Dichtheitsprüfung wird neue Probleme zu Tage fördern

Von: gro
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Unterirdischer Problemherd: Mit der Dichtheitsprüfung allein ist es nicht getan. Für Drainagen beispielsweise ist noch kleine Lösung in Sicht. Foto: M. Grobusch

Stolberg. Gerade hat die Politik das eine Problem verdaut, schon liegt ihr das nächste auf dem Magen. Denn mit der Verabschiedung einer Satzung zu den Fristen für die Dichtheitsprüfung privater Abwasserleitungen ist noch längst nicht alles geregelt, was den Bürgern und vor allem den Hauseigentümern in den kommenden Jahren drohen dürfte.

Während die Dichtheitsprüfungen nach dem Beschluss des Stadtrates zunächst in Wasserschutzgebieten vorgenommen werden und dort - je nach geographischer Lage - die Fristen zwischen dem 31. Dezember 2012 und dem 30. November 2015 enden, ist für an den Schmutz- oder Mischwasserkanal angeschlossene Drainagen noch keinerlei Regelung in Sicht.

„Das ist ein neues Thema, das uns noch intensiver beschäftigen wird als die Dichtheitsprüfung”, stellt Bürgermeister Ferdi Gatzweiler fest und ahnt bereits Ungutes: „Das wird noch für viel Arbeit und Ärger sorgen.”

Im Grunde gehören beide Themen zusammen. Denn wer in Zukunft die vorgeschriebene Dichtheitsprüfung an seiner Abwasserleitung vornehmen lässt, wird sich automatisch mit der Drainage beschäftigen müssen, wenn diese denn an den Kanal angeschlossen ist.

Rein rechtlich gesehen darf sie das seit 20 Jahren nicht mehr sein, erklärt Josef Braun. Doch in der Praxis ist das wohl bei tausenden Häusern im Stadtgebiet anders.

Stadt kann nicht weggucken

Weggucken, das ist für den Fachbereichsleiter klar, kann die Stadt in solchen Fällen nicht, zumal die Bezirksregierung den Druck massiv erhöht hat. Doch wie sie im konkreten Fall reagieren und was es für den Betroffenen zu tun geben wird, weiß auch er zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht.

Das Drainagewasser kann bei hohen Niederschlägen zu einer Überlastung des Kanalsystems führen bzw. zu einer Verdünnung des Schmutzwassers, was wiederum die Funktion der Kläranlage beeinträchtigt.

Auf dem umgekehrten Wege kann Schmutzwasser über die Drainagen ins Erdreich gelangen, wenn der Pegel im Kanal gewisse Höhen erreicht und ein Rückstau entsteht.

Im letztgenannten Fall könnte der Einbau von Rücklaufklappen für Abhilfe sorgen, ebenso der Anhub des Drainagewassers. Ob das technisch aber immer möglich ist und ob der Gesetzgeber solche Lösungen tolerieren würde, ist unklar.

Wie akut das Problem ist, beschreibt der FDP-Fraktionsvorsitzende Bernd Engelhardt mit krassen Worten: „Der halbe Donnerberg würde absaufen, wenn in diesem Bereich die Drainagen gekappt würden.” Nicht vertretbar seien auch die finanziellen Belastungen: „Da geht es um Beträge im deutlich fünfstelligen Bereich”, so Engelhardt.

Angesichts solcher Perspektiven wird es der Politik kollektiv mulmig. „Was uns alle eint, ist das ungute Gefühl”, hatte Hildegard Nießen (SPD) in der Ratssitzung erklärt, und Vertreter aller Fraktionen nutzten ebenso wie Ferdi Gatzweiler jede Gelegenheit, um darauf hinzuweisen, dass es - egal was auch komme - der Gesetzgeber sei, der die Stadt Stolberg dazu zwinge.

Um der delikaten Situation gerecht werden zu können, wird die Stadt nun eine Arbeitsgruppe einrichten. Leiten wird sie Josef Braun, doch der soll nicht alleine gelassen werden. Vertreter aller Fraktionen sind von Ferdi Gatzweiler aufgerufen worden, sich an der Suche nach einer Lösung zu beteiligen.

Abgestufte Fristen in Wasserschutzgebieten

Nicht durchsetzen konnte sich die CDU-Fraktion im Rat mit ihrer Forderung, für die Dichtheitsprüfung bei Häusern im Wasserschutzgebiet, die in einer ersten Phase untersucht werden, eine einheitliche Frist festzulegen.

Fachbereichsleiter Josef Braun machte geltend, dass in einem solchen Falle zum Ende der Frist mit einem Ansturm zu rechnen und eine umfassende Beratung nicht mehr zu leisten sei. Dieser Einschätzung schloss sich die Mehrheit an.

Prüfungen in Wasserschutzgebieten sind demnach vorzunehmen in Mausbach und Oberstolberg bis Ende 2012, in Gressenich bis Ende 2013, in Breinig, Breinigerberg und Venwegen bis 31. Dezember 2014 sowie in Schevenhütte, Vicht und Teilen von Vicht/Breiniger Berg bis 30. November 2015.

Eine detaillierte Liste nach Straßen will die Stadt Stolberg im Internet veröffentlichen. Über die Prüfung in allen anderen Bereichen des Stadtgebietes wird die Politik im Herbst beraten.
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