihe angeschlossen und kann so auch intensiver von Studenten genutzt werden. Auch dieses für eine Bibliothek wichtige Nutzungsverfahren musste in 2011 vorübergehend eingestellt werden.

Als positiv beschreibt Klaas nach wie vor die Zusammenarbeit mit den Schulen. „Durch Vorlesewettbewerbe, Führungen oder Workshops bauen die Schüler ihre Hemmschwelle ab und kommen zu uns, die Schulen sind ein guter Anknüpfungspunkt.”

Allerdings mussten auch so traditionelle Veranstaltungen wie die Sommerleserallye im letzten Jahr ausfallen. Die Leseförderung war auf ein Minimum beschränkt. Während im Jahr 2009 mit Zusatzaktionen über 3000 Kinder angesprochen wurden, waren es im Jahr 2011 nur noch knapp die Hälfte.

Ohne Geld gibt es weder neue Bücher, noch weitere Mitarbeiter, noch Veranstaltungen. Mehr denn je ist die Bücherei daher auf die Hilfe von Ehrenamtlichen und Sponsoren angewiesen.

Beate Klaas hat die Hoffnung nicht aufgegeben, dass sich noch einmal ein Spender bei der Bücherei melden wird. Jemand, der Stolbergs Zentrum des Wissens in seiner schwersten Zeit noch einmal einen Aufschwung bescheren kann.

Zahlen, Fakten und Veranstaltungen im Jahr 2012

Die Stadtbücherei Stolberg verfügt derzeit über rund 55.000 Medien, davon sind etwa 49.000 Bücher. Am häufigsten werden Bücher aus der neuen Literaturabteilung (Romane, Sach- und Jugendbücher) ausgeliehen.

Ein Drittel der aktiven Leser, also rund 500, sind Kinder bis 15 Jahre. Insgesamt zählte die Bücherei 1454 aktive Leser im Jahr 2011. 2009 waren es noch 3067 aktive Leser, also Nutzer, die mindestens einmal im Jahr etwas ausgeliehen haben.

Zu den Veranstaltungen der Stadtbücherei und des Fördervereins zählen das Basteln, donnerstags von 15.45 bis 17 Uhr, für Kinder ab fünf Jahren. Der nächste Termin am 9. Februar steht unter dem Motto „Wer steckt hinter der Maske? Geschichte und Basteln zum Karneval”.

Auch Führungen (für Kinder und Erwachsene), Workshops, der Vorlesewettbewerb der vierten Klassen (gesponsort von der Sparkasse Aachen) und die Reihe „Oskar Leseclown” sollen in 2012 wieder stattfinden. Anlässlich des 100-jährigen Bestehens der Bücherei sind Sonderveranstaltungen im April geplant.

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