Stolberg - Die Bilanz: „Viel Rauch um Nichts”

CHIO-Header

Die Bilanz: „Viel Rauch um Nichts”

Von: DIRK MÜLLER
Letzte Aktualisierung:
raucher2-bu
Immer ein Glimmstengel am Mann: In Angie´s Bistro ist der Raucherbereich wesentlich besser besucht als der für Nichtraucher - weil diese lieber im Raucherbereich verweilen, so die Wirtin. Foto: D. Müller

Stolberg. Seit gut einem Jahr gilt n Nordrhein-Westfalens Gaststätten Rauchverbot. Restaurantbetreiber und Kneipiers, die ihren Gästen weiterhin das Rauchen ermöglichen wollten, mussten über einen abgetrennten, geschlossenen Nichtraucherbereich verfügen, der größer als der Raucherbereich ist, oder einen solchen einrichten.

Da gerade kleinere, meist Einraumkneipen, diese Möglichkeit nicht haben und um ihre Existenz fürchteten, wurde das Gesetz für so genannte „Eckkneipen” gelockert. In einem Gastraum unter 75 m2 Fläche darf weiterhin geraucht werden, solange das Lokal sichtbar als „Raucherlokal” gekennzeichnet ist.

Nach gut einem Jahr „Nichtraucherschutz-Gesetz” ist in den meisten Stolberger Kneipen alles beim Alten und nahezu überall regiert der Rauch. Zwei Modelle bestimmen die Realität der örtlichen Schankwirtschaften. „Hier darf nach wie vor geraucht werden, da das Lokal keine 75 m2 groß und als Raucherkneipe gekennzeichnet ist”, erklärt Axel Breuer vom „Köpi Bistro” am Rathaus und zündet sich eine Zigarette an.

Er bekräftigt: „Das ist auch gut so. Über 90 Prozent meiner Gäste sind Raucher und ein Rauchverbot am Tresen käme der Schließung gleich.” Ähnlich argumentiert Marita Matousek, die Betreiberin der Altstadtkneipe „Savoy” am Alter Markt: „Die Gäste an den Tischen sitzen bei Cola und Pizza und rauchen immer seltener, die Leute an der Theke aber sind nahezu alle Raucher und bringen den Umsatz. Auf diese Gäste kann heute kein Wirt verzichten.”

Über Umsatzeinbußen nach der Einführung des Gesetzes im letzten Jahr klagt Johannes Lang, Inhaber des Lokals „Alte Brennerei” auf der Eschweiler Straße: „Die Gäste waren sehr verunsichert, so dass ich zunächst etwa dreißig Prozent weniger Umsatz machte.” Er kennzeichnete die Gaststätte als Raucherlokal und erlaubte den Aufenthalt erst ab achtzehn Jahre. „Nachdem meine Gäste sicher waren, dass hier weiter geraucht werden kann, erreichte der Umsatz wieder das alte Niveau”, so Lang.

Neben der Variante der als Raucherlokal gekennzeichneten Einraumkneipen, in denen unverändert der „blaue Dunst” zu finden ist, gibt es die größeren Gaststätten mit abgetrennten Räumlichkeiten. „Wir haben im Saal einen großzügigen Nichtraucherbereich, der allerdings überhaupt nicht von unseren Gästen genutzt wird, auch nicht zum Essen”, berichtet Icic Ziko im „Haus Rosental” und sieht darin die Bestätigung seiner Einschätzung des Gesetzes.

Auch in der Büsbacher Gaststätte „Angie´s Bistro” bleibt der abgetrennte Bereich, der für Nichtraucher eingerichtet wurde, seit einem Jahr menschenleer. Warum, beschreibt die Wirtin Angie Koch, Nichtraucherin: „In unserem Bistro fühlen sich die Nichtraucher von den Rauchern weder belästigt noch gestört. Alle halten sich gemeinsam im Raucherbereich auf, der allerdings mit einer gut funktionierenden Belüftungsanlage ausgestattet ist.”

Den anderen Weg beschreitet beispielsweise der „Burghof”. Hier wird im Hauptraum des Lokals nicht geraucht sondern in einem abgeschlossenem Rauchersalon. „Der Salon wird von unseren Gästen gut angenommen. Das Nichtraucherschutz-Gesetz stellt für uns kein Problem dar”, sagt Betreiberin Irene Langhoff.

Strikt rauchfreie Gaststätten in Stolberg gibt es dennoch. Es sind in erster Linie Restaurants, die die gesundheitsschädlichen Rauchschwaden aussperren. Im Sommer falle dies bei Betrieben mit Außengastronomie nicht weiter ins Gewicht, da draußen geraucht werden darf, unterscheidet Sylvia Ertürk vom Restaurant „Burgkeller”: „Im Winter hingegen zieht es viele Raucher nach dem Essen vor die Türe, wo wir dann große Aschenkübel aufstellen. Einige verzichten auch auf den Espresso, Wein oder Bier nach dem Essen und geben der Zigarette den Vorzug. Die Einbußen beim Umsatz halten sich aber in Grenzen.”

Es sei auch schon vorgekommen, das in Einzelfällen heimlich auf der Toilette geraucht wurde. „Was sollen wir denn machen? Wir können den WC-Bereich nur mit einem Rauchverbotsschild versehen, aber doch nicht kontrollieren, was die Gäste dort tun”, beschreibt Ertürk das Problem der Gastronomen.

Nichtraucherschutz in Gaststätten

Acht Verwarnungen sprach das Ordnungsamt der Stadt Stolberg vom 7. Juli 2008 bis 19. Januar dieses Jahres den örtlichen Gastronomen aus. Ein Ordnungswidrigkeits-Verfahren wurde in diesem Zeitraum eingeleitet.

Die Einsätze des Ordnungsamtes erfolgten auf Beschwerden Stolberger Bürger. Sie bemängelten z. B. die Größe der Raucherbereiche oder die Nichteinhaltung des Rauchverbotes.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert