Die Badegäste spülen zu wenig in die Stadtkasse

Von: Tom Lammertz
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Für ungetrübten Badespaß sollen die Besucher des Hallenbads Glashütter Weiher demnächst tiefer in die Tasche greifen. Die Verwaltung hat den Ratspolitikern ein Eintrittspreis-Modell vorgeschlagen. Foto: dapd

Stolberg. Ob Schwimmen, Spielen, Springen, ob Warmwasserbaden, Sonnenhof oder Massagdüsen - alles hat seinen Preis. Und den kann der städtische Haushalt aus den Steuereinnahmen nicht mehr schultern.

Nicht zuletzt deshalb, weil im vergangenen Jahr deutlich weniger Gäste ins Hallenbad Glashütter Weiher kamen, deckten die Einnahmen aus dem Eintrittgeld bei Weitem nicht die Kosten. Das „Bad für die ganze Familie” wird zum Ballast, und die Verwaltung hat bereits ein Eintrittspreis-Modell erarbeitet, über das die Ratspolitiker kommende Woche in einer Sondersitzung des Sportausschusses abstimmen.

Um rund ein Drittel sollen die Eintrittspreise angehoben werden: die Tagesmarke für Erwachsene von 3 auf 4 Euro, Zehnermarken für Erwachsene von 24 auf 32 Euro und Zehnermarken für Schüler und Jugendliche unter 18 Jahren von 16 auf 21 Euro.

Satte 50 Prozent Aufschlag sieht das Modell für die Schüler-Tagesmarke vor: Bisher für 2 Euro zu haben, soll sie demnächst 3 Euro kosten. Einzig unverändert bleibt der freie Eintritt für Kinder unter sieben Jahren.

Die 2008 eingeführten Sondertarife will die Verwaltung zur Jahresmitte aufheben lassen. Wird bisher zum Beispiel eine Jahreskarte für Erwachsene zum Preis von 200 Euro verkauft, gibt es dann, wenn die Politiker zustimmen, zum selben Preis nur noch eine „Einhundertermarke”. Wer täglich schwimmen geht, zahlt dann das Dreieinhalbfache des bisherigen Eintritts. Gleiches gilt für Jugendliche, die 150 Euro für hundert Besuche hinblättern sollen, wofür sie bisher täglich kommen durften. Neben der „Einhundertermarke” soll auch eine Familientagesmarke zum Preis von 9 Euro eingeführt werden.

Als Grund für alle Preiserhöhungen wird Paragraf 82 der Gemeindeordnung angeführt, demzufolge Gemeinden nur Aufwendungen leisten dürfen, zu denen sie rechtlich verpflichtet sind. Die Kommunalaufsicht verlangt von der Stadt Stolberg, dass sie ihre freiwilligen Ausgaben jährlich um 5 Prozent reduziert. Da das Hallenbad aktuell eine Unterdeckung von 570.000 Euro aufweise, sei „dringend geboten, diese durch eine Tariferhöhung zu reduzieren”, argumentiert Fachbereichsleiter Willi Seyffarth und geht auch auf die bisherigen Attraktivierungsbemühungen ein: 2008 seien Sondertarife beschlossen worden, die auch in den ersten beiden Jahren mehr Besucher gelockt hätten.

2010 jedoch seien die Besucherzahlen eingebrochen. Außerdem sei die Nachfrage nach Tages- und Zehnermarken drastisch gesunken, weil entsprechend mehr Sondertarife in Anspruch genommen wurden. So sanken die Einnahmen von 2008 zu 2009 um 25.000 Euro und zu 2010 noch einmal um 16.000 Euro.

Durch Wegfall der Sonder- und Erhöhung der Normaltarife könnten 65.000 Euro mehr eingenommen werden, so die Hoffnung der Planer, die allerdings auch „viele unbekannte Faktoren” befürchten. Auch eine Arbeitsstelle könne künftig wegfallen; das bedeute eine Ersparnis von 46.000 Euro - jedoch erst, wenn die letzen Jahreskarten abgelaufen seien, die es bis Ende Juni zum alten Preis gibt.

Badegäste und Einnahmen im Jahresvergleich von 2004 bis 2010

Fast 182.000 Euro haben knapp 76.000 Besucher im Jahr 2004 durch ihre Hallenbadbesuche in die Stadtkasse gespült. Rund 5800 Besucher weniger waren im Jahr 2005 immerhin noch für 169.000 Euro gut. Diese Zahl wurde in den vergangenen drei Jahren, in denen Sondertarife im Angebot waren, nur noch einmal übertroffen: 2008 nahm die Stadt dank fast 83.000 Badegästen knapp 177.000 Euro an der Hallenbadkasse ein.

Im Jahr darauf kamen noch einmal fast 4500 Besucher mehr, brachten zusammen aber nur noch gut 151.000 Euro mit. Nur noch knapp 66.000 Gäste wollten im vergangenen Jahr Badespaß im Hallenbad Glashütter Weiher erleben. Die Einnahmen fielen auf einen „historischen Tiefstand” von etwas mehr als 135.000 Euro. Von März 2006 bis April 2007 war wegen Umbaus geschlossen.
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