Der Stolberger trinkt wieder „Ketsch”

Von: Jürgen Lange
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Ketschenburger ist wieder in: 23 Jahre nach dem Aus erlebt das Stolberger Bier innerhalb von fünf Monaten ein rasantes Foto: J. Lange

Stolberg. In manch geselliger Runde werden sie seit Jahrzehnten besungen, die lustigen Stolberger Jungen, getauft im Vichtbach und mit Ketschenburger Bier. Und damit gründen echte Stolberger ihren heimatlichen Stolz auf ein Getränk, dem vor einem halben Jahr kaum jemand ein so rasantes Comeback zugetraut hätte, wie es auch am heutigen Donnerstag - am „Tag des Biers” - in den Gefilden am Vichtbach erlebt wird.

Um dem alten Werbespruch „Trink ein Ketsch” nachkommen zu können, muss es sich schon gehörig sputen, das Team um Dr. Rüdiger Fröschen, das dem Froschkönig gleich das alte Stolberger Nationalgetränk wach geküsst hat.

Es war am 27.November 2008 als der ehemalige Prinz Karneval des Jahres 2002 in der Gaststätte Burghof eine kleine Schar bierkundiger Stolberger versammelte, um die ersten Gläser des neuen „Ketsch” zu präsentieren. Seit 1985 war der Gerstensaft mit einer bis 1817 zurückreichenden Tradition nicht mehr gebraut worden. Aber das neue Ketschenburger schmeckt wie das alte befanden die Kenner. Seitdem tritt das untergärige Bräu einen Siegeszug ohnegleichen in der Kupferstadt an.

Floss das vollmundige Bier zunächst nur im „Postwagen” und im „Burghof” aus dem Zapfhahn, zählt es innerhalb von fünf Monaten bereits in vielen Stolberger Kneipen zu einem der gefragtesten Getränke. „Die Nachfrage der Gaststätten steigt”, sagt Hobby-Braumeister Fröschen. Wobei das Problem der Gastronomen darin liegt, dass viele Gaststätten an einen Bierverlag gebunden sind.

Einfacher haben es da Privatleute und Vereine. Bei immer mehr Feiern und Festen wird das Stolberger Bier gezapft; „Ketschenburger im Ausschank” verfehlt heute seine wirksame Werbung nicht. 40 Hektoliter im Monat mit steigender Tendenz lässt Fröschen, der vom Aldenhovener Getränkefachgroßhandel Willy Bongartz die Braurechte erwarb, in einer kleinen bayerischen Familienbrauerei produzieren.

Doch möglichst bald schon soll die Geburt des Ketsch an ihren Heimatort zurückkehren. Gegenüber der traditionsreichen Braustätte verfügt Fröschen neben dem - auch von ihm initiierten -Burghof-Theater ausreichend Platz. „Die Finanzierung der Brauausstattung ist das größere Problem”, sagt Rüdiger Fröschen. 200.000 bis 300.000 Euro werden wohl investiert werden müssen. „Ich bin lediglich Zahnarzt und mache das nur aus Spaß an der Freude”, unterstreicht Fröschen. Denn das Comeback des Ketschenburgers ist ein absolutes Non-Profit-Projekt. „Jeder verdiente Euro wird wieder in das Vorhaben investiert”. Gläser, Werbung, Plakate, Bierdeckel im Zeichen des Ketsch feiern so ihre Wiedergeburt.

Aber die Tradition soll in die Moderne geführt werden. Ein Casting auf der Suche nach dem typischen Ketsch-Trinker läuft. Und am Geschmack einer neuen Sorte wird schon gefeilt: Ketsch mit Tequila. „Wir wollen auch die Jugend erreichen”, sagt Rüdiger Fröschen. Und diese Generation trinkt gerne ein Bier mit Beigeschmack.

Studenten sind es auch, die das neue Design des Kupferstädter Biers entwickeln. An der Düsseldorfer Kunsthochschule wird die Kombination aus Tradition und Moderne entworfen, die Stolbergs Premium Pils schmückt. Zu bewundern an den kleinen 0,33er Flaschen, die seit wenigen Tagen auf dem Markt sind - als Sixpack. „Die laufen wie irre”, sagt Fröschen. „Wir kommen kaum noch nach mit dem Abfüllen”.

Um die Braustätte an der Vicht wieder ins Leben rufen zu können, denkt Fröschen auch über die Gründung einer Gesellschaft nach, mit der die Stolberger sich am Brauen des eigenen Biers beteiligen können. „Doch das ist ein schwieriges Thema in diesen wirtschaftlichen Zeiten.”

Aber es ist eine Zeit, in der die Menschen aus der Kupferstadt sich wieder stärker und stolz auf ihre Heimat besinnen. Der Stolberger trinkt Ketschenburger Bier. So wie früher, als das Getränk von der Vicht die Theken bis weit in die tiefe Eifel beherrschte: mit dem Slogan „Trink ein Ketsch” - oder wie es heute mit englischem Einschlag heißt „Catch a Ketsch”.
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