Stolberg - Der Aufruf zum Gebet soll die Nachbarn nicht stören

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Der Aufruf zum Gebet soll die Nachbarn nicht stören

Von: Kolja Linden
Letzte Aktualisierung:
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Der Vorbeter ruft die Glaubensbrüder und -schwestern zum Gebet: Unser Bild stammt vom Tag der offenen Moschee am 3. Oktober 2008. Foto: H. Eisenmenger

Stolberg. Bei der Premiere war es noch ziemlich laut, und manch ein Stolberger war doch sehr überrascht: Am Freitag, 4. September, erschallte zum ersten Mal der Ruf des Imams, des muslimischen Vorbeters, über die Rathausstraße und weit darüber hinaus.

Seitdem erklingt er jeden Freitag, meist kurz nach Mittag, um die gäubigen Muslime zum Gebet aufzurufen. Betreiber der Moschee an der Rathausstraße ist die Türkisch-Islamische Gemeinde (Ditib), deren Vorstandsmitglieder schon im Vorfeld ihre Nachbarschaft informiert und dabei um Verständnis geworben hatten. Es ist ein traditoneller Ruf, der da auf arabisch über die Lautsprecher schallt, erklärt Turgay Sacu, Vorsitzender der Ditib. „Der Vorbeter ruft die Gläubigen zum Gebet. Das ist vergleichbar mit der Funktion der Kirchenglocken christlicher Kirchen”, sagt Sacu.

Auch mit der Stadt hatte die Ditib vorab über ihr Ansinnen gesprochen. Dennoch gab es vereinzelte Beschwerden, allerdings nicht in großer Zahl. „So etwa drei bis vier sind bei uns eingegangen”, sagt Hans Maassen vom Ordnungsamt, der ohnehin in regelmäßigem Kontakt mit der Ditib steht. Dabei, sagt Maassen, gibt es keinen Zweifel, dass es den Muslimen gesetzlich zusteht, ihre Glaubensbrüder und Schwestern zum Gebet zu rufen - ähnlich wie es den christlichen Kirchen erlaubt ist, dies durch Glockengeläut zu tun.

„Zu beachten sind allerdings die zulässigen Lärmwerte”, sagt Maassen. Nach der Technischen Anleitung zum Schutz gegen Lärm, einer Verordnung, die im Beamtendeutsch nur „TA Lärm” heißt, sind für Mischgebiete wie die Rathausstraße 60 Dezibel erlaubt, erklärt Maassen. Hinzu kommt die Erlaubnis, dass „kurzfristige Geräuschspitzen”, so steht es in der Verordnung, auch um 30 Dezibel darüber liegen dürfen. Was genau jetzt als kurzfristig gilt, das müsste theoretisch ein Lärmgutachter festlegen, doch Maassen wirbt auch ohne Gutachter um Verständnis: „Es ist ja nur einmal pro Woche für drei Minuten.” Außerdem sei die Ditib sehr kooperativ und wolle in Frieden mit ihren Nachbarn leben.

Und das scheint zu funktionieren. Nicht nur, dass die Vertreter der Moschee vorab die Nachbarn informiert hatten, es ist auch seitdem keine Beschwerde direkt an sie gegangen, sagt Sacu. Dennoch steht das Ordnungsamt weiter in Kontakt mit der Moschee, am kommenden Freitag wird Maassen noch einmal mit einem Messgerät zu Gast sein, um die genaue Dezibelzahl zu ermitteln.

Zwei Sofortmaßnahmen haben die Ditib-Leute auch so schon umgesetzt. Die Lautsprecher sind in Richtung Himmel gerichtet worden, außerdem wurde die Reglerstärke von 10 auf 7 heruntergedreht. Wenn am nächsten Freitagmittag also der Imam wieder zum Gebet ruft, wird das bereits deutlich leiser sein als beim ersten Mal.
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