Stolberg - Deutsch-französischer Tag: Enger Kontakt, von Mensch zu Mensch

Deutsch-französischer Tag: Enger Kontakt, von Mensch zu Mensch

Von: Doris Kinkel-Schlachter
Letzte Aktualisierung:
4834937.jpg
Leben die Partnerschaft: Gisela Kopp und Dr. Stefan Schmitz. Dabei steht der intensive Kontakt zwischen Stolberg, Valognes und Faches-Thumesnil im Vordergrund. Foto: D. Kinkel

Stolberg. „Ein Freund, ein guter Freund, das ist das Schönste was es gibt auf der Welt...“ sang Heinz Rühmann schon in den 30er Jahren. Vor 50 Jahren wurde mit der Unterzeichnung des Élysée-Vertrages der Grundstein für die deutsch-französische Freundschaft gelegt, und seit zehn Jahren gibt es den deutsch-französischen Tag. Der ist am Dienstag, 22. Januar. Wie ist es um das deutsch-französische Verhältnis in Stolberg bestellt?

Die Stadt pflegt neben ihrer Partnerschaft mit Stolberg im Harz seit über 20 Jahren regen Kontakt zu den französischen Städten Faches-Thumesnil und Valognes. Bereits vor der offiziellen Partnerschaft bestand ein reger Austausch auf kultureller und sportlicher Basis. Die ersten Stolberger Kontakte fanden im Frühjahr 1988 in Faches-Thumesnil statt. Man sah dort, knapp 300 Kilometer von der Kupferstadt entfernt unmittelbar an der belgischen Grenze, eine Vorstadt mit Flair, die in eine Partnerschaft sehr viel einzubringen hatte.

Aufgeschlossene Bürger, Sportstätten, ein modernes Kulturzentrum und über 100 Vereine mit rund 8000 Mitgliedern – somit ist fast jeder zweite Einwohner der Stadt in einem Verein aktiv – sind nur einige Aspekte, die Stolberg seinerzeit dazu veranlasst hat, sich für eine Städtepartnerschaft zu entscheiden. Nahezu zeitgleich entschieden sich auch die Gremien in Frankreich, die „Ehe“ mit Stolberg einzugehen.

Ähnlich verhält es sich auch mit Valognes. Die rund 700 Kilometer entfernte Stadt in der Normandie war ebenfalls schon lange das Ziel vieler Stolberger Besuchergruppen. Umgekehrt wuchs dort auch das Interesse an Stolberg. Einwohner beider Städte haben, ohne jegliche Institutionen einzuschalten, diese Freundschaften ins Leben gerufen.

Stellvertretend seien hier auf deutscher Seite das ehemalige Ratsmitglied Elke Becker, Vorsitzende des Arbeitskreises Valognes, und auf der französischen Seite Hervé Mandin, Vorsitzender des Jumelage-Comitées der Stadt Valognes, genannt, die sich um das Zustandekommen dieser Städtepartnerschaft sehr verdient gemacht haben. Ein Jahr nach der offiziellen Geburtsstunde der ersten deutsch-französischen Partnerschaft folgte dann die zweite.

Gisela Kopp ist seit den Anfängen der Partnerschaft zu Faches-Thumesnil mit von der Partie und hat vor einigen Jahren auch den Vorsitz des Komitees von Christine Armbruster übernommen. Über 20 Jahre im Dienst der deutsch-französischen Freundschaft, da hat man viel zu erzählen, „ich könnte Ihnen tagelang erzählen, und ich habe so viele Ordner über unsere Partnerschaft zuhause, dass ich bald rausfliege“, sagt Kopp und zwinkert vergnügt. „C‘est la vie“, fügt ihr Mann Konrad hinzu und zuckt mit den Schultern.

Den Part des Redens übernimmt definitiv seine Frau, kein Wunder, bezeichnet sich die lebhafte 71-Jährige doch selbst als „Terrier“. In all den Jahren hat die Berlinerin – die Großstädter sind ja bekanntlich auch nicht auf den Mund gefallen – nie losgelassen, sich stets für eine aktive, lebendige Partnerschaft zwischen den beiden Städten eingesetzt.

