Stolberg - Der Frauentag wird zum Fest der Nationen

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Der Frauentag wird zum Fest der Nationen

Von: Louisa Houben
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Frauentag in Stolberg: Zwei Frauen der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion e. V., die wie viele andere Frauengruppen der Stolberger Moscheen selbstzubereitete Köstlichkeiten anboten. Foto: Louisa Houben

Stolberg. Stolberg. Frauen sind gut organisiert und vernetzt, das wird an diesem internationalen Frauentag deutlich. Sie bieten selbst zubereitete Köstlichkeiten aus Albanien, der Türkei und Marokko an, verkaufen englische Bücher, basteln mit den Kindern und vor allem: informieren und beraten sich gegenseitig. Denn die Damen treffen sich im alten Rathaus, um miteinander ins Gespräch zu kommen: auf Deutsch, Türkisch, Englisch, Russisch.

„Wir können viel voneinander lernen,“ betont Susanne Goldmann, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Stolberg und verweist auf die „vorbildlich organisierten“ Frauenabteilungen der Stolberger Moscheen, die an diesem Tag Tische im Rathaus mit Leckereien bestückt haben und ihren Teil dazu beitragen, dass die Veranstaltung gut besucht ist. „Flia“ heißt eins der vielen herzhaften Gebäcke, die die Damen des Islamisch Albanischen Kultur Zentrums anbieten. Dazu gibt es einen Becher Tee mit Zitrone.

An einem anderen Tisch lässt sich eine Besucherin die Hände mit Henna verzieren, an einem anderen Stand wird die Haarpracht der Mädchen zu vielen kleinen Zöpfen geflochten und bei der Modenschau entdeckt die ein oder andere noch etwas Schickes zum anziehen. Die Treppe am Rathaus wird zur Bühne von Zumba-Tänzerinnen und die Kinder des Figuren-Theaters „Spiegelei“ erwecken ihre Puppen zum Leben. Das Angebot ist so vielfältig und verschieden wie die Teilnehmerinnen und Besucherinnen des Frauentags selbst.

Nationenvielfalt im Vordergrund

Gemeinsam mit Praktikantin Liridona Gashi und Khairunnissa Mazeena Ismail, der IG Frauen und Mädchen hat Susanne Goldmann, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt, die Veranstaltungen zum internationalen Frauentag organisiert. Dabei standen die vielen Nationen, die in Stolberg wohnen und gemeinsam leben im Vordergrund.

Neben den Angeboten am Samstag, fand freitags der internationale Weltgebetstag der Frau im ökumenischen Gemeindezentrum statt und am Sonntag der internationale Frauentag in der DITIB-Moschee. „Wir feiern ein Fest über drei Tage – das soll uns mal einer nachmachen,“ sagt Susanne Goldmann.

In Sachen Gleichstellung sei in Stolberg und den Kommunen der Städteregion schon viel erreicht worden. Doch es gebe immer noch Baustellen. Besonders dort, wo die Gesellschaft es nicht unmittelbar mitbekomme, würden Frauen schikaniert und verletzt, körperlich wie seelisch.

Rechtsanwältin Seyda Berber weiß von dem Leid der gebrochenen Frauen zu berichten. Sie betreut Opfer von Mobbing, Stalking und häuslicher Gewalt. Dabei hat sie die Erfahrung gemacht, dass die deutsche Sprache oft ein Problem ist. „Mit meinem Vortrag möchte ich einen Beitrag für mehr Aufklärung leisten,“ erklärt die Rechtsanwältin. Auf Deutsch und anschließend auf Türkisch gibt sie allen im Saal die Möglichkeit, mehr Erkenntnisse über Frauenrechte zu gewinnen und zu lernen, wie sich Opfer von Schikanen zur Wehr setzten können.

Neben weiteren Vorträgen zu Themen wie Kinderbetreuung oder Unterhaltszahlung bieten unter anderem auch Info-Stände von Tagesmüttern, der AWO, der Caritas oder der Hebammen Praxis „Lebenslinie“ Beratung an. Beatrice Koll und Dorothee Bremen informieren über die miserable Zukunft ihrer Kolleginnen. Denn die Kosten für die Haftpflichtversicherung für Hebammen explodieren. Die Nürnberger Versicherungsgruppe, die bisher eine der wenigen Anbieter war, die Hebammen Haftpflicht-versichert hat, will sich ab Sommer 2015 aus dem Geschäft zurückziehen.

Für Hebammen bedeutet das, dass sie kaum noch freiberuflich Geburten betreuen und Vor- und Nachsorge anbieten können.

„Das bedeutet einerseits das berufliche Aus für Freiberufler und für die Frauen, dass sie nicht mehr frei wählen dürfen welche Hebamme sie während der Schwangerschaft betreut. Damit ist die Selbstbestimmung der Frau extrem eingeschränkt,“ erklärt Koll.

Eifrig sammeln sie Unterschriften für die laufende Internet-Petition und gewinnen Unterstützerinnen.

Im alten Rathaus in Stolberg ist am internationalen Frauentag richtig was los. Die Damen nutzen die Gelegenheit sich auszutauschen, sich zu informieren oder beraten zu lassen, miteinander ins Gespräch zu kommen und sich vielleicht auch ein wenig selber zu feiern.

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