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Die Arbeit gegen rechts beginnt schon in der Grundschule

Von: Jan Schlegelmilch
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Stieß mit ihren kompetenten Ausführungen auf offene Ohren im Kreise der Workshop-Teilnehmer: Ingeborg Steinmann-Berns (r.), die Rechtsextremismus an Grundschulen thematisierte. Foto: J. Schlegelmilch

Stolberg. Es war nicht das erste Mal, dass die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Stolberg Lehrer, Sozialarbeiter, Pädagogen und Erzieherinnen aus der Region zu einer Fachtagung eingeladen hatte. Schließlich ist Thema „Rechtsradikalismus in der Schule” schon seit geraumer Zeit ein sehr akutes.

Das weiß auch Susanne Goldmann, die nach 2008 nun eine zweite Auflage organisiert hatte. Dabei wurde im Stolberger Rathaus diesmal besonders auf die Prävention an Schulen eingegangen.

Was kann man tun, um rechtsradikales Gedankengut bei Kindern und Jugendlichen erst gar nicht aufkommen zu lassen - sowohl an Grundschulen als auch an weiterführenden Schulen? Mit dieser Fragestellung beschäftigten sich die Teilnehmer in zwei praxisorientierten Workshops; der eine speziell auf die Grundschulen, der andere auf die weiterführenden Schulformen ausgerichtet.

„Rechtsextremismus finden sie an Grundschulen zwar eher selten”, leitete Diplom-Pädagogin Ingeborg Steinmann-Berns in ihren Workshop ein. „Was sie aber finden, sind rechtsextreme Eltern oder Eltern mit rechtsextremer Gesinnung. Da stellt sich die Frage, was ich dem entgegenstellen kann.” Und die Familien-, Kinder- und Jugendtherapeutin ging noch näher auf die Problematik ein: „Es gibt Mütter, die ihren Kindern nur deutsche Sagen vorlesen. Die rechte Szene versucht auch, Erzieher und Pädagogen auszubilden, um so ihren Nachwuchs zu rekrutieren.”

Steinmann-Berns betonte jedoch, dass die Grundschule genau da ansetzen könne, wenn es darum geht zu verhindern, dass Kinder sich an den rechtsextremen Rand der Gesellschaft bewegen. „Die demokratische Grundhaltung der Grundschule trägt die Kinder vier Jahre. Durch Klassensprecherwahlen oder einen Klassenrat werden Kinder langsam an demokratische Entscheidungsprozesse und demokratisches Denken herangeführt. Das sind erste Maßnahmen gegen Rechtsextremismus.”

Generell sei es die Aufgabe jedes Pädagogen, das Demokratieverständnis und Konfliktverhalten im Schulalltag - beispielsweise durch gemeinsame Planung und Organisation von Klassenfahrten - zu trainieren und auch vorbildlich zu transportieren. Das betonte Johannes Böing, Diplom-Pädagoge und Trainer für Demokratie und Toleranzentwicklung, der zeitgleich den Workshop „Handlungsmöglichkeiten gegen Rechts für weiterführende Schulen” leitete.

Dass sich viele Schulen auch als demokratische Einrichtung verstehen, bestätigte die Rückmeldung einiger Lehrkräfte: Angefangen bei der Streitschlichtung über das Anti-Gewalt-Training bis hin zum Schulparlament seien bereits viele präventive Maßnahmen für ein demokratisches Verständnis und gegen Rechts vorhanden.

Trotzdem komme es immer wieder vor, das man in der Schule mit rechtsradikalem Gedankengut konfrontiert wird, wie mehrere Lehrkräfte berichteten - auch in der Grundschule. So schimpft ein Junge im zweiten Schuljahr „Scheiß Jude” im Zusammenhang mit dem Gaza-Krieg, Hakenkreuzschmierereien kommen auch vor. „Grundschulkinder haben jedoch noch kein Verständnis für die Bedeutung solcher Zeichen”, versichert Ingeborg Steinmann-Berns. Wie mehrere Lehrer aus eigener Erfahrung zu berichten wussten, helfe in solchen Fällen oft die frühe Konfrontation und Aufklärung über die Hintergründe.

Aber auch wenn jede präventive Maßnahme fehlgeschlagen ist und Kinder oder Jugendliche bereits in der rechtsradikalen Szene verankert sind, gibt es noch Hilfe. Genau dort setzt die Arbeit von Silvia Eilhardt vom Jugendamt der Stadt Witten an, die sich und ihre Arbeit in einem kurzen Vortrag zu Beginn der Fachtagung vorstellte. Sie hilft Jugendlichen aus dem Bereich Satanismus und Rechtsextremismus, aus der Szene auszusteigen und sie wieder in die Gesellschaft einzugliedern. „Bis jetzt liegt der Ausstiegserfolg bei 100 Prozent”, erzählte Eilhardt. Sie referierte zudem über die zunehmende Zahl rechtsradikaler Mädchen: „Die Mädchen nehmen eine immer wichtigere Rolle ein. Junge Frauen in der rechten Szene machen nicht durch Gewalt auf sich aufmerksam, sondern werden trainiert, um rechtsradikale Parolen nett und adrett zu verbreiten.”

Eine Aussteigerberatung wie in Witten gibt es in Stolberg zwar noch nicht. „Mein Wunsch ist es aber, einen Impuls zu geben, um eine solche Beratung, an die sich Jugendliche wenden können, im Zuge der Städteregion einzurichten”, erklärte die Gleichstellungsbeauftragte Susanne Goldmann.

Und sie ging noch weiter: „Vielleicht können wir hier in Stolberg ja sogar eine Vorreiterrolle einnehmen.”
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