Dazu gehörte auch immer das Betteln, sagt Gisela Kopp, denn so ganz ohne Geld funktioniert selbst die beste Partnerschaft nicht. „Bei den Franzosen ist das finanziell anders geregelt, sie sind besser aufgestellt“, verweist die Komitee-Vorsitzende auf die zahlreichen Partnerschaften, die Faches-Thumesnil pflegt: mit Städten in Groß-Britannien, Italien, Tschechien, Griechenland und Mali.

Aber die Stolberger haben sich immer was einfallen lassen und viel mit den französischen Freunden unternommen. Stadtführungen, Museumsbesuche, Wanderungen, Konzert-Besuche und Auftritte bei Musikfesten, gemeinsame Weihnachtsfeiern, Plätzchen backen, Fußball-Turniere, Ausflüge in die Umgebung, regelmäßige Familientreffen, „es gab so viele schöne Momente, die Spaß gemacht haben und an die man sich gerne erinnert“, blickt Kopp zurück.

Irgendwann entbrannte bei den Franzosen die Leidenschaft für den rheinischen Karneval, „vor allem für den Straßenkarneval, den kannten sie ja nicht“. Immer wieder besuchten Abordnungen aus Faches-Thumesnil den Rosenmontagszug, und auch beim nächsten Lindwurm, der sich am 11. Februar durch die Stadt schlängelt, sind die Franzosen dabei. Kopp: „Das ist ein anstrengender, aber toller Tag, eine feste Größe in unserer Partnerschaft.“

Fester Bestandteil sind auch Besuche der „Amicale des Handicapés“, die Frauen und Männer mit Behinderung kommen fast jedes Jahr, demnächst wieder im Mai. Einen Monat vorher kommt eine Klasse der „École primaire“ mit 36 Schülern im Alter von acht bis zehn Jahren für einen Tag nach Stolberg, und im Juli fahren 30 junge Franzosen und Deutsche gemeinsam nach Buchenwald, nachdem sie auch einen Abstecher nach Stolberg im Harz gemacht haben.

Aufeinander zugehen, miteinander lachen, aber auch Trauer teilen, Verständnis haben für das andere Land, Freunde finden und die Beziehung pflegen, das ist in der Partnerschaft wesentlich für Gisela Kopp, „und dabei sollen Nationalität und die andere Sprache nicht daran hindern, sich zu verstehen – von Mensch zu Mensch!“

Das ist auch Dr. Stefan Schmitz wichtig. Die Zutaten für eine gut funktionierende Städtepartnerschaft sind, so sagt es der Vorsitzende des Partnerschaftskomitees Stolberg-Valognes: die Bereitschaft für den Partner, ein regelmäßiger Kontakt, das Interesse an den Besonderheiten des Landes, ein gutes Netzwerk und Teamarbeit. „Unser Komitee dient dem Zweck, die freundschaftlichen Beziehungen zwischen den Partnerstädten zu vertiefen sowie die Freundschaft zwischen den Menschen aus beiden Partnerstädten in einem gemeinsamen Europa zu fördern und zu intensivieren“, erklärt der 44-Jährige.

So ist der Verein darum bemüht, Kontakte auf allen Ebenen zu fördern, sei es zwischen den Schulen und Vereinen, Kulturträgern, Kirchen/Glaubensgemeinschaften, berufsständischen Gruppen und natürlich der Einwohner beider Partnerstädte. An erster Stelle steht nämlich der persönliche Kontakt, nicht der offizielle zwischen Städten und Staaten, sondern der zwischen den Menschen.

Seitdem das Partnerschaftskomitee ein gemeinnütziger Verein ist, läuft die Partnerschaft noch runder, schließlich können Mitgliedsbeiträge erhoben und Spenden entgegengenommen werden. Von den Banken gibt es Zuwendungen (so sehen es deren Satzungen vor), und die Arbeit kann auf mehrere Schultern verteilt werden. „Wir haben aktuell 70 Mitglieder“, freut sich der Notar über das rege Interesse für eine gut funktionierende Partnerschaft.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert