Der Kontakt untereinander soll Normalität werden

Von: Heike Eisenmenger
Letzte Aktualisierung:
moschee3sp-bu
Die Moschee des Islamisch-Albanischen Kulturzentrums an der Dammgasse gibt es seit 2006. Foto: H. Eisenmenger

Stolberg. Von Mal zu Mal wird es besser - daran besteht für Gürhan Dogan kein Zweifel. Dass die Idee vom „Tag der offenen Moschee” langsam aber sicher immer mehr Menschen erreicht, ist für den 28-Jährigen Motivation genug, um an dem bundesweiten Aktionstag festzuhalten.

Im Zentrum der Idee steht, Christen und Moslems zusammen zu bringen und Vorurteile, die nicht zuletzt durch die Terroranschläge am 11. September entstanden sind, auszumerzen.

Hunderte islamische Gemeinden und Vereine öffneten am Sonntag ihre Pforten, um im direkten Dialog Barrieren einzureißen. In Stolberg waren es drei türkische Gemeinden und ein albanischer Kulturverein, die sich mit Blick auf ein respektvolles Miteinander der Religionen beteiligten.

Was voraussetzt, dass beide Seiten dazu bereit sind, sich einzulassen. So wie Karl-Gottfried Freyberger: „Es war schon ein wenig befremdlich, als wir den Hof der Ditib-Moschee betraten, was aber nur daran lag, dass man sich auf eine unbekannte Ebene begibt”, räumte Karl-Gottfried Freyberger ehrlich ein. Das Eis war aber gleich bei der Begrüßung gebrochen: „Wir sind sehr herzlich aufgenommen worden”, betonte seine Ehefrau Marie-Luise Krampe (48). Man habe „eine Führung bis in den letzten Winkel genossen”, bedankte sich der 47-Jährige.

Keine „Gotteskrieger”

Der Islam und „Gotteskrieger” sind zwei völlig verschiedene Dinge und haben nichts miteinander gemein: Das ist eine Botschaft, die die Besucher mit nach Hause nahmen. „Wenn 30 Moslems sich treffen, um friedlich zusammen zu beten, ist das keine Schlagzeile wert”, bedauert Freyberger, dass der Begriff „Moslem” seit einigen Jahren für viele Menschen negativ behaftet sei.

Waren beim „Tag der Moschee” 2009 die Terroranschläge ein zentrales Thema bei den Besuchergesprächen, so habe sich das inzwischen geändert, berichtete Gürhan Dogan, der durch die Ditib-Moschee führte. „Heute bin ich noch kein einziges Mal auf Terroranschläge angesprochen worden”, ist der 28-Jährige froh, dass immer mehr Menschen zwischen friedlichen Moslems, die ihre Religion ausleben wollen, und Fundamentalisten, die von blindem Hass getrieben sind, unterscheiden.

Unter den knapp 40 Besuchern, die die türkische Moschee an der Rathausstraße besichtigten, waren auch Andrea Smid und Herbert Ortmanns. „Die Kinder haben viele türkische Klassenkameraden, da kommt man automatisch mit den anderen Eltern in Kontakt”, erklärte Smid. Außerdem seien sie schon so oft an der Moschee hier vorbeigekommen, „dass wir uns sagten: Wenn die heute geöffnet haben, müssen wir uns das wirklich mal anschauen”, erzählte die 44-Jährige.

Zumal der 46-jährige Ortmanns Aydin Öz von der türkischen Gemeinde sich gut kennen: „Wir haben lange in der selben Firma zusammen gearbeitet”, erzählte Öz und umarmte seinen ehemaligen Arbeitskollegen spontan.

Wie in einer Großfamilie aufgenommen fühlte man sich im Islamisch-Albanischen Kulturzentrum an der Dammgasse, das zum ersten Mal beim Aktionstag mitmachte. Kaum dass man die Teestube, die an den Gebetsraum angrenzt, betreten hatte, wurde dem Gast eines der kleinen, zylindrischen Gläser und zuckriges Naschwerk vorgesetzt. „Unser Ziel ist es, den Jugendlichen Werte zu vermitteln, sie von der Straße und von Drogen fernzuhalten”, erläuterte Avni Kadrolli (34), Vorsitzender des Kulturvereins.

Das optische Erkennen als Moslem ist in dieser Gemeinschaft, der rund 600 Albaner aus Stolberg und Umgebung angehören, nicht von Bedeutung. „Uns geht es um die innere Einstellung”, beschrieb es Imam Ali Sulemani (29).

Doch es geht der Gemeinschaft auch darum, dass ihr Glaube von den Deutschen akzeptiert wird und man in Frieden zusammenlebt. Dieser Wunsch ist den Männern ein Bedürfnis, gerade vor dem Hintergrund, „dass wir die Hilfe, die Deutschland uns gegeben hat, nicht vergessen haben und dafür zutiefst dankbar sind. Viele von uns sind mittlerweile zu Deutschen geworden”, sagte Murat Shipoli (44). Nur eben mit dem Unterschied, dass ihr Prophet nicht Jesus, sondern Mohammed heißt.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert