Deutliches Signal für den Kinderschutz

Von: Robert Flader
Letzte Aktualisierung:

Stolberg. Ist es der Beginn einer neuen Zeitrechnung für die Kinder- und Jugendhilfe? Das neue Bundeskinderschutzgesetz soll zumindest, da sind sich alle Beteiligten einig, einen großen Schritt nach vorne bedeuten und jungen Menschen vor allem in den ersten Lebensjahren zugute kommen.

Das Gesetz, seit 1. Januar 2012 in Kraft, hat den Kinderschutz in Deutschland auf eine neue Basis gestellt und ein deutliches Signal gesendet: Die Kommunen werden in Zukunft stärker in die Pflicht genommen, als Träger und Begleiter den Prozess zu steuern, sagte Dieter Göbel, Fachbereichsleiter des Landesjugendamtes, bei einer Informationsveranstaltung im Rathaus. Ziel sei eine ortsnahe Beratung und Unterstützung von (werdenden) Familien. Prävention und Intervention stehen gleichermaßen im Fokus.

In diesem Zusammenhang sollen vor allem die Bereiche „Frühe Hilfen” und „Familienhebammen” zum Tragen kommen beziehungsweise neu strukturiert werden. Das Gesetz könne besonders mit diesen beiden Säulen die rechtliche Grundlage schaffen, leicht zugängliche Hilfeangebote für Familien vor und nach der Geburt sowie in den ersten Lebensjahren eines Kindes „flächendeckend und auf einem hohen Niveau einführen”, wie Göbel das Ziel benennt. Problemfälle sollten schneller erkannt, und es könnte darauf entsprechend schnell reagiert werden.

Neu ist, dass alle wichtigen Akteure des Kinderschutzes, also Jugendämter, Schulen, Gesundheitsämter, Schwangerschaftsberatungen und Polizei zu einem Kooperationsnetzwerk zusammengeführt werden. Familien sollen von einer ortsnahen Beratung profitieren.

Bei einem Projekt dieser Größenordnung stellt sich natürlich auch die Frage, wer das eigentlich alles bezahlt. Nun, der Bund stellt im laufenden Jahr etwa 30 Millionen Euro zur Verfügung, Länder und Kommunen werden mit rund 90 Millionen zur Kasse gebeten, vor allem der personelle Ausbau der „Frühen Hilfen” und der „Familienhebammen” (jeweils 30 Millionen) verschlingen einen Großteil der Kosten. Auch wenn Göbel die offiziellen Zahlen nicht bestätigen will, spricht er von einer „finanziellen Herausforderung”. Bis 2014 sollen die Kosten für Länder und Kommunen wieder um 20 Millionen Euro sinken.

Stichwort Herausforderung: Das neue Angebot stellt vor allem an die Jugendämter der Kommunen eine besondere Herausforderung dar, und so sagt Fachbereichsleiter Willy Seyffarth vorsichtshalber: „Wir müssen das Gesetz entschleunigen, es handelt sich um einen Prozess, der nicht von heute auf morgen umgesetzt werden kann. Das braucht einfach Zeit.”

Keine übertriebenen Erwartungen

Auch Dieter Göbel warnt vor übertriebenen Erwartungen, aber aus anderen Gründen: „Es darf niemand glauben, dass es jetzt hundertprozentige Sicherheit beim Kinderschutz gibt. Wir leben nicht in einem Überwachungsstaat, bei dem man jeden rund um die Uhr kontrollieren kann.”

Das Bundeskinderschutzgesetz ist auch Thema im Jugendhilfeausschuss, der am kommenden Donnerstag, 24. Mai, um 18 Uhr tagt.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert