Stolberg - „Der Weg nach Aachen“: Multimediales Kunstprojekt

„Der Weg nach Aachen“: Multimediales Kunstprojekt

Von: Dirk Müller
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Schauspielerin Katrin Hensz mit ihrem Koffer, der den „Weg“ symbolisiert. Auf der Bühne packt sie den Weg metaphorisch aus. Foto: D. Müller

Stolberg. Die Beschreibung „Filmische Erzählung mit Livemusik“ wird dem Projekt nicht gerecht – davon konnten die Zuschauer sich bei der Premiere von „Der Weg nach Aachen“ im Museum Zink­hütter Hof überzeugen. Sie erlebten Literatur, Schauspiel, Film- und Fotokunst, Tanz und Musik, wobei die Disziplinen organisch zu einem beeindruckenden Gesamtkunstwerk verschmolzen.

„Der Weg nach Aachen“ präsentierte sich interdisziplinär und multimedial, drückte facettenreich und kunstvoll regionale Identität aus. „Diese Geschichte wird nie fertig sein“, versprach der musikalische Leiter Heribert Leuchter zu Beginn und stellte weitere Wege, etwa nach Lüttich und Maastricht, in Aussicht. Eine Verheißung, die das Publikum spätestens am Ende der knapp 90 Minuten, die wie im Flug vergingen, zu schätzen wuss­te. Die Begeisterung der Gäste im Museum sprach für sich.

Schon die ersten Takte der großartigen Band, in die sich auch der „Weg“-Produzent Jo Dautzenberg an der Gitarre eingereiht hatte, faszinierten. Schauspielerin Katrin Hensz betrat den Saal mit Koffer, auf dem in großen Lettern „Weg“ prangte. Auf der Bühne packte sie den Weg metaphorisch aus.

Es folgte eine äußerst ansprechende Symbiose der diversen Kunstformen. Auf zwei Monitoren und einer Großbildleinwand waren die Filmszenen zu sehen, die sowohl künstlerischen als auch dokumentarischen Charakter hatten. Teils von der Livemusik untermalt, thematisierten die Sequenzen unter anderem den Braunkohleabbau und diesem weichende Dörfer, die Steinkohlevergangenheit des Reviers oder ebenfalls unter dem Motto „Fortschritt und Wandel“ Industrie und Technik in der Region. Die „Rheinische Kartoffelkönigin“ kam zu Wort, die Tangotänzer im Film bekamen Gesellschaft von einem Tanzpaar im Saal des Zinkhütter Hofs.

Der Brunnen des Aachener Europaplatzes wurde in Szene gesetzt, in ein Caféhaus geblickt, bei Ansichten der Menschen in der lebendigen Stadt mit Zeitraffer gespielt, an den Bombenangriff der Alliierten auf Aachen erinnert. Dautzenberg berichtete von „Menschen, die im hellen Lichterschein der Explosionen am Rande eines Feldes getanzt haben, weil sie hofften: Jetzt ist der Krieg vorbei“. Nahezu allgegenwärtig wie vielfältig dabei die Musik: jazzig über sphärisch bis treibend rhythmisch.

Der Produzent gab sich lyrisch, als er die Geschichte von seinem „Onkel Jupp“ erzählte, der „ein stolzer Arbeiter“ war und später an Staublunge erkrankte. „Wie er aus der Staubwolke hervorkam, so verschwand er wieder“, sagte Daut­zenberg und berührte das Publikum mit Worten wie: „Fortschritt ist der Weg, den wir zusammen gehen.“ „Der Weg nach Aachen“ indes begeisterte sowohl als komplette Konzeption als auch in seinen Details. Die Flut von Eindrücken und Wahrnehmungen geriet durch beinah meditative Sequenzen zu einem Kunstgenuss auf hohem Niveau.

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