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Der Rittersaal als Proberaum für große Orchester

Von: Ottmar Hansen
Letzte Aktualisierung:
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Bald auch mit Stolberger Kindern? Die Russische Kammerphilharmonie St. Petersburg unter Juri Gilbo bei ihrer Probe im Rittersaal der Stolberger Burg. Foto: O. Hansen

Stolberg. Die renommierte Russische Kammerphilharmonie St. Petersburg legte jetzt auf ihrer Konzertreise um die Welt einen kurzen Zwischenstopp in Stolberg ein – zu einer Probe im Rittersaal der Burg. Kulturmanager Max Krieger hatte den Besuch der bekannten Musiker eingefädelt.

Seine Idee: Wenn das Orchester vielleicht einmal oder zweimal im Jahr eine öffentliche Probe auf der Burg abhält, könnten Kindergartenkinder und Schüler in professioneller Manier an die klassische Musik und die Orchesterinstrumente heran geführt werden.

Die Russische Kammerphilharmonie St. Petersburg begleitete weltweit bekannte Solisten auf ihren Tourneen. So spielte das Orchester unter anderem mit Nigel Kennedy (Violine), Sir James Galway (Flöte), Giora Feidmann (Klarinette), René Kollo (Tenor) oder Justus Frantz (Klavier) zusammen. In unserer Region war das Orchester zuletzt beim Monschau Klassik Festival zu hören, im kommenden Jahr wird das Ensemble ein Konzert in der Kölner Philharmonie geben.

Passt da die Akustik des Stolberger Rittersaales ins Programm? Dirigent Juri Gilbo und seine Musiker testeten jetzt den Raum, und Gilbo war durchaus angetan. Das Orchester verteilte sich über die Bühne und einen Teil des ebenerdigen Saales. „Die Hälfte des Saales bleibt noch frei, rund 50 Zuhörer gingen wohl noch rein“, hat Krieger errechnet.

Am frühen Nachmittag probt die Philharmonie das Konzert für Violine, Violincello und Orchester in a-moll von Johannes Brahms. Juri Gilbo ist noch nicht hundertprozentig zufrieden mit dem, was er da von seinen Musikern hört: „Da ist mir zu viel Fagott!“, ruft er durch den Saal. „Zu viel Fagott, zu viel Fagott.“ Die Blasinstrumente „erschlagen“ die Streicher in ihrem Piano. Gilbo kommuniziert mal auf Russisch, mal auf Deutsch mit seinem Orchester. Dass da eingespielte Musiker ihre Instrumente anstimmen, ist unüberhörbar. „Takt 93“, der Hinweis reicht, und alle stimmen ein. Da die Fenster im Trauzimmer der Burg geöffnet sind, wehen die Klänge aus dem Rittersaal bis in die Stolberger Altstadt. Die Bläser spielen dem Dirigenten „zu militärisch“. Seine Bitte: „Wir bleiben bei Brahms. Die ungarischen Tänze kommen später.“ Neuer Anlauf. Erneut Kritik: „So war es auch schön, aber wir spielen die Noten, die in der Partitur stehen.“ Der Meister ist streng. Doch schließlich huscht ein zufriedenes Lächeln über Gilbos Gesicht: „Jetzt haben wir es.“ In der kurzen Probenpause gibt es Würstchen für alle aus der Burgküche, zur Belohnung.

„Ich hoffe, das Orchester auf seiner Tournee ein- bis zweimal im Jahr zu einer öffentlichen Probe nach Stolberg holen zu können“, gibt sich Max Krieger zuversichtlich. „Wir werden dann über das Schulamt organisieren, welche Kinder und Jugendlichen die Probe im Rittersaal besuchen dürfen.“

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