Stolberg - Der Grauschale blüht eine rosige Zukunft

Der Grauschale blüht eine rosige Zukunft

Von: Mischa Wyboris
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Mit wenigen Spatenstichen vor dem Aussterben bewahrt: Die von den Mitarbeitern des Obstsorten-Projektes frisch gepflanzte Grauschale ist die 50. Baumsorte im Garten am Schweizer Haus. Foto: M. Wyboris

Stolberg. Es sind nur ein paar Spatenstiche, die der Grauschale vermutlich das Leben gerettet haben. Noch reckt das frisch gepflanzte karge Bäumchen im Sortengarten der Biologischen Station nur seinen dünnen Stamm gen Himmel. Doch in wenigen Jahren soll der Apfelbaum eine Frucht tragen, die fast ausgestorben war.

„Wenn man nur noch den Kern der Frucht hat, kann man die Sorte nicht mehr gewinnen - man benötigt den Trieb des Baumes”, sagt Christoph Vanberg, Mitarbeiter der Biologischen Station der Städteregion Aachen an der Zweifaller Straße und Bearbeiter eines ambitionierten Projektes zur Auffindung von seltenen Obstsorten im Rheinland, die vom Aussterben bedroht sind. Das Ergebnis der fast dreijährigen Suche lässt sich im Handbuch „Lokale und regionale Obstsorten” mit 49 Steckbriefen begutachten.

Nicht nur die Grauschale hätte beinahe für alle Zeit von der Sortenliste gestrichen werden müssen - ein ähnliches Schicksal hätte wohl auch dem Aachener Hausapfel „geblüht”: „Von dieser Sorte haben wir nur noch vier Altbäume gefunden, und zwar weltweit”, sagt Vanberg. „Wenn wir noch 20 Jahre warten würden, ist der letzte Baum gefallen. Irgendwann kann man die Frucht nicht mehr zurückholen.”

Um dieses Szenario zu vermeiden, haben 13 Projektpartner, darunter auch die Biologischen Stationen in Stolberg und Düren, im gesamten Rheinland nach alten Sorten gesucht und sind Tausenden von Hinweisen aus der Bevölkerung nachgegangen. 143 Obstsorten konnten die Biologen erfassen, 49 davon konnten Pomologen als lokale Raritäten bestätigen, von denen 16 wiederum allein aus dem Bereich Aachen, Düren und Euskirchen stammen.

Wenn der Apfel nicht weit vom Stamm fällt, sollte man ihn entsprechend pflegen - bevor er vor der eigenen Haustür verkommt. 300000 Euro hat der Landschaftsverband Rheinland (LVR) deshalb in das Projekt zur Findung und Rettung seltener regionaler Obstsorten investiert, um nicht nur die Grauschale, die unter anderem im Stolberger Sortengarten eine neue Heimat gefunden hat, vor dem Aussterben zu bewahren. „Über Jahrhunderte Bekanntes ist nach und nach in Vergessenheit geraten, doch die Sortenvielfalt darf nicht verlorengehen”, sagt Adolf Attermeyer, LVR-Fachbereichsleiter Umwelt.

So gibt es Cornely´s Hausapfel lediglich noch in der Städteregion Aachen, im Kreis Düren und im Kreis Heinsberg, Doppelter Hausapfel und Grauschale kommen nur noch in der Städteregion vor, der Flandrische Rambur lediglich in Städteregion und Kreis Düren. Auch die Beggendorfer Mehlbirne wurde nur noch in der Städteregion Aachen gefunden, die Münsterbirne zudem noch im Kreis Heinsberg.

Das Handbuch „Lokale und regionale Obstsorten im Rheinland - vom Aussterben bedroht” (Auflage: 10.000 Stück) mit 49 Steckbriefen auf 144 Seiten gibt es für 5 Euro bei der Biologischen Station, Zweifaller Straße 162, oder auf Bestellung im Buchhandel.

